Wie die industrielle Tierhaltung unseren Pilzen schadet

29. Oktober 2020 | Massentierhaltung, Landwirtschaft, Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Überdüngung verunreinigt das Grundwasser, gefährdet "magere" Standorte wie nährstoffarme Wiesen und Weiden – und schadet sogar den Pilzen.

Immer seltener: Wiesenchampignons sind auf extensiv genutzte Weiden angewiesen, die zunehmend aus der Agrarlandschaft verschwinden.  (Stefan P. / pixabay.com)

In der industriellen Tierhaltung entstehen riesige Mengen Gülle. Denn die Tiere werden mit importiertem Soja gefüttert – und mit dem Soja werden riesige Mengen Nährstoffe importiert. 

Die Gülle enthält Stickstoff und wird als Dünger eingesetzt, um hohe Erträge zu erzielen sowie ausreichend Nährstoffe nachzuliefern, die Pflanzen dem Boden entziehen können. 

Doch die ausgebrachte Menge ist viel zu hoch: Jährlich werden in Deutschland über 200 Millionen Kubikmeter Gülle auf die Äcker ausgebracht. Wenn der landwirtschaftlich genutzte Boden mehr gedüngt wird, als von den Pflanzen entzogen wird, entstehen Stickstoffüberschüsse. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, wo besonders viele Tiere gehalten werden, ist die Stickstoffbelastung daher besonders hoch. 

Belastetes Grundwasser, bedrohte Pilze

Die Gülle belastet das Grundwasser mit gesundheitsschädlichem Nitrat. Aber sie schadet auch Organismen, bei denen wir es zunächst vielleicht nicht vermuten: unseren Pilzen

Der Grund ist, dass viele Pilze eher auf Nährstoffarmut ausgelegt und daher auf stickstoffarme Böden angewiesen sind. Wo also viel gedüngt wird, nimmt die Pilzvielfalt folglich ab. 

Das ist schlecht für Natur und Umwelt. Denn Pilze haben ihre Nische in allen Ökosystemen als Stoffwandler und Regulatoren der Nährstoffkreisläufe. Sie bauen organische Stoffe wie Blätter und Holz in anorganische, pflanzenverfügbare Nährsalze um. Zu viel Stickstoff schadet den meisten von ihnen. 

So ist z.B. der Kirschrote Saftling, wie die meisten Saftlinge, nur auf ungedüngten Wiesen und Weiden zu finden – und deshalb gefährdet, weil diese immer mehr aus der Agrarlandschaft verschwinden. Ähnlich ergeht es dem Wiesenchampignon, auch "Wiesenegerling" genannt: Seine Vorkommen schwinden ebenfalls, denn er ist auf extensiv genutzte Weiden angewiesen, wo er sich von Humus ernährt.

Eine Agrarwende ist nötig

Klar ist: Nicht allein die Landwirtschaft verantwortet den Artenschwund. Aber für die Frage, wie unsere Wiesen und Äcker genutzt werden, spielt sie beim Schutz der Artenvielfalt eine wichtige Rolle. Und dieser Frage muss Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sich stellen. Denn wenn extensive Weiden immer weiter verschwinden, dann verlieren Pflanzen und Tiere ihre Habitate. 

In Brüssel wurde gerade eine große Chance verpasst, eine neue EU-Landwirtschaftspolitik auf den Weg zu bringen, die Betriebe fördert, die in Einklang mit der Natur wirtschaften. Deshalb muss Frau Klöckner jetzt handeln und den Umbau der Tierhaltung in Deutschland endlich im Sinne einer echten Agrarwende angehen. 

Die Nutztierhaltung muss grundlegend umgebaut werden, weg von der nicht-tiergerechten Massentierhaltung und hin zu tiergerechten Haltungsverfahren wie Weidetierhaltung. 

Um in den besonders viehintensiven Regionen die Umweltbelastung zu reduzieren, kann eine Flächenbindung der Tierhaltung eine Lösung sein. Das bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb genug Flächen nachweisen muss, um seine Tiere zu ernähren und deren Dung auszubringen. Maximal sollten nicht mehr als zwei Großvieheinheiten pro Hektar erlaubt sein; auf besonders mageren Standorten – also extensiv genutztem Grünland, das besonders nährstoffarm ist – noch weniger.

Was können Verbraucher*innen tun?

Wer Pilze liebt, sollte auf Fleisch aus industrieller Tierhaltung verzichten. Der BUND rät: Essen Sie weniger tierische Lebensmittel. Kaufen Sie Produkte aus extensiver Weidehaltung aus ihrer Region, um Betriebe zu unterstützen, die im Einklang mit der Natur wirtschaften.

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