Neue Studie: Mikroplastik kann Zellen schädigen

18. August 2021 | Chemie, Meere, Umweltgifte

Mikroplastik könnte doch – entgegen vorheriger Annahmen – die Zellmembranen von Menschen und Tieren schädigen. Das hat eine aktuelle Studie erstmals herausgefunden. Diese neuen Forschungsergebnisse sind möglicherweise die Erklärung dafür, wie die winzigen Plastikpartikel Entzündungsreaktionen auslösen können.

Für ihre Studie nutzten die Forscher*innen rote Blutkörperchen.  (Gerd Altmann / Pixabay)

Wir wissen, dass Mikroplastik-Partikel mittlerweile überall zu finden ist: in der Luft, in den Böden und in den Meeren.

In Deutschland landen bis zu 300.000 Tonnen Mikroplastik jedes Jahr in die Umwelt. Allein über die Elbe gelangen jedes Jahr 42 Tonnen Plastikabfälle in die deutsche Nordsee, es gelangt also auch jede Menge Plastik in die Binnengewässer. In landwirtschaftlichen Böden landen in Deutschland mindestens 19.000 Tonnen pro Jahr.

Zudem wirkt Kunststoff aufgrund seiner Eigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte: Mikroplastik zieht Schadstoffe geradezu magisch an, die sich auf seiner Oberfläche anreichern. 

Durch die breite Verteilung in der gesamten Umwelt gelangt Mikroplastik auch auf unsere Teller, beispielsweise durch Meeresfisch. Da die kleinen Kunststoffpartikel biologische Barrieren durchbrechen können, sind sie mittlerweile in unserem Blut und der Plazenta zu finden. Wahrscheinlich kommen viele Kinder also mittlerweile vorbelastet zur Welt.

Schwere Funktionsstörungen möglich

Neueste Forschungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass Mikroplastik nicht "nur" Schadstoffe und Bakterien transportiert, sondern auch tierische und menschliche Zellen rein physikalisch direkt schädigt.  

In der jüngsten – besorgniserregenden – Studie fanden die Forscher*innen heraus, dass Mikroplastikkügelchen mit einer Größe von 1 bis 10 Mikrometern an Zellmembran haften blieben – was zu einer erheblichen Dehnung dieser Membran führte. Die Spannung der Membran nahm dadurch erheblich zu, bis nah an die Grenze, bei der sich die Membran auflöst. Die Lebensdauer der Membran verringerte sich deutlich.

Die bisherige Ansicht, nach der Mikroplastik keine dauerhaften Schäden an Zellmembranen hinterlassen könne, wird mit dieser Studie also widerlegt. Die Forscher*innen warnen, dass das mechanische Dehnen der Zellmembran durch Mikroplastik letztlich zu schwerwiegenden Funktionsstörungen der Zellen führen kann.

Plastikeinträge in die Umwelt verhindern

Der BUND fordert daher, dass Menschen und andere Lebewesen so wenig wie möglich schädlichen Plastikprodukten ausgesetzt werden dürfen. Der vermeidbare Eintrag kleiner Plastikpartikel, egal ob fest oder flüssig, muss so weit wie möglich eingedämmt werden. Denn einmal in der Umwelt, ist Mikroplastik nicht mehr zurückzuholen – und landet ggf. in unseren Körpern. Ausgang ungewiss.

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