Kommentar: Atomstrom keine Lösung für akute Engpässe – BUND prüft rechtliche Schritte

19. Juli 2022

Anlässlich der populistischen Schein-Debatte um längere Laufzeiten der drei noch laufenden Atomkraftwerke (AKW) in Deutschland erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): 

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt  (Simone Neumann)

"Es ist ein Skandal, dass sich SPD und Grüne in der Atomfrage mit einer populistischen Scheindebatte von CDU/CSU und FDP vor sich hertreiben lassen. Die Fakten liegen längst auf dem Tisch. Auch ein erneuter Stresstest ändert nichts daran, dass die Sicherheitsrisiken und Kosten eines Weiterbetriebs in keinem Verhältnis zu den dadurch gewonnenen, vergleichsweise geringen Strom-Kapazitäten stehen. Die drei noch laufenden AKW haben einen Anteil von nur etwa sechs Prozent am deutschen Strommix. Und von zusätzlichen Strommengen kann kurzfristig ohnehin nicht die Rede sein, da neue Brennelemente nicht auf Halde liegen und frühestens im übernächsten Winter verfügbar wären. 

Die Gaskrise ist mit Atomkraft nicht ansatzweise lösbar. Erdgas wird hierzulande zu etwa 85 Prozent für Wärme und Industrieprozesse eingesetzt. Und von Energieunabhängigkeit von Russland kann im Fall von Atomkraft überhaupt keine Rede sein. Die verstaatlichte russische Atomindustrie hat Europa als Lieferant von Uran und Nukleartechnik so fest im Griff, dass die EU es sich bislang nicht leisten konnte, im Atomsektor Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

Deutschland hat den Ausstieg aus der Atomenergie aufgrund der unberechenbaren Sicherheitsrisiken beschlossen - an den Grundlagen hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: die AKW sind heute elf Jahre älter und haben allesamt eine Betriebsdauer von 30 Jahren weit überschritten. Sie sind störanfälliger und weisen zum Teil bereits jetzt erhebliche Sicherheitsmängel auf. 

Auch das Atommüll-Problem ist nach wie vor ungelöst. Das laufende Suchverfahren für eine dauerhafte Lagerstätte für die Jahrtausende lang gefährlichen hochradioaktiven Abfälle wird mit dieser sinnlosen Debatte um Laufzeitverlängerungen aufs Spiel gesetzt.

Ein Weiterbetrieb der AKW wäre zudem ein Rückschlag für die Energiewende. Jahrelang haben die AKW die Stromnetze mit ihrem Volllastbetrieb blockiert und die Umstellung auf Erneuerbare Energien behindert. Damit muss Ende des Jahres endlich Schluss sein. Der BUND wird einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten nicht tatenlos hinnehmen und rechtliche Schritte prüfen."

Mehr Informationen:

  • Kontakt: Angela Wolff, BUND-Expertin für Energiepolitik, Klima und Atom, Mobil 0178 6635576, E-Mail: angela.wolff(at)bund.net sowie BUND-Pressestelle: Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak Tel. 030-27586-497 |-531 |-464 |-425 | E-Mail: presse(at)bund.net
     

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