Was ist die zentrale Aussage der Studie?
Die Studie weist Hotspots für Grundwasserstress in Deutschland aus. Die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland sind von Grundwasserstress betroffen. Besonders betroffen sind nicht nur die bekannten Trockenregionen im Osten Deutschlands, sondern auch Ballungszentren wie die Rheinschiene und Regionen in Niedersachsen.
Was ist Grundwasserstress?
Grundwasserstress bedeutet, dass so viel Grundwasser entnommen wird oder sich durch die Klimakrise weniger neu bildet, dass abhängige Ökosysteme Schaden nehmen können. Der Fachbegriff Grundwasserstress kann insofern als eine Art Vorwarnstufe verstanden werden – für Regionen, in denen durch zu hohe Entnahmen oder Auswirkungen der Klimakrise die Grundwasserstände sinken und Ökosystemschäden auftreten können. In der Studie werden akuter und struktureller Grundwasserstress unterschieden.
Wo gibt es Grundwasserstress?
Im Detail zeigt die Studie, dass 141 der betroffenen Landkreise strukturellen Grundwasserstress aufweisen. Hier wird mehr als die empfohlene Menge von 20 Prozent des neu gebildeten Grundwassers entnommen. Wird der Schwellenwert von 20 Prozent überschritten, geht die Wasserforschung davon aus, dass Ökosystemschäden auftreten. Zudem haben 94 Landkreise akuten Grundwasserstress. Hier sind die Grundwasserstände in den letzten Jahren signifikant gesunken. Dieser Effekt geht wesentlich auf die letzte Dürre von 2018 bis 2022 zurück. Zwar haben sich die Pegelstände danach vielerorts wieder normalisiert, dennoch zeigen diese Daten, wie die Klimakrise die Verfügbarkeit von Wasser verändert. In manchen Kreisen sehen wir beides, wodurch sich die Summe von 201 Landkreisen ergibt.
Wird das Grundwasser in allen ausgewiesenen Hot Spots übernutzt?
In der Pressemitteilung vom 16.6.2025 hat eine sprachliche Vereinfachung fälschlicherweise nahegelegt, dass in jedem zweiten Landkreis Grundwasser übernutzt wird. Dort hieß es: „In 201 von 401 Landkreisen wird mehr Grundwasser entnommen, als sich durch Niederschläge neu bilden kann.“ Richtig ist, dass in jedem zweiten Landkreis Grundwasserstress herrscht.
Welche Daten liegen der Studie zu Grunde und wie aussagekräftig ist die Studie?
Die Grundwasserstudie ist keine Prognose, sondern eine Bestandsaufnahme. Zugrunde liegen langjährige Mittelwerte von Grundwasserneubildung und -entnahmen zwischen 1991 und 2020 sowie Grundwasserstände zwischen 2012 und 2021. Ziel der Studie ist es, mit öffentlich verfügbaren Daten ein Gesamtbild zum Grundwasserstress in Deutschland zu erzeugen. Mit der Grundwasserstudie liegt ein Überblick zu potenziell grundwassergestressten Regionen in Deutschland vor, der mit bundesweit konsistent vorliegenden Daten möglich ist.
Die Methodik der Studie wurde vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) kritisiert. Das ISOE hat dazu eine ausführliche Stellungnahme geschrieben. Aus Sicht des BUND ist es notwendig, rechtzeitig auf Grundwasserstress hinzuweisen. Ist das Verhältnis zwischen Grundwasserentnahmen und Grundwasserneubildung unausgewogen, können Ökosysteme Schaden nehmen.
Was bedeutet die Einordnung für die Landkreise?
In den betroffenen Regionen sollten die zuständigen Wasserbehörden eine genaue Analyse der Grundwasserkörper vornehmen lassen – mit allen lokal verfügbaren Daten. Denn ob und in welchem Ausmaß ein konkreter Grundwasserkörper tatsächlich übernutzt wird, lässt sich auf der Grundlage der bundesweit vorliegenden Datenbestände, die der Grundwasserforschung aktuell vorliegen, nur sehr schwer sagen. Hierfür werden detaillierte Daten über hydrogeologische Verhältnisse und vor allem punktgenaue Grundwasserentnahmemengen benötigt.
Ebenso gibt es Regionen, die laut der Studie keinen Grundwasserstress haben, in denen aber Berichte über Grundwasserprobleme vorliegen. Auch hier sollten detaillierte lokale Analysen über den Zustand der Grundwasserkörper durchgeführt werden.