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Hormongifte Bisphenol A und Parabene in Kindersocken gefunden

25. Juni 2019 | Chemie

Bei einer Untersuchung durch Expert*innen der spanischen Universität Granada wurden die hormonell schädlichen Chemikalien Bisphenol A (BPA) sowie Parabene in Socken für Kinder bis zu vier Jahren gefunden. BPA fand sich dabei in neun von zehn getesteten Produkten, darunter auch von renommierten Marken.

9 von 10 getesteten Kleinkindersocken enthielten das Hormongift BPA.  (complize / photocase.de)

Wegen seiner hormonell schädlichen Eigenschaften wurde Bisphenol A (BPA) im Januar 2017 in die Liste der besonders gefährlichen Chemikalien unter der EU-Chemikalienverordnung REACH aufgenommen.

Das Hormongift steht im Verdacht, schon in sehr geringen Mengen die Entwicklung des Gehirns zu beeinträchtigen und Mitauslöser von Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern, chronischem Übergewicht, Diabetes oder hormonell bedingte Krebsarten wie Brust- und Hodenkrebs zu sein. 

BPA dient vor allem als Ausgangsstoff für die Herstellung des Kunststoffs Polycarbonat und von Epoxidharzen, wie sie beispielsweise zur Innenbeschichtung von Konservendosen verwendet werden. In Babyflaschen ist die Massenchemikalie seit 2011 verboten. Für Spielzeug wurde die Menge an BPA, die aus einem Produkt ausdünsten darf, zudem von 0,1 auf 0,04 Milligramm pro Liter gesenkt. Ein Verbot von BPA in Kassenbons und anderen Thermopapier-Produkten wurde zwar Ende 2016 beschlossen, tritt aber erst im Januar 2020 in Kraft.

BPA in Kinderkleidung ist nicht verboten!

Viele andere potenzielle Quellen für BPA sind jedoch von jeglichen Verboten ausgenommen – darunter sogar Kinderkleidung, wie die aktuelle Studie aus Granada zeigt. Eine Expertengruppe um die Chemikerin Carmen Freire untersuchte 32 Paar Socken für Kinder im Alter zwischen einem und 48 Monaten. 

Gekauft wurden lokale Marken aus dem unteren Preissegment, internationale günstige Marken sowie hochwertige und teurere Produkte bekannter Hersteller. Das Ergebnis: In 90 Prozent der untersuchten Proben wurde BPA in stark schwankenden Konzentrationen nachgewiesen, die von 0,7 bis 3,736 Nanogramm pro Gramm Stoff reichten.

Auch versteckte Parabene sind in Babysocken enthalten

Zusätzlich wurden in allen Proben sogenannte Parabene gefunden, die ebenfalls hormonell wirksam sind und bislang hauptsächlich als Inhaltsstoffe in Kosmetika in der Diskussion waren. 

Parabene können, genauso wie BPA, im menschlichen Körper wie das körpereigene weibliche Hormon Östrogen wirken und Wachstumsprozesse stören. Tatsächlich wiesen die Wissenschaftler*innen in über 80 Prozent der untersuchten Billigsocken eine östrogenartige Aktivität nach. 

Wie viel von diesen Schadstoffen über die Haut der Kinder aufgenommen werde, sei unklar, heißt es in einer Erklärung. Die größte Gefahr sehen Freire und ihre Kolleg*innen in der potenziellen Aufnahme über den Mund – zumal viele Babys gerne an ihren Füßen nuckeln. 

Der BUND fordert seit langem, den Einsatz von hormonell wirksamen Schadstoffen dringend strikter zu regulieren.

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