Green Finance: Wie klimafreundlich sind die "grünen" EU-Anleihen?

05. Oktober 2021 | Nachhaltigkeit, TTIP / CETA

Seit Oktober gibt die EU "grüne" Anleihen aus. Das damit eingenommene Geld soll in klimafreundliche Projekte der Mitgliedsstaaten fließen. Doch es gibt einen Haken.

Viele Anleger sind auf der Jagd nach "grüner" Rendite.  (Karolina Grabowska / pexels)

Ist das Greenwashing oder wirklich nachhaltig? Die Frage ist häufig schwer zu beantworten – egal, ob es um Bio-Kaffe, ein Elektroauto oder die Altersvorsorge geht. Klar ist, das Geschäft mit der Nachhaltigkeit boomt. Das versteht auch die EU. Sie gibt ab Oktober grüne Anleihen aus. Das kündigte der Haushaltskommissar Johannes Hahn Anfang September an. Das Geld, das so auf den Finanzmärkten eingeholt wird, soll Teil des Corona-Hilfspaket sein und schließlich klimafreundliche Projekte in EU-Ländern finanzieren.

Insgesamt will die EU-Kommission über grüne Anleihen bis zu 250 Milliarden Euro aufbringen. Das entspricht rund 30 Prozent des gesamten Corona-Aufbauprogramms der EU (rund 800 Milliarden Euro). Aber hilft das tatsächlich dem Klima?

Wie grün sind die Anleihen der EU?

Glaubt man dem EU-Haushaltskommissar soll das Geld klimafreundliche Projekte der EU-Länder finanzieren, beispielsweise als Investitionen in energieeffiziente Gebäude, erneuerbare Energien oder nachhaltige Transportmöglichkeiten.

Doch sieht man genauer hin, zeigt sich, dass die EU den Mitgliedsstaaten auch nicht zu viel zumuten will. Sie stellt an die Mitgliedsstaaten die formale Anforderung, dass Ausgaben aus der Aufbau- und Resilienzfazilität zu mindestens 37 Prozent in Investitionen und Reformen zugunsten der Klimaziele fließen sollen. Das bedeutet, dass sichergestellt sein soll, dass die Umwelt durch die Investitionen nicht erheblich negativ beeinflusst wird. Um dies zu überprüfen, müssen die EU-Länder sogenannte Aufbau- und Resilienzpläne veröffentlichen, in denen sie beschreiben, wie sie diese Grundsätze erfüllen wollen. Die meisten Pläne wurden im April und Mai 2021 veröffentlicht und sind häufig unzureichend. So werden entweder die 37 Prozent nicht eingehalten oder es wird in umweltschädliche Bereiche, wie die Bereitstellung fossiler Energien wie Gas investiert.

Die EU hat ihren Standard für Green Bonds erst im Juli 2021 veröffentlicht, weshalb die Kriterien für die Aufbau- und Resilienzfazilität an die sogenannte EU-Taxonomie angeglichen wurden. Dies ist ein weiterer EU-Standard, an dem es zuletzt viel Kritik gab. Nach den aktuellen Regeln können Investitionen in nicht-nachhaltige Forstwirtschaft und Bioenergie unter der EU-Taxonomie als nachhaltig gelten. Die Klassifizierung von Atomkraft und fossilem Gas hat die EU-Kommission zunächst vertagt. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass solche schädlichen Investitionen von der EU-Kommission grüngewaschen werden könnten. Klar ist, dass es eindeutigere Kriterien braucht, welches Investment als grün gelten können, und dass die Zivilgesellschaft ein kritisches Auge auf die Berichte der EU-Mitgliedsstaaten werfen muss.

Worauf achten bei der grünen Geldanlage

Sind die Grünen Anleihen der EU also zu empfehlen? Eher nicht. Grundsätzlich gilt bei der Geldanlage wie auch im Supermarkt: Prüfen Sie genau, was Sie kaufen. Lassen Sie sich von Bankberater*innen keine Anlage aufdrängen, ohne vorher genau zu prüfen, in welche Branchen hinterher investiert wird. Helfen können dabei die Datenbanken verschiedener NGOs. Zu empfehlen sind hier die Informationen des Forums Nachhaltige Geldanlage und der Organisation Facing Finance.

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