Fleischkonsum der Deutschen schadet Klima und Umwelt im Ausland

09. Februar 2021 | Landwirtschaft, Massentierhaltung

Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland wird für die Produktion von tierischen Produkten verwendet. Die heimischen Anbauflächen werden knapper – darunter leiden Klima und Umwelt im Ausland.

Für den Anbau von Soja werden in Brasilien häufiger Waldflächen gerodet. (Charles Ricardo / pixabay)

Es sind beunruhigende Zahlen, die das Bundesumweltamt vor Kurzem in einer Studie vorgestellt hat. Pro Kopf braucht es jährlich etwa ein Drittel eines Fußballfeldes für den Anbau unserer Lebensmittel – 2.250 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche.

Doch diese Fläche wird nicht nur für die Nahrungsmittel selbst benötigt, sondern zu 57 Prozent für den Anbau von Futtermitteln. Also letztlich für Tiere, die uns Milchprodukte, Eier und Fleisch für den heimischen Verbrauch und für deutsche Exporte ins Ausland liefern.

Nur ein Viertel für pflanzliche Nahrungsmittel

Laut Bundesumweltamt betrug die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland im Jahr 2016 etwa 16,7 Millionen Hektar. In den vergangenen Jahrzehnten ist die verfügbare Anbaufläche jedoch umkämpfter geworden. Denn immer mehr Boden wird für die Energiegewinnung benötigt: Zwischen 2008 und 2016 ist der Flächenverbrauch für Agrosprit und Biogas um mehr als 50 Prozent gestiegen. 

Die Energiegewinnung verdrängt den Anbau von Nahrung und Futtermitteln also zunehmend. Hinzu kommt, dass unsere Ernährungsgewohnheiten jährlich ohnehin mehr Fläche benötigen als vorhanden ist: etwa 18,3 Millionen statt der verfügbaren 16,7 Millionen Hektar. 

Deshalb ist Deutschland auf Importe von Lebens- und Futtermitteln angewiesen. Für unseren Heißhunger auf Fleisch- und Milchprodukte werden zusätzlich 11,7 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche im Ausland belegt!

Warum Fleisch und Milch riesige Flächen benötigen 

Tatsächlich ist der Fleischkonsum das größte Problem. Für die Mast von Schwein, Rind und Geflügel werden große Flächen für Futter und Weide benötigt. Spitzenreiter im Flächenverbrauch ist dabei das Rind. Die Rinderzucht nahm 2016 etwa drei Viertel der Fläche für den Futtermittelanbau in Deutschland ein. 

Hinter den Rindern rangieren die Schweine. Allerdings lagen 35 Prozent der Flächen, die für unser Schweinefutter verwendet werden, gar nicht in Deutschland. Der Grund dafür sind die Essgewohnheiten des Schweins: Die Tiere haben einen sehr hohen Proteinbedarf, der größtenteils durch importiertes, eiweißhaltiges Sojaschrot gedeckt wird. Auch Hähnchen werden mit Soja gemästet.

Südamerikas Natur weicht den Soja-Anbauflächen

Soja wird vor allem aus Südamerika importiert. Um ein Kilogramm Schweinefleisch herzustellen, benötigen wir ca. 600 Gramm verfüttertes Sojaschrot. Und weil der Fleischkonsum weltweit steigt, nimmt auch die Anbaufläche für Sojabohnen zu: In Brasilien waren es zwischen 2008 und 2016 56 Prozent Zuwachs. 

Die Expansion der Sojaflächen hat die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen in Südamerika zur Folge. Für neue Anbauflächen werden artenreiche Graslandschaften und Savannengebiete vernichtet. Häufig kommt es auch zu Brandrodungen im Amazonasgebiet. Nach und nach schwindet so die lokale Artenvielfalt und mehr Treibhausgase werden freigesetzt.

Was können wir tun?

Eine Lösung wäre einfach: weniger Fleisch- und Milchkonsum. Denn so würde auch weniger Fläche für Futtermittel beansprucht werden und mehr für den Anbau unserer tatsächlichen Lebensmittel bleiben. 

Wer weniger tierische Produkte konsumiert, beansprucht also deutlich weniger Fläche. Das wäre auch ein notwendiger Schritt in Richtung Agrarwende. Denn der Umschwung hin zu mehr regionalen und saisonalen Produkten kann nur funktionieren, wenn wir weniger Fleisch essen.

Probieren sie also ruhig mal leckere vegane oder vegetarische Gerichte: Besonders proteinreiche Hülsenfrüchte eignen sich als Fleischersatz, zum Beispiel Linsen und Erbsen. Deren Flächenverbrauch ist geringer, ihr Anbau erfordert weniger Dünger und verursacht weniger Bodenerosion. Außerdem schmeckt’s – eine Win-Win-Situation! 

Und wenn es doch mal Fleisch sein muss, dann greifen Sie zu Fleisch aus Weidehaltung. Denn die Tiere auf der Weide sind keine Nahrungskonkurrenten zum Menschen. Guten Appetit! 

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