Einmal Plastik zum Mitnehmen, bitte!

09. März 2021 | Chemie, Nachhaltigkeit

Während der Corona-Pandemie hat der Plastikmüll durch Essen „to go“ zugenommen. Doch ein paar Startups versprechen Abhilfe. Ein kulinarischer Selbstversuch von Leonhard Rosenauer.

Mehrwegverpackungen für geliefertes Essen sollen bald Standard werden.  (Daria Shevtsova / Pexels)

Die Luft in meinem kleinen Wohnzimmer ist durchtränkt vom Duft indischer Gewürze. Ich liege nach einem anstrengenden Arbeitstag mit vollem Bauch auf dem Sofa und bin glücklich, satt und bewegungsunfähig. Doch etwas drängt in mir an die Oberfläche – und es ist nicht das Paneer Tikka Butter Masala, das ich gerade in Rekordzeit verputzt habe. Es ist mein schlechtes Gewissen. Denn auf meinem Wohnzimmertisch umschlingen sich die Aluminium- und Plastikverpackungen meines Abendessens. 

Mehrwegverpackungen bald verpflichtend

Wie mir geht es in der Corona-Pandemie gerade vielen Menschen. Bundesweit häuft sich der Plastikmüll aus Restaurants im Hausmüll. Der war allerdings vor Corona schon ein Problem, das nun noch deutlicher sichtbar wird. Die Politik hat leider wieder sehr spät und zu zögerlich gehandelt. Erst ab 2022 sollen Restaurants verpflichtet werden, für Speisen zum Mitnehmen Mehrwegverpackungen anzubieten – Alu- und Plastikverpackungen werden allerdings weiterhin geduldet. Es liegt somit wieder einmal an den Verbraucher*innen, aktiv zu werden. 

Dabei wollen Unternehmen wie Vytal oder Rebowl helfen und profitieren, die Restaurants und Kantinen mit Mehrwegverpackungen beliefern. Diese können beim Restaurant abgeholt und wieder zurückgegeben werden – alles verknüpft mit einer App. Kann das funktionieren?

Noch zu wenige Restaurants ziehen mit

Ich lade mir zunächst die Apps Recup von Rebowl herunter. Auf einer interaktiven Karte sehe ich, wo sich die teilnehmenden Restaurants befinden. In Berlin sind es knapp fünfzig. Aber auch in kleineren Städten vom bayerischen Rosenheim bis nach Husum an der Nordsee sind Restaurants gelistet. In meiner näheren Umgebung allerdings Keines. 

Zweiter Versuch mit der App von Vytal: Hier sind etwas mehr als hundert Restaurants in Berlin verfügbar. Deutschlandweit scheint mir die Karte etwas weniger voll, in den meisten Großstädten allerdings sind Restaurants verzeichnet. Und auch ich werde fündig. Halleluja!

Im Restaurant angekommen, drückt man mir eine fest verschlossene Schüssel in die Hand. Einen Aufpreis muss ich dafür nicht zahlen. Ich muss sie lediglich innerhalb der nächsten vierzehn Tage zurückbringen. Gebe ich sie nicht zurück, kann ich sie behalten und zahle dafür automatisch zehn Euro Gebühr. Jetzt geht’s aber erstmal zurück auf die Couch. Und das Beste kommt erst nach dem Essen: Kein Plastikmüll (und trotzdem kein Abwasch). Guten Appetit!

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