Eindrücke aus der Ukraine

03. März 2022 | BUND, Energiewende, Klimawandel

In der Ukraine herrscht Krieg. Der BUND arbeitet seit 2018 mit seiner ukrainischen Partnerorganisation "Ecoaction" für besseren Klimaschutz in Europa. Hier schildert BUND-Projektmanager Severin Ettl, wie er die derzeitigen Ereignisse erlebt – und wie es den Kolleg*innen vor Ort geht.

Severin Ettl, Projektmanager für internationale Klimapolitik beim BUND  (privat)

Ich bin unendlich traurig. Ich bin fassungslos. Ich bin wütend. Seit Beginn des Krieges in der Ukraine stürzen so viele Emotionen auf mich ein, dass ich gar nicht weiß, wohin damit.

Vielleicht hilft es, darüber zu schreiben und Ihnen zu berichten, was unsere Kolleg*innen in der Ukraine gerade erleben müssen.

Es ist Tag 8 des Krieges. Und die Bilder sind so verstörend: Teilweise mit bloßen Händen versuchen Menschen die russischen Truppen aufzuhalten, stellen sich vor Militärkonvois.

Familien werden auseinandergerissen, Männer trennen sich unter Tränen von ihren Kindern, um in den Krieg zu ziehen. Ich bin selbst Familienvater und es schnürt mir die Kehle zu, dies zu sehen.

Besonders, weil ich viele Ukrainer*innen persönlich kenne. Schon seit 2018 arbeiten wir im BUND mit "Ecoaction" zusammen, der größten Umweltorganisation der Ukraine. Gemeinsam wollen wir den Klimaschutz im Land voranbringen. Wir saßen in Workshops und Seminaren, haben überlegt und diskutiert, wie die Klimapolitik in der Ukraine gestärkt werden kann.

Und dabei haben wir gemeinsam schon so viel erreicht: Die Klimapläne der ukrainischen Regierung fielen im vergangenen Jahr deutlich ehrgeiziger aus, als in den Vorjahren. "Ecoaction" ist eine junge Organisation mit vielen frischen, kreativen Ideen. Mit einer unglaublichen Vehemenz treten sie für Klima- und Umweltschutz in ihrem Land ein.

Da ist zum Beispiel Yevheniia. Die junge Frau ist seit fünf Jahren bei "Ecoaction", leitet den Klimabereich. Wir arbeiten seit Jahren eng zusammen, waren im November vergangenen Jahres noch gemeinsam beim Klimagipfel in Glasgow. Sie sprühte vor Energie und Überzeugungskraft. Gemeinsam schmiedeten wir Pläne für 2022.

Doch jetzt ist Krieg. 

Unsere Kolleg*innen haben ihr Büro in Kiew aufgegeben, sind in andere Städte und Dörfer geflohen. Einige sind bei Freund*innen untergekommen. Einige kämpfen. Alle wollen in der Ukraine bleiben. Wir versuchen, im Austausch zu bleiben. Denn es ist wichtig, aus verlässlicher Quelle über die Situation zu berichten. Doch es wird immer schwieriger.

Gestern sprach ich mit Yevheniia. Sie befindet sich in der Stadt Charkiw. Seit gestern ohne Strom. Nur ein mobiler Generator funktioniert noch. Aber wie lange? Gerade die Energieversorgung ist im Visier der Angriffe. Auch ihr Stadtteil wurde bombardiert. Nachbarhäuser stehen in Brand, das Zentrum von Charkiw von einer Rakete getroffen. Am Abend meldete sie sich noch einmal kurz: Sie brauche dringend ein Auto, um mit ihrer Familie irgendwie aus Charkiw rauszukommen …

Was können wir tun? Die humanitäre Hilfe steht momentan an vorderster Stelle. Unterstützen Sie Hilfsorganisationen finanziell bei Ihrem Einsatz für die Ukraine. Erkundigen Sie sich, welche Sachspenden gerade benötigt werden (dies ändert sich ständig) oder helfen Sie geflüchteten Menschen. Überall in Deutschland ist die Hilfsbereitschaft riesig. Alle rücken zusammen in dieser Zeit – und das gibt auch ein wenig Zuversicht. Und die brauchen wir so dringend. 

Wir als BUND machen uns stark für ein Europa des Friedens und der Solidarität. Denn das ist die Grundlage für unser Engagement und unser Leben. Wir haben uns einem breiten Bündnis angeschlossen. Gemeinsam mit Gewerkschaften, kirchlichen Gruppen und vielen anderen bereiten wir Friedensdemonstrationen in mehreren Städten Deutschlands vor. Kommen Sie mit an unsere Seite und setzen Sie ein Zeichen für den Frieden. Gerne informieren wir Sie, sobald nähere Informationen vorliegen.

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