Corona und der Drang in die Natur: Die Wälder sind am Limit

12. April 2021 | Wälder, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

Immer mehr Menschen suchen in der Pandemie-Zeit einen Ausgleich in der Natur. Doch das hat auch negative Folgen, denn viele Waldbesucher*innen belasten die Natur zunehmend.

Zu viele Waldbesucher*innen lassen ihren Müll zurück.  (Elchinator / pixabay)

Seit Beginn der Corona-Pandemie strömen die Menschen vermehrt in die Natur. Das ist für viele ein Gewinn und ein Ausgleich zum vielen Zuhausesitzen, für die Natur aber nicht unbedingt.

Tiere, Wälder und Waldwege leiden unter dem massiv gestiegenen Ansturm von Spaziergänger*innen, Jogger*innen, Rad- oder Mountainbikefahrer*innen.

Eigentlich sind die vielen Besucher*innen ein schönes Zeichen, sagt der Wald-Referent vom BUND Baden-Württemberg, Christoph Schramm. "Allerdings quillen durch Einwegmasken und To-go-Verpackungen wegen geschlossener Restaurants die Mülleimer in Parks und Naherholungsgebieten über, viel Müll liegt auch einfach so in der Natur."

Auch der Mountainbike-Sport hat sehr viel Zulauf erfahren. Dadurch sind neue illegale Trails in den Wäldern entstanden. Die sind ein besonderes Problem, weil bei der Anlage in der Regel keine Rücksicht auf Schutzgebiete und Lebensräume genommen wird. Als Folge werden die Natur weiter zerschnitten und Ruhezonen von Tieren gestört.

Zusammenstöße mit Rehen vermeiden

Einen bundesweiten Zulauf in deutschen Wäldern stellt auch der Leiter Naturschutzpolitik des BUND, Magnus Wessel, fest. Besonders betroffen sind Grünanlagen und Wälder in der Nähe von Ballungsräumen. Hinzu kommt die Zeitumstellung, die den Zeitrhythmus der Menschen verändert. "Die Leute sind häufiger in der Dämmerung unterwegs, wodurch sich die Unfallgefahr, etwa mit Rehen erhöht", sagt Wessel. Es gilt auch in Pandemiezeiten, Rücksicht zu nehmen und auf den markierten Wegen zu bleiben.

Doch trotz der zusätzlichen Belastung für die Wälder hat die Corona-Pandemie den positiven Effekt gehabt, dass die Menschen Grünanlagen und Wäldern als Erholungsräume mehr Wertschätzung entgegenbrachten. "Manchen Familien würde es viel schlechter gehen, wenn sie nicht die Gelegenheit hätten, das Grüne aufzusuchen." 

Belastung durch Müll nimmt zu

Auch in Sachen Müllentsorgung gibt es einen bundesweiten Trend, insbesondere beim Thema Masken. Die werden viel zu häufig sorglos weggeworfen. Das ist problematisch, weil die Masken aus Kunststoffgewebe sind und sich nicht selbst abbauen.

Für die Tiere im Wald sind die Masken vor allem deshalb gefährlich, weil die Gefahr besteht, dass sie sich in den Ohrschlingen verfangen und selbst strangulieren.

Bitte halten Sie sich daher an die alte Weisheit, im Wald nichts zurückzulassen als einen guten Eindruck. Alles andere sollten Sie wieder mit nach Hause nehmen und dort entsorgen.

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