Bewusste Ernährung: Fleischkonsum sinkt auf Jahrzehnte-Tief

24. März 2021 | Landwirtschaft, Massentierhaltung, Nachhaltigkeit

Verbraucher*innen konsumieren immer weniger Fleisch. Damit stoßen sie eine wichtige Veränderung an. Nun muss die Politik endlich nachziehen, um die Ernährungswende zu beschleunigen.

Billiges Schweinefleisch kommt in Wahrheit teuer zu stehen.  (Hans / pixabay.com)

Es gab mal eine Zeit da war Fleischgenuss für den Sonntagsbraten vorbehalten. Schwer vorstellbar, wenn man am Supermarktregal mit immer neuen Billigpreisen für Fleisch gelockt werden soll. Dabei ist uns allen mittlerweile klar, dass ein Kilo Schweinefleisch für zwei Euro qualitativ minderwertig ist und das Tier zu Lebzeiten extrem gelitten haben muss. Wohl gerade deshalb ist der Fleischkonsum nun auf ein Jahrzehnte-Tief gesunken. Im Jahr 2020 ist in Europa die Nachfrage nach Fleisch um 2,3 Prozent zurückgegangen.

In Deutschland ist der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch ebenso historisch niedrig. Mit 57,3 Kilogramm pro Person war der Konsum zwar immer noch extrem hoch, aber auch der geringste seit Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989. Außerdem kochten die Menschen 2020 aufgrund des Teil-Lockdowns häufiger selbst. Das befeuerte auch die Nachfrage nach Bioprodukten.

Obwohl noch viel zu viel Fleisch konsumiert wird, stimmen die neuen Entwicklungen leicht optimistisch. Denn im Vergleich zum Jahr 2019 wurden pro Person insgesamt 750 Gramm weniger Fleisch gegessen. Unterschiede gibt es aber je nach Art. Vor allem der Konsum von Schweinefleisch ging zurück und macht sich mit einem Minus von 940 Gramm pro Kopf in der vorläufigen Statistik bemerkbar.  Der Verzehr von Geflügelfleisch nahm dagegen um 180 Gramm zu. 

Auch die Fleischproduktion und der Außenhandel verzeichneten einen Rückgang. 2020 wurde den Angaben zufolge Fleisch mit einem Schlachtgewicht von 8,5 Millionen Tonnen erzeugt - rund 1,6 Prozent weniger als 2019. Beim Schweinefleisch gab es einen Produktionsrückgang um 2,4 Prozent, bei Rind und Kalb waren es 2,7 Prozent weniger. Die Nettoerzeugung von Geflügelfleisch stieg aber analog zum Konsum um 1,7 Prozent.

Verbraucher*innen machen es vor – wo bleibt die Politik?

Die Politik muss endlich die Ernährungswende fördern. Wir brauchen ein neues Konsum-Leitbild: Weniger, aber dafür besseres Fleisch essen. Die Bundesregierung muss, die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen dazu schaffen und mit gutem Beispiel bei der öffentlichen Beschaffung vorangehen. Öffentliche Einrichtungen wie Kantinen, Mensen oder auch Caterings sind entsprechend den Ernährungs-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung auszurichten. Diese empfiehlt eine Halbierung des Fleischkonsums. Der Umwelt zuliebe weniger Fleisch, aber dafür aus besserer Haltung. Zusätzlich sind Bildungsmaßnahmen notwendig sowie ein Verbot von Werbung für Billigfleisch. 

Damit Fleischkonsum nicht gänzlich vom Vermögen abhängt, muss die Ernährungswende sozialpolitisch flankiert werden. Einkommensschwache Familien dürfen durch höhere Preise auf Fleisch oder andere tierische Lebensmittel nicht noch stärker belastet werden. Die Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes für Ernährung oder günstige Essensangebote in Kitas und Schulkantinen könnten dabei helfen.

Aus Umwelt- als auch aus Klimaschutzgründen müssen weniger Tiere gehalten werden. Die Bindung der Tierhaltung an die Fläche ist daher ein notwendiger Schritt, um die umwelt- und klimaschädlichen Auswirkungen der Nutztierhaltung deutlich zu reduzieren.

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