Akute Gesundheitsgefahr: Hormongift BPA schädlicher als bislang vermutet

28. Februar 2022 | Chemie

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gesteht ein, dass das Hormongift Bisphenol A gefährlicher ist als bisher angenommen. Der BUND weist schon seit Jahren darauf hin. Damit giftige Stoffe besser reguliert werden, braucht es endlich eine neue Strategie.

Konservendosen enthalten Bisphenol A  (Geronimo / pitopia.de)

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) hält das Hormongift Bisphenol A (BPA) für deutlich schädlicher als bislang angenommen. Zu dieser Einschätzung kam der Expertenausschuss der EFSA nach Auswertung neuerer wissenschaftlicher Studien. Dabei wurde untersucht, wie schädlich BPA für das Immunsystem ist.

Nach Ansicht der Expert*innen, stellen die Mengen an Bisphenol A, die wir derzeit hauptsächlich mit dem Essen aufnehmen, eine unmittelbare Gesundheitsgefährdung dar!

BUND warnte seits Jahren vor Bisphenol A

Der BUND begrüßt die Neubewertung des Hormongiftes BPA durch die EFSA und fordert jetzt schnelle Verbote. Bisphenol A darf insbesondere in Lebensmittelverpackungen nicht mehr eingesetzt werden. Dies fordert der BUND schon seit Jahren. 

Dass die tatsächliche Gefahr von Bisphenol A von der EFSA so spät anerkannt wurde, zeigt, dass die europäischen Behörden gefährliche Stoffe nicht verlässlich regulieren. Das liegt vor allem daran, dass sie das sogenannte "Vorsorgeprinzip" nicht ausüben. Das würde ihnen ermöglichen, eine gefährliche Chemikalie gänzlich zu verbieten. Stattdessen erlassen die Behörden immer wieder vermeintlich sichere Grenzwerte für gefährliche Chemikalien. Verbote von lukrativen Massenchemikalien werden über Jahrzehnte hinausgezögert. 

Die vermeintlich sicheren Grenzwerte enpuppten sich dabei häufig als drastische Fehleinschätzungen. Zuletzt hatte die EFSA im Januar 2015 die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (Tolerable Daily Intake, TDI) von 50 auf 4 Mikrogramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt. Damals versicherte die Behörde, eine Aufnahme von BPA unterhalb dieses Werts sei nicht weiter bedenklich. Jegliche Unsicherheiten habe man mit einbezogen. 

Das sahen Umweltverbände, Gesundheitsorganisationen und große Teile der unabhängigen Wissenschaftswelt anders. BUND-Tests belegten teils hohe BPA-Gehalte in Lebensmittelkonserven und Kassenbons. Bedenken hatten auch staatliche Stellen: Ebenfalls im Januar 2015, erließ Frankreich ein nationales Verbot für BPA in Lebensmittel-Kontaktmaterialien. Nun muss die EFSA anerkennen: Die Umweltverbände lagen schon damals richtig. Die europäische Behörde senkt den Grenzwert nun um den Faktor 100.000. 

Reichlich späte Einsicht: BPA birgt zahlreiche Risiken

Über die Jahre haben zahlreiche Studien die schädlichen Auswirkungen, selbst sehr geringer Mengen BPA auf die Fortpflanzung und das Nervensystem von Menschen und anderen Lebewesen belegt. BPA greift in frühen Entwicklungsphasen in das Hormonsystem ein, kann die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und spätere Krebserkrankungen begünstigen. 96 Prozent der Kinder, die an einer deutschen Studie teilnahmen, hatten BPA im Blut und selbst Neugeborene sind schon damit belastet. 

Trotzdem gibt es BPA-Verbote in der EU bislang lediglich für Babyfläschchen (2011) und Thermopapier (2020). Allerdings wird Bisphenol A häufig, wie bei Kassenbons der Fall, einfach durch weniger gut untersuchte verwandte Stoffe aus derselben Chemikaliengruppe, etwa Bisphenol S (BPS), ersetzt. Zwar zeichnet sich jetzt schon ab, dass BPS ähnlich schädliche Eigenschaften hat, aber bis zur offiziellen Bestätigung vergehen wieder Jahre.

Der BUND fordert, ein Verbot aller problematischen Stoffe in Konsumprodukten und umweltoffenen Anwendungen in der neuen EU Chemikalienstrategie umzusetzen – gegen den Widerstand der Chemielobby. 

Sicher shoppen mit der ToxFox-App

Auch ohne Kennzeichnungspflicht haben Verbraucher*innen in der EU ein Auskunftsrecht zu besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHCs) in Produkten. Auch Bisphenol A findet sich auf dieser Liste der SVHCs. Die ToxFox-App vom BUND scannt den Barcode von Lebensmittelverpackungen, Spielzeug, Elektroartikeln, Kleidung und vielen weiteren Alltagsprodukten. Anschließend verschickt die App automatisch die Giftfrage für das Produkt an den Hersteller oder Händler.

Die Antwort des Unternehmens wird in einer europaweiten Datenbank gespeichert und steht beim nächsten Scan mit der App sofort zur Verfügung. So werden alle schlauer und Firmen merken: Wir wollen Produkte ohne Gift! Nutzen Sie diese Möglichkeit sich zu wehren.

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