Wen trifft es wohl als Nächstes? Schweinswal, Arnika, Feldhase, Hirschkäfer? Oder doch Feldhamster und Waldbirkenmaus? Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte weltweit jede sechste Art ausgestorben sein. Das Fatale ist: viele Arten sterben leise, nahezu unbemerkt.
Auch in Deutschland schreitet das Artensterben voran. Jede vierte heimische Art ist im Bestand gefährdet. Besonders die Menge an Insekten geht dramatisch zurück.
Die Ursachen liegen in unserer Art zu leben und zu wirtschaften. Mehr als die Hälfte der Fläche in Deutschland wird landwirtschaftlich genutzt. Und das immer intensiver. Zu wenig Abwechslung bei der angebauten Pflanzen, starke Düngung oder Pestizide verdrängen Wildkräuter und Insekten. Lebensräume werden zerschnitten durch Straßen, Siedlungen oder Gewerbegebiete. Flüsse werden in hohe Deiche gezwängt und damit Auenlandschaften zerstört.
Auch wenn Stimmen aus der Wissenschaft seit Jahren vor einem Kollaps warnen. Mit Beginn der Pandemie geriet das Artensterben vollends aus dem Fokus. Dabei bedroht es unser Leben ebenso sehr wie die Klimakrise. Es ist an uns, diese Zerstörung aufzuhalten!
Artenvielfalt in Gefahr
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Der Hirschkäfer braucht Holz zum Überleben. In einem naturnahen Wald gibt es davon genug. In unseren dominierenden Wirtschaftswäldern werden jedoch die meisten Bäume gefällt, lange bevor die Käfer sich darin einnisten können. Daher stehen besonders viele Waldkäfer auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Darunter auch der markante Hirschkäfer, dessen Männchen sich mitunter spektakuläre Kämpfe liefern.
(WildMedia
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Das Bodensee-Vergissmeinnicht wächst ausschließlich im Überschwemmungsbereich von Kiesufern der Voralpenseen, die frei von schilfartigem Bewuchs sind. Heute finden sich nur noch vereinzelte Exemplare am Bodensee und am Starnberger See. Die Pflanze ist laut Roter Liste in Deutschland vom Aussterben bedroht.
(Irene Strang)
Der Feldhamster ist eine der am stärksten gefährdeten Säugetierarten Deutschlands. Früher als Getreideschädling bekämpft, steht er heute kurz vor dem Aussterben.
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Der Löwenzahn gilt als Allerweltspflanze. Dabei gelten etliche seiner vielen Arten (er hat mehr als 400 sogenannte Kleinarten) als stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Wie z.B. der Deutsche Löwenzahn der im Gegensatz zum Gewöhnlichen Löwenzahn sehr selten zu finden ist.
(Heye Jensen)
Der Luchs ist zurück in Deutschland! Doch seine Bestände sind noch zu klein und die Lebensräume zerschnitten. Immer wieder werden Luchse überfahren. Krankheiten und illegale Tötungen sind nach wie vor eine ernste Bedrohung. Viele Jungtiere erleben ihr zweites Jahr nicht.
(Rudmer Zwerver
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Seit 150 Millionen Jahren leben Schildkröten auf unserer Erde. Doch gegen die aktuellen Bedrohungen hilft ihr Panzer nicht. Die Europäische Sumpfschildkröte ist vom Aussterben bedroht. Ihr fehlt schlicht der Lebensraum: Sümpfe und Feuchtgebiete. Weniger als 100 Tiere existieren noch frei lebend in Deutschland.
(Manfred Delpho)
Schweinswale sind die einzigen Wale, die in Nord- und Ostsee regelmäßig vorkommen. Doch in den deutschen Meeren werden sie immer seltener. Besonders leiden die Tiere unter dem zunehmenden Lärm in unseren Meeren. Dieser beeinträchtigt ihren Orientierungssinn.
(Solvin Zankl
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Bechsteinfledermäuse leben im Wald. Sie brauchen viele Baumhöhlen, damit sie sich wohlfühlen. Im Winter ziehen sich die Tiere in unterirdische Höhlen, Bunker oder Stollen zurück. Doch in Deutschland finden die nächtlichen Jäger kaum noch passende Quartiere. So ist die Bechsteinfledermaus bei uns stark gefährdet.
(Dietmar Nill
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Myotis bechsteinii)
Was es jetzt in Deutschland dringend braucht:
- Kein einziger Cent mehr für Naturzerstörung: Staatliche Gelder müssen naturfreundliches Wirtschaften finanziell unterstützen.
- Sofortprogramm für besonders bedrohte Arten wie Feldhamster, Rebhuhn, Luchs oder viele Insektenarten.
- Schutzgebiete für die Natur. Bis 2025 brauchen wir auf mindestens 30 Prozent der Landesfläche und auf mehr als 30 Prozent der Meeresfläche gut funktionierende und vernetzte Schutzgebiete.
Der BUND packt an: mit Ihrer Hilfe!
Während die Welt noch über eine neue Strategie gegen das Artensterben verhandelt, packen wir an. Wir können nicht mehr warten. Unsere Naturschutzprojekte wirken im ganzen Land: Wir schaffen neue und schützen vorhandene Wildnisgebiete. Wir pflanzen und pflegen Ackerrandstreifen, Hecken oder Streuobstwiesen. Wir verschaffen den Flüssen wieder mehr Platz, pflanzen neue Auwälder, verlegen Deiche. Wir legen Wanderkorridore für Wildtiere an und verbinden Lebensräume miteinander. Viele dieser Projekte laufen über Jahre. Wir brauchen einen langen Atem – und Ihre finanzielle Hilfe!
Mit Ihrer Spende für die Artenvielfalt
- Wir forschen für die Artenvielfalt: Warum verschwinden bestimmte Arten, wie z.B. der Gartenschläfer? Wie belastet sind unsere Gewässer mit Pestiziden und welche Auswirkungen hat dies? Wir müssen die Zusammenhänge verstehen, um richtig handeln zu können. Bundesweit rufen wir Forschungsprojekte ins Leben, um diesen Fragen nachzugehen. Besonders wichtig ist uns, dass viele Menschen dabei sind, denn Wissen hilft schützen.
- Wir mischen uns in politische Entscheidungen ein: Die praktische Arbeit vor Ort ist wichtig, aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen legt die Politik fest. Wir drängen auf die wirksame Umsetzung von Gesetzen und Vereinbarungen. Wir brauchen keine weiteren gutgemeinten Papiertiger. Wir überzeugen mit unserem Fachwissen und unseren Stellungnahmen. Wir organisieren öffentliche Aktionen und Proteste, um unseren Argumenten Nachdruck zu verleihen.