Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 1/2022

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Zuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zur aktuellen Ausgabe

Alle Beiträge auf- oder zuklappen
Ressourcen

Ihr Artikel zur Ressourcenverschwendung traf mich ins Herz, leide ich doch schon lange an diesem Problem und der nicht enden wollenden Lösungssuche. Meine erste Begegnung damit hatte ich vor 40 Jahren. In der Schule war die Lampe eines Projektors defekt und ich bestellte zwei neue. Die Firma sagte mir, die gäbe es nicht, und schlug mir vor, einen neuen Projektor zu kaufen. Als ich trotzdem die "alten" Lampen haben wollte, meinte der Vertreter: "Wenn Sie heute noch den alten Volkswagen Ihres Vaters fahren würden, wo käme dann die Autoindustrie hin?" Ich bekam also einen neuen Projektor und stellte den defekten in die Besenkammer.
Ein Kollege erzählte mir, er sei wegen des Wackelkontakts in einem Föhn beim Händler gewesen. Der rechnete ihm vor: "Wenn ich den Föhn aufschraube und sofort den Wackelkontakt finde und repariere, habe ich eine halbe Stunde Zeit darauf verwendet, die mich selber 25 Mark kostet. In meinem Laden verkaufe ich Ihnen einen nagelneuen Föhn für 19 Mark."
In den Anfangsjahren der Informatik benutzten wir ausrangierte Fernseher als Anzeige für die Computer, da Monitore damals (1980) an die tausend Mark kosteten. Später schenkte uns eine Firma ihre "veralteten" Monitore. Um Geld für die Verschrottung der Fernseher zu sparen, nahmen wir sie auseinander (Holz zu Holz, die Bildröhre zum Altglas und die Elektronik extra). Meine Schüler lernten in diesen Recyclingstunden nebenbei etwas über die Elektronik.
Als Pensionär leite ich heute einen historischen-technischen Verein. Wir sammeln Computer, Radios, Telefone, Schreib- und Rechenmaschinen, die sonst weggeworfen würden, reparieren sie und organisieren Ausstellungen. Wir machen die Reparaturen umsonst – ein Handwerker nähme pro Stunde locker 70 Euro. Das ist das Problem Nr. 1: Man kann sich die Reparaturen nicht mehr leisten und kauft lieber ein neues Gerät.
Problem Nr. 2 ist, dass die Industrie vom Herstellen und Verkaufen lebt und überhaupt kein Interesse an Reparaturen hat, ja sogar Reparaturen verhindert, indem sie die Geräte nicht reparaturfreundlich herstellt.
Da kann ich selber meine Heizung auf Fernwärme umstellen, Fotovoltaik- und Solarpanels aufs Dach montieren und mein altes Radio und den nicht HD-fähigen Fernseher behalten, die Welt rette ich damit nicht. Der Club of Rome hat mit seinen "Grenzen des Wachstums" leider Recht behalten. Gibt es außer schönen Ratschlägen für den Haushalt auch wirklich funktionierende Ideen zu diesem Thema?
Wolfgang Scheinberger, Radolfzell

Vielen Dank, dass Sie das Thema "Ressourcen schützen" so prominent behandelt haben. Fast am gleichen Tag las ich in der Süddeutschen Zeitung: Drei Starts pro Tag plane die Firma Space-X mit dem Starship von der Erde zum Mars, um dort eine Siedlung anzulegen (für Elon Musk persönlich?). Und dies ist nicht als Witz gemeint, sondern wird mit Nachdruck vorbereitet, wie nachzulesen ist. Der Raketenprototyp ist schon gebaut, von Tausenden Flügen ist die Rede. Demgegenüber wirken die verschiedenen BUND-Anliegen zum dringend nötigen Ressourcenschutz doch mikroskopisch. Ohne die diversen weltweiten Raumfahrtunternehmungen ernsthaft infrage zu stellen, kann ich mir eine nachhaltige Nutzung unserer begrenzten Ressourcen und einen wirksamen Klimaschutz nicht vorstellen. Wer wird den Wahnsinn stoppen?
Reinhard Kindt, Hannover

Ausbau der Windkraft

Die Position des BUND ist seit Jahren eindeutig, allerdings m.E. zunehmend umstritten. Der Ausbau der Windkraft on- und offshore hat nicht nur negativen Einfluss auf die Landschaft, sondern auch auf die Fauna. Die pauschale Ablehnung der Atomkraft (zu teuer, risikoreich & waffenfähiges Material) bedarf daher einmal einer konkreten Darlegung, besonders vor dem Hintergrund, dass die Umstellung auf regenerative Energien in Deutschland keinen nennenswerten Einfluss auf das Weltklima hat und zu erheblichen Kosten führt. Für jedes AKW sind je nach Sichtweise zwischen 2500 und 4000 Windräder zu errichten, plus weitere für den zusätzlichen Energiebedarf, also nochmal rund 35000. Berücksichtigt man dabei noch die tatsächliche Jahresleistung, wird schnell klar, dass eine rein kapazitätsorientierte Betrachtungsweise nicht ausreicht, um die nötige Versorgungssicherheit herzustellen. Ich würde mir daher wünschen, dass der BUND diese Thematik mal sauber und vorurteilsfrei aufgreift und für seine Mitglieder argumentativ aufbereitet: Wie viele Windräder sind notwendig (inkl. Reservelast) und wie viel Fläche dafür? Welche Auswirkungen hat das auf Flora, Fauna und Landschaft? Ich fürchte, eine apodiktische Argumentationskette berücksichtigt diese Themen nicht ausreichend, verschweigt sie sogar. 
Andreas Schönborn, Bad Vilbel

Ein Herz für Flüsse

Dass die kleine Wasserkraft nicht ökologisch funktionieren kann, war schon 1998 klar. Damals machte ein Gutachten im Auftrag der Bundesregierung deutlich, dass diese mehr Schäden anrichtet, als es für die Energie bringt. Die Position des BUND, wie sie sich aus Ihrem Beitrag ergibt, ist jedoch halbherzig. Wer etwas von Limnologie versteht, kann auf den Begriff Durchlässigkeit nicht hereinfallen. "Fischaufstiege" eignen sich nur für bestimmte Arten. Außerdem erwärmt sich der Fluss bei Niedrigwasser. Durchgängigkeit und Fischaufstiege sind Alibiveranstaltungen. Entscheidender noch ist die Wasserqualität. Um die Gewässergüte wird ebenfalls ein großer Bogen gemacht und nur dort eingegriffen, wo die Zustände untragbar sind.
Herbert Kleiner, Argenbühl
 

Sonstiges

Danke für ihr letztes sehr informatives Magazin, insbesondere die glasklare Analyse des Koalitionsvertrages unserer neuen Regierung.
Birgit Gliffe, Berlin

Zu Ihrer Notiz, dass der Goldschakal bis in den Schwarzwald-Baar-Kreis gewandert ist: Wir haben hier in Offenburg folgende Beobachtung gemacht: Im Garten des Nachbars ist seit einigen Jahren ein Fuchsbau. Im Frühjahr spielen die jungen Füchse auf der Wiese, sodass wir sie beobachten können. 2021 wunderten wir uns, dass einige Junge nicht richtig fuchsrot werden wollten, sie waren eher sandbraun. Auch der Schwanz bildete sich nicht zu einem kräftig buschigen Fuchsschwanz, sondern blieb wie eine dicke Kordel. Auch schienen einzelne hochbeiniger. Könnte es sein, dass sich ein Goldschakal mit einem Fuchs gekreuzt hat?
Sybille Unique, Offenburg

[BUND:] Nein, wahrscheinlich hat die Fuchsfamilie die Räude gehabt. Das würde die sandbraune Färbung des nachwachsenden Felles (bzw. der Haut), den dünnen Schwanz (Haare ausgefallen) und die langen Beine (Bauchfell fehlt) erklären.

Redaktionsanschrift

BUNDmagazin


Kaiserin-Augusta-Allee 5 10553 Berlin E-Mail schreiben Tel.: (030) 2 75 86-457

BUND-Bestellkorb