Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 4/2021

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leser*innenzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zur aktuellen Ausgabe

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Energiewende

Es freut mich sehr, dass es das Thema Energiewende auf die Titelseite geschafft hat. Auch das klare Bekenntnis für einen raschen Zubau an erneuerbaren Energien ist richtig und kann nicht oft genug wiederholt werden. Mir scheint, dass einige dieses Mantra noch nicht ausreichend verinnerlicht haben. Energiesparen und eine intelligente dezentrale Vernetzung ist wichtig, wird aber nicht verhindern, dass der Bedarf an elektrischer Energie in den nächsten Jahren steigt. Auch wenn wir den Autoverkehr stark reduzieren, wollen die öffentlichen Verkehrsmittel doch trotzdem mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Auch wenn wir grünen Wasserstoff angemessen und sparsam nutzen, entspricht allein der stoffliche (!) Bedarf an Wasserstoff, heute noch fossil gewonnen, 10% der deutschen öffentlichen Nettostromerzeugung. Machen wir uns nichts vor: Um alle Sektoren unabhängig von fossilen Energieträgern zuverlässig zu versorgen, braucht es trotz Effizienz und Lastenmanagement auch große Erzeugungsanlagen wie Windparks, offshore wie onshore und einen Ausbau der Übertragungsnetze. Auch wenn die nationalen Strategien wohl die Bürger*innen-getragene Energieversorgung zu sehr vernachlässigen: Die Hoffnung, man könne mit einer dezentralen Energiewende gänzlich auf einen Ausbau der Übertragungsnetze verzichten, teile ich nicht. 
Lukas Held, Hannover

Danke für den sehr guten Artikel "Vernachlässigte Energiequelle" zum wichtigen Thema Energiesparen, das in der Öffentlichkeit wie in der Politik selten bis nie zur Sprache kommt. Schon lange ist ein Verbot von Stand-by-Schaltungen bei Millionen von EDV-Geräten überfällig. Es geht hier nur um Bequemlichkeit. Energieverschwendung zu verhindern geht an besten über den Geldbeutel. Dazu müsste die Politik zu unpopulären Maßnahmen bereit sein und z.B. den Preis der elektrischen Energie erhöhen. Dann würden die nächtlichen Lichtermeere der Großstädte verschwinden. Es tut weh, an die Energieverschwendung durch die tonnenschweren SUV-Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu denken. Hier würde ein Tempolimit von maximal 40 km/h in der Stadt, 80 km/h auf Landstraßen und 120 km/h auf Schnellstraßen viel bringen. Eine Beschränkung des Energieverbrauchs unabhängig von der Antriebstechnik würde automatisch zum Bau leichter und langsam fahrender Fahrzeuge führen. Ein diesbezügliches Umdenken ist leider nicht in Sicht.
Hans Hilber, Leinfelden

Immer wieder wird das Energiesparen im Haushalt durch Wärmedämmung angesprochen. Das ist ziemlich aufwändig und bringt relativ wenig. Trotzdem ist es natürlich gut, wenn gedämmt wird, besonders bei Neubauten. Wo erheblich mehr Energie eingespart werden könnte, ist die Wirtschaft. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass man durchaus mit weniger Produkten leben kann. Warum muss zum Beispiel, mit Steuergeld subventioniert, Aluminium so billig sein, dass es sich lohnt, daraus Getränkedosen herzustellen? Wenn dann Arbeitskräfte frei werden: Im Dienstleistungssektor werden sie dringend benötigt.
Wolfgang Poltz, Kreuztal

Grüner Wasserstoff

Ihr verurteilt synthetischen Kraftstoff aus Chile zu importieren, grüner Wasserstoff sollte alleine in Deutschland hergestellt werden. Dazu aber müsste die Strommenge aus Wind und Sonne versechsfacht werden, was beim Widerstand gegen mehr Windräder und Photovoltaik undenkbar ist. Auch Prof. Edenhofer vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung sagt: "Wir werden synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff importieren müssen." Und zwar aus Ländern, in denen H2 viel günstiger zu erzeugt ist. Gedacht wird dabei in erster Linie an Nordafrika. Auch die Staaten dort benötigen erneuerbar erzeugten Strom (wie Chile). Das wird sie nicht davon abhalten, H2 mithilfe unserer Technik zu gewinnen und zu exportieren, um mit Devisen ihre negative Handelsbilanz mit den Industriestaaten zu verringern. Wie Hbei uns verwendet wird, kann ja wohl kein Grund sein, diese Strategie zu verurteilen.
Kurt Knolle-Lorenzen, Schleswig

[BUND:] Grundsätzlich sollten wir Wasserstoff vorrangig selbst erzeugen. So wurden beim Chile-Projekt wohl weder Wasserknappheiten noch die Klimastrategie des Landes genug berücksichtigt. Perspektivisch wird Deutschland auch H2 importieren müssen. Europa sollte seine Potenziale für erneuerbaren Strom und Wasserstoff darum gemeinsam erschließen. Ob eingeführter H2 hierzulande einmal klar dominieren wird, ist nicht ausgemacht. Größere Importe sind erst ab 2030 zu erwarten. Die ersten Schritte in eine Wasserstoffwirtschaft wird Deutschland also selbst gehen müssen. Mehr dazu

Fluten besser vorbeugen

Ihr Beitrag listet die Ursachen der Ahrtal-Flut auf, an letzter Position "eine verfehlte Forst- und Agrarpolitik". Darauf gehen Sie aber nicht weiter ein. Stattdessen fordern Sie genug Überflutungsflächen bereitzustellen. Doch vorbeugen und verhindern kann solche Fluten nur, wer ausreichend Flächen zur Versickerung wiederherstellt. Dem Boden seine Schwammfunktion zurückzugeben, betrachte ich als nachhaltigstes Ziel.
Als Kind spielte ich in einem Mischwald, durchsetzt mit Moospolstern und Stauden. Entnommene Bäume wurden mit Pferden "gerückt". Die Straßen bestanden aus Lehm, Kies oder gestampftem Schotter und wurden jährlich instandgesetzt. Auch bei Dauerregen versickerte das Wasser im Boden. Heute besteht dieser Wald aus Fichten. Ihre Nadeln bilden eine wasserabweisende Streu. Die Forststraße ist asphaltiert. Bei heftigem Regen schießt das Wasser von den Waldböschungen herab, die Straße wird zum Bachbett. Großes Erstaunen und Entsetzen allseits!
Die Lehre daraus wird nur widerstrebend gehört: Harvester-bewirtschaftete Monokulturen und pflegeleichte Teerstraßen sparen Arbeitskräfte und bringen kurzfristigen forstlichen Ertrag. Doch in absehbarer Zeit stellt das Ökosystem die Rechnung, wie wir nun beobachten.
Was lehrt uns das für die Landwirtschaft? Furchen nur parallel zum Hang, keine kahlen Ackerflächen, keine Bodenverdichtung durch schweres Gerät, Humuspflege, Hecken – und vieles mehr. Was die Straßen betrifft: Pflasterung mit Lochsteinen, begleitende Sickergräben etc. Die ungeliebte Wahrheit lautet: Wirtschaften im Einklang mit der Natur erfordert unbedingt mehr Manpower, darum werden wir uns nicht herumschwindeln können.
Mechthild Foerster, München

Geretteter Auwald bei Speyer

Als in der Naturschutzverwaltung arbeitender Förster bin ich mir des ein oder anderen Mankos in der Bewirtschaftung unserer Wälder bewusst. Falsch ist aber, dass die forstwirtschaftliche Nutzung eines Waldes – wie stark sie auch sein mag – die Ursache für die Verbreitung von Neophyten wie der Riesen-Goldrute und damit für die Verdrängung heimischer Arten darstellt. Auch in naturnah bewirtschafteten Wäldern breiten sich diese und andere Arten stark aus. Ein Verband wie der BUND darf (und muss an der ein oder anderen Stelle) sicherlich überspitzt formulieren, sollte sich aber im Interesse seiner Ziele an Fakten orientieren und nicht unnötig Öl ins Feuer gießen!
Ulrich Götz-Heimberger, Mühltal-Trautheim
 

Natur schützen

Was ich mich schon lange frage: Werden wir einmal auch die Stubenfliege schützen, wenn sie bedroht ist, wie Silberdistel oder Schwäbisch-Hällisches Hausschwein? Und erst dann? Ist Verbuschung bis hin zur Verwaldung schlechter (wegen der Blauen Ödlandschrecke) als gut, wegen Klima und so? Schützen wir "die Natur" – oder wollen wir den Status quo konservieren? Natur würde ja ständige ungeplante, unabsehbare, unkontrollierte Entwicklung bedeuten, und damit Veränderung, Kommen und Gehen. Wenn wir freilich offen zugeben würden (und mit den Zuschreibungen "nützlich", "notwendig", "wichtig" etc. tun wir das eigentlich ständig), dass wir letztlich nur uns nützen und schützen und retten wollen – was bleibt da vom Stolz auf die edle Gesinnung?
Versteht mich recht: Ich habe einen wilden Garten mit heimischer Hecke, Brennnesseln und Totholz. Ich vermeide wo irgend möglich das Auto (Flieger sowieso), Plastikverpackung, Elektroschrott, Energieverbrauch, Konsum und Billigprodukte … Ideen und Aktionen wie das Grüne Band begeistern mich. Nur: All dies nicht für die Vögel, das Klima, die Natur, sondern in und mit (und in Rücksicht auf und im Respekt vor) selbige/r/m. (Philosophisch: Diese Kohlmeise da vor meinem Fenster, die ist mir ein Gegenüber, ein Du. "Die Kohlmeise" ist eine Idee, eine Kategorie, ein Es.)
Tun wir das Richtige aus falschen Motiven? Ich fürchte, das wird sich doch als das Falsche herausstellen. Immer noch, zum Beispiel, begeisterter Entbuschungs-Aktionismus auf den Kultur-Steppen der Heide, bei gleichzeitiger Klage über Abholzung vor der eigenen Haustür oder irgendwo weit weg.
Das alles frage ich mich schon lange und bitte euch, dies zu diskutieren. Ich will und muss nicht recht haben! Eigentlich würde ich mich sogar gerne täuschen … 
Peter Mütz, Aalen-Ebnat

[BUND:] Solch große Fragen angemessen zu beantworten würde unser Leserforum sprengen. Kurz gesagt verfolgt der BUND einen pragmatischen Ansatz: Die Pflege vielfältiger Kulturbiotope liegt uns genauso am Herzen wie der großflächige Schutz natürlicher Prozesse, um neue "Wildnis" entstehen zu lassen. Und obgleich wir beim Naturschutz oft attraktive Leitarten wie die Wildkatze in den Vordergrund stellen, zielen wir immer auf den Schutz ganzer Lebensräume – wovon dann auch unscheinbare Tiere und Pflanzen profitieren. Wir wollen die biologische Vielfalt möglichst vollständig bewahren, um ihrer selbst willen und aus ureigenem Interesse.
Möchten Sie als BUND-Mitglied mitdiskutieren? Schreiben Sie uns gerne!

Sparen fürs Klima

Was mich an einigen Artikeln stört, ist der Tenor "das staatliche Handeln reicht nicht, nun müssen wir es selbst richten", ohne dass dafür ein Weg gezeichnet wird. Ich sehe noch viel Potenzial, die BUND-Mitglieder stärker zu motivieren und als Vorreiter einzubinden. Etwa wenn es darum geht, die eigenen CO2-Äquivalente zu kompensieren; ich selbst mache das zumindest seit einigen Jahren für das Auto. Wenn wir wissen, was andere schon tun, fällt es uns viel leichter, es selbst zu tun und bei anderen dafür zu werben. Einfach grüner Einkaufen hilft nicht und verstellt den Blick auf das, was nötig ist: Jeden Tag weniger kaufen. Nur wenn ich Unnötiges weglasse und drastisch Ausgaben spare, kann ich mehr Geld in Klimaschutz und globale Gerechtigkeit investieren.
Friedrich Hacker, Buchwalde

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