Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

OK

Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 1/2020

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Leser*innenzuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zu dieser Ausgabe

Alle Beiträge auf- oder zuklappen
Plastikkrise

Vielen Dank für den eindrucksvollen Artikel über den Plastikwahnsinn, den wir uns da seit Jahren leisten, ich kann nur wieder und wieder entsetzt den Kopf schütteln. Aber vergesst doch bitte endlich einmal den Kinderglauben, der Verbraucher könne und müsse das nur zurückweisen, dann würde der Handel das schon bleiben lassen. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage geht doch andersrum: Was angeboten wird, wird dann schon gekauft – siehe die SUVs, die hier eigentlich auch keiner haben wollte und die sich jetzt doch verkaufen wie geschnitten Brot; oder die Getränke-Einwegverpackungen, die trotz allen Gegenhaltens immer wieder massiv in den Markt gedrückt werden. Bewusste Verbraucher gibt's nur in relativ geringer Zahl, die Masse der Käufer nimmt, was es eben gibt und was als supertoll angepriesen wird. Echt wirksame Maßnahmen müssen daher beim Handel ansetzen und verbindlich sein: "Ordnungspolitik" ist da gefragt, etwa das Verbot, nicht wiederverwendbare bzw. recycelbare Stoffkombinationen überhaupt zu verwenden, das komplette Verbot von Mikroplastik, das Gebot, möglichst Pfandverpackungen zu nutzen, und schließlich das Verbot, den Dreck in die Dritte Welt zu exportieren. Und was den Autoreifen-Abrieb angeht, trifft man sich mit der Verkehrswende und fährt nur noch Fahrrad, Bahn und Straßenbahn. 
Das könnte etwas bewirken, nicht aber die Appelle an Verbraucher, die schlecht verpackten Sachen nicht zu nehmen. Das erreicht nur vielleicht 10 Prozent der Kunden überhaupt. Und da an dem ganzen Dreck ja eine Menge Leute gutes Geld verdienen, halten CDU & Co. ihre Hand schützend drüber – wie lange noch?
Bodo Schneider-Schrimpf, Bischofsheim

Ich freue mich immer auf das BUNDmagazin, wir lesen es gemeinsam mit der ganzen Familie und tauschen uns zu den Themen aus. Wir setzen auch viele der angeregten Punkte zum Umweltschutz gleich um in unserem Familienalltag. Die Ausgabe "Die Plastikkrise" 1/2020 aber bleibt weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, genauso wie die Ansätze zur globalen Lösung des Problems. Wieso wird im ganzen Heft das Thema Plastikvermeidung immer nur aus der Verbraucherperspektive aufgerollt? Wieso wird nie der Zusammenhang zwischen deutscher/europäischer Verpackungsverordnung und fehlenden politischen Rahmenbedingungen für die Lebensmittelindustrie angesprochen? Und dabei immer wieder die gesamte Handlungsverantwortung dem Verbraucher überlassen? Deutschland ist Großmeister in der komplexen Verbundstoffherstellung, wie Mehrlagenetiketten, die kein Lebensmittelproduzent jemals in Erwägung ziehen würde, gäbe es nicht die absurden Standards zur Kennzeichnungspflicht und zu Trennschichten bei Lebensmitteln. Das wird dem Endverbraucher vorenthalten, hierauf hat er gar keinen Einfluss. 
Wieso unterstützen Sie keine Kampagne zur Plastiksteuer für Produzenten und Auftraggeber? Wieso versucht BUND nicht vielperspektivisch zu denken und gesellschaftliche Impulse zu setzen, die alle Stakeholder der Plastikkrise beleuchten: Staat, (Lebensmittel-)Industrie, Verpackungshersteller und dann natürlich Endverbraucher. 
Ich bin immer wieder enttäuscht über die gedankliche Trägheit bei der Betrachtung der Plastikkrise und fordere Sie und Ihr Team in der Redaktion auf, vielperspektivischer an die Spezialthemen heranzutreten, damit ein Beitrag zur ganzheitlichen Betrachtung im ersten Schritt zur Problemlösung stattfinden kann. Die Darstellung von globalen Zusammenhängen ist entscheidend für die Fähigkeit und Motivation zur Partizipation. 
Trotz der verpassten Chance zur Aufklärung des Endverbrauchers vielen Dank für Ihren Einsatz.
Ute Schechtel, Berlin

Tatsächlich sieht der BUND in erster Stelle die Politik gefordert, die Plastikkrise zu lösen ­– ohne uns als Verbraucher*innen deshalb ganz aus der Verantwortung entlassen zu wollen. Erst kurz nach dem Druck des Februarheftes ging der BUND mit etlichen Verbündeten und detaillierten Forderungen an die Öffentlichkeit: https://www.bund.net/plastik-forderungen

Das Problem mit dem Verpackungsmüll ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn ein Umweltproblem nicht an der Wurzel angegangen wird, sondern nur die Symptome behandelt werden, und man glaubt, das Problem wäre somit gelöst. Ich erinnere mich noch gut, wie dieses Thema vor über 30 Jahren ins Bewusstsein der Menschen trat. Auf Eigeninitiative begannen umweltbewusste Bürger Sammelaktionen für Joghurtbecher. Auch einige Schulen und kirchliche Gruppen beteiligten sich. Irgendwann sah auch die Politik das Problem, und der damalige Umweltminister Klaus Töpfer führte das Duale System mit dem grünen Punkt und gelben Sack ein. Damit schien das Problem gelöst! 
Tatsächlich ging es dann erst richtig los. Der Verbraucher konnte nun mit gutem Gewissen Verpackungen kaufen, weil er sich in der Gewissheit wähnte, dass alles schön sauber in den Kreislauf zurückgeführt wird. Der brave Bürger glaubte, je mehr gelbe Säcke er vors Haus stellt, um so umweltfreundlicher handelt er. Und die Verpackungsindustrie freute sich, dass sie nicht als Umweltsünder galt. Von nun an wurden Kunststoffverpackungen in riesigen Mengen produziert. Neue, unsinnige Produkte (wie Kaffeekapseln) wurden erfunden und auf den Markt gebracht. Wie es heute mit der Plastikvermüllung aussieht, ist ja bekannt. Ähnliches erleben wir jetzt, wenn auf einmal die Elektromobilität als DIE Lösung aller Umweltprobleme propagiert wird, die der Straßenverkehr verursacht. Auch dadurch werden die Probleme nur verlagert und neue geschaffen. 
Wir müssen endlich die Umweltprobleme an der Wurzel angehen, uns also vom Dogma des ewigen ungebremsten Wirtschaftswachstums verabschieden und radikal umsteuern!
Bernhard Kaiser, Bonndorf

Nachdem ich einige Jahre alleine Umweltschutz betrieben habe, fasste ich den Mut, das publik zu machen, um mehrere Leute mit ins Boot nehmen zu können. Zuerst meldete ich eine Patenschaft beim Amt für Abfallwirtschaft an. Man bekommt dann für Müllsammelaktionen zur Unterstützung Warnwesten, Greifzangen, Handschuhe und Müllbeutel und ist während des Sammelns haftpflicht- und unfallversichert. Dann fand ich vor Ort einen Verein für Umweltschutz, über den ich nun Putzaktionen organisiere und immer mutiger werde: Wir bieten Filme über die Plastikproblematik und Vorträge zu "Plastikfrei(er) leben" oder Leitungswasser (Einsparung von Einwegflaschen), ein Workshop und ein Flohmarkt sind geplant. Ich kann jeden Umweltfreund nur ermutigen, in seinem Rahmen zu wirken und zu werben. Die Welt braucht viele Botschafter gegen die Plastikflut. 
Mahatma Gandhi hat mal gesagt: Die Menschen zögern oft, einen Anfang zu machen, weil sie fühlen, dass das Ziel nicht vollständig erreicht werden kann. Diese Geisteshaltung ist genau unser größtes Hindernis auf dem Weg zum Fortschritt, ein Hindernis, das jeder Mensch, sofern er nur will, aus dem Weg räumen kann. 
Gabriele Berblinger, Karlsruhe

85 bis 90 Prozent allen Mülls im Meer stammt aus Ostasien. Die Grundprämisse muss doch lauten: Kein Müll darf in die Umwelt gelangen. Eine unserer wichtigsten Forderungen muss daher sein, den Müllexport nach Fernost zu stoppen. Leider leistet Ihr dem Export noch Vorschub, indem Ihr behauptet „ohne diesen Export würde Deutschland in seinem Plastikmüll ersticken“. Deutschland hat im letzten Jahr „nur“ 13 Prozent seines Plastikmülls exportiert, eine Menge, die man auch hier noch verkraften kann, zumal die Menge weniger werden wird. So wie der gefährliche Atommüll nicht exportiert werden darf, muss dies auch für Plastikmüll gelten, der im Meer landet und unser aller Existenz bedrohen kann. Hier müssen die Umweltverbände Druck machen.
Kurt Knolle-Lorenzen, Schleswig

Als überzeugtes BUND-Mitglied freue ich mich diesmal besonders über den Plastik-Schwerpunkt. Ich war vergangenes Jahr im Senegal. Wir haben dort am Strand von St. Louis eine sehr kreative Idee gefunden, Plastikmüll zu sammeln: einen fast zwei Meter hohen Fisch, in dessen Maul man seine Plastikabfälle werfen kann. Und Plastik gibt es im Senegal genügend! Auf seinem Schild steht: „Gobie liebt Plastik! Füttern Sie ihn!“
Barbara Meiser, Stuttgart
 

Ihr Magazin wurde in einer Plastikhülle ausgeliefert. Für eine Naturschutzorganisation finde ich das eh fürchterlich, und bei Ihrem Titel "Die Plastikkrise" wirkt das besonders kontraproduktiv. Gibt es Gründe dafür?
Claudia Ziegler, Abensberg

Tatsächlich werden einzelne Exemplare des BUNDmagazins in Plastik ausgeliefert, ohne dass wir dies verhindern können. Warum? Die Post nimmt Zeitschriften von der Druckerei nur gebündelt an, verpackt zu max. 25 Stück in Plastikfolie oder -schnur. Wohnt nun in einem Zustellbezirk nur ein BUND-Mitglied (oder auch 26), so stellt die Post einzeln verpackte Hefte mitunter direkt so zu. Gleiches gilt, wenn ein Sammelbund beim Versand beschädigt wird und die Post die losen Hefte nachträglich verpackt, um sie vor Schmutz, Feuchtigkeit oder mechanischen Schäden zu schützen. Alternativ könnten wir jedes BUNDmagazin in einem Papierumschlag ausliefern. Das aber würde die Umwelt noch stärker belasten. 

SUV: Alternativ- statt gedankenlos

Im aktuellen Magazin (wieder sehr vielfältig und informativ, danke!) wird über den Boom von SUV & Geländewagen berichtet. Dass dieser Trend für den Klimaschutz schädlich ist, ist für mich unbestritten. Allerdings finde ich die Beschreibung "gedankenloser Hype" unfair: Wir sind eine tierliebe Familie und besitzen zwei Pferde. Wir sind auf ein starkes Zugfahrzeug angewiesen. Ein normaler Pkw oder gar ein Auto mit alternativem Antrieb (Hybrid, Elektro, Wasserstoff) hat entweder nicht genügend Anhängelast, eine unzureichende Reichweite oder geht preislich in Sphären, in denen wir einfach nicht mithalten können. Ähnlich denken sicher auch Menschen, die alternativ zu umweltschädlichen Flug- oder Schiffsreisen lieber mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind. Nicht alle der „Schwergewichts“-Fahrer agieren deshalb gedanken-, sondern momentan noch alternativlos. Trotzdem ändert sich hoffentlich bald dieser Trend, wenn potenzielle Autokäufer mit Blick auf das ausgesuchte Modell "‘s Hirn einschalten" und allen bereits Wohlüberlegten bessere Alternativen angeboten werden.
Maik Friedrich, Oberreichenbach

Paart sich mangelndes Fachwissen mit Emotionen, kann nichts Gutes dabei herauskommen. So auch in der Mitteilung über die SUV-Zulassungen und den daraus abgeleiteten Forderungen des BUND. Nein, ich fahre kein SUV! Aber den Boom beim Neukauf dieser Wagen kann ich verstehen. Sie sind im Alltag bequemer und viele auch sicherer als das zivile Basismodell. Es zeugt von emotionsgesteuerter Unsachlichkeit, diese Fahrzeuge pauschal den wenigen Monsterautos gleichzusetzen, über die wir uns alle bei der Parkplatzsuche ärgern. 
Der weitaus größte Teil der Neuzulassungen in diesem Segment besteht aus Modellen, die keinen permanenten Vierradantrieb haben und sich nur marginal und im Design vom kurzbeinigen Basismodel des Herstellers unterscheiden. Unter den Top Ten findet sich kein überdimensionierter Spritschlucker. Kaum einer dieser SUV ist länger als 4,5 Meter oder breiter als ein Golf. Unterschiede im Verbrauch sind minimal. E-Autos und Hybridmotoren finden sich sogar bei den "Großen". Die Forderung des BUND, den Kauf der überdimensionierten Fahrzeuge zu verteuern, ist längst erfüllt. Diese Dinger sind sehr teuer, was Steuern und Versicherung und Service betrifft. Die zitierte "Katastrophe" limitiert sich selbst.
Horst Andresen, Westoverledingen

Kreuzfahrten

Mit Interesse lese ich das BUNDmagazin, freue mich über die Errungenschaften, überdenke meinen Anteil zu einem ausgewogeneren Leben in und mit meiner Umwelt. In Ihrem Tipp zu Kreuzfahrten fehlt der wichtige Zusatz, dass seit 1. Januar die Verordnung "IMO 2020" auch für Kreuzfahrtschiffe greift. Demnach dürfen Containerschiffe, Frachtschiffe, Öltanker und auch Kreuzfahrtschiffe nur noch Treibstoff mit einem Schwefelgehalt vom max. 0,5 statt bisher 3,5 Prozent bunkern, unabhängig vom Fahrtgebiet. 
Die Frage stellt sich nicht so sehr, ob die Verbrennungsmotoren bei Landgängen abgeschaltet werden, sondern mit welchem Verfahren die Kreuzfahrtschiffe die Emissionen verringern. Der Umbau der Schiffsmotoren auf die Low-Sulphur-Technologie kostet Millionen. Günstiger sind "Scrubber", die wie gigantische Filter dafür sorgen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. 
Die entscheidende Frage an die Veranstalter ist somit: Wie werden beim Einsatz von Scrubbern die gefilterten Rückstände behandelt? Neben der fachgerechten Entsorgung dürfen die Rückstände auch einfach ins Meer geleitet werden – eine unglaubliche Fehlleistung der IMO und völlig vorbei am Ziel, die Meere sauberer zu halten. 
Die von Ihnen erwähnten Umweltzonen wurden übrigens bereits seit 2006 fortlaufend erweitert, seit 2012 sind Nordamerika, Nord- und Ostsee komplett eingeschlossen. Wir sind übrigens keine Kreuzfahrer, eben aus den im Artikel genannten Gründen.
Michael Kisters, Bremen

Sonnenkollektoren auf Gewerbebauten!

Immer mehr Wald- oder Landwirtschaftsflächen werden überbaut. Der Flächenfraß durch Verkehr, neue Gewerbe- oder Wohngebiete ist immens, beeinflusst das Klima und den Wasserhaushalt negativ und hat einen hohen Anteil am Artenrückgang in Deutschland. Besonders auffallend sind dabei die riesigen Lagerhallen von Logistikunternehmen (Versandhäuser) aller Art. Warum werden diese nicht zumindest dazu verpflichtet, ihre Flachdächer mit Sonnenkollektoren zu bestücken? Dies wäre auf jeden Fall sinnvoller, als zusätzliche kostbare Grünflächen aus der Landwirtschaft in subventionierte Solarparks umzuwandeln. Auch eine zusätzliche Begrünung dieser Dachflächen würde sich anbieten, etwa als Brutmöglichkeit für gefährdete Bodenbrüter wie die Haubenlerche.
Wolfgang Essig, Östringen

Der BUND fordert schon lange eine Photovoltaik-Pflicht für Neubauten, um unnötige Flächenversieglung zu vermeiden. Im neuen Hamburger Klimaschutzgesetz ist das aufgenommen worden. Um Deutschland aber völlig klimaneutral zu machen, werden wir eine große Menge an erneuerbarer Energie brauchen. Neben der Photovoltaik bleibt die Windenergie wegen ihrer geringen Flächenversieglung und hohen Effizienz ein wichtiges Standbein der Energiewende.

Redaktionsanschrift

BUNDmagazin


Kaiserin-Augusta-Allee 5 10553 Berlin E-Mail schreiben Tel.: (030) 2 75 86-457

BUND-Bestellkorb