Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf die Ausgabe 2/2022

Die Redaktion des BUNDmagazins freut sich über jede Zuschrift, behält sich aber Kürzungen vor.

Leserbriefe zur aktuellen Ausgabe

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Besser zu Fuß

Das Thema Mobilitätswende beschäftigt mich seit geraumer Zeit. Um an einem Beispiel deutlich zu machen, was sich zwingend ändern muss: Wir wohnen auf dem Land, mit Bus- und Bahnanschluss. Wir können uns als gut versorgt betrachten, denn es gibt vor Ort wirklich alles, was mann/frau benötigt. Auch die ärztliche Versorgung ist ok.
Nun stehen vor jedem Gebäude gefühlt drei PKW. Der Anteil der großen SUV ist enorm. Erschreckend ist, dass jede kleine Besorgung, jeder Einkauf, Behördengang usw. mit dem Auto erledigt wird. Der Parkplatz vor dem Supermarkt ist nie leer. Hier möchte ich allen, die sogar ins Fitness-Studio mit ihrem Auto fahren, zurufen: Laufen ist gesund. Mehr für die eigene Gesundheit, die Umwelt und ein verändertes Konsumverhalten kann man gar nicht tun.
Jeder, der zwei gesunde Beine hat, sollte endlich wieder zu Fuß gehen. Es gibt kein Argument, das dagegenspricht. Die Medien könnten einen Großteil dazu beitragen, indem sie solches Verhalten massiv bewerben. Eine Plakataktion wäre ebenfalls wünschenswert. Zum Beispiel an der Ampel, bei Rot: "Zu Fuß ginge es dir besser ..."
Ich finde, es ist höchste Zeit, hier aktiver zu werden. 
Katja Grois, Wehrheim
 

Windkraft

Zu "Neues vom Rotmilan": Gemessen an der Bedeutung, die der Rotmilan und seine vorgebliche Gefährdung durch Windkraftanlagen in Genehmigungsverfahren spielte, ist Ihre Mitteilung, dass "Windkraftanlagen wenig Einfluss" auf die Todesrate dieser Vögel haben, äußerst knapp und karg. Kein Wort darüber, welch unglückselige Rolle die Naturschutzverbände beim gebremsten Ausbau der Windenergie in Deutschland hatten. Keine kritische Betrachtung der eigenen, früheren Position. Noch am 22. Februar fasste der BUND in einer achtseitigen Recherche "Rotmilan und Windkraftausbau" die Situation wie folgt zusammen: "Der Rotmilan ist eine windkraftsensible Art, der in Genehmigungsverfahren beim Bau von Windkraftanlagen besondere Beachtung geschenkt werden muss. Zahlreiche Totfunde belegen, dass die Art in Windkraftanlagen zu Tode kommt."
Angesichts der schon beginnenden Klimakatastrophe und der Rolle der Windenergie bei der vielleicht gerade noch möglichen Abwendung des Schlimmsten wünschte ich mir eine breitere Auseinandersetzung mit dem Thema und eine Beleuchtung der Frage, warum der BUND dem Rotmilan eine solche Bedeutung gewähren konnte. 
Müssen die Naturschutzverbände wirklich solche "Leuchtturmarten" über alles stellen, auch über die wenigen Maßnahmen, die wir überhaupt zur Verhinderung der Klimakrise haben? Ist eine einzige Art, und sei sie noch so schön, selten und Liebling der Menschen, wirklich mehr "wert" als Zigtausend andere, die jetzt schon wegen der Klimaveränderung ihr angestammtes Habitat verlieren und aussterben? Wenigstens der BUND sollte die Biosphäre als Ganzes begreifen und sich nicht der eindimensionalen Rettung einer einzelnen Art bedingungslos verschreiben.
Gerd Müller, Breisach am Rhein

Die Aussage im Leserbrief "Ausbau der Windkraft", dass "für jedes AKW zwischen 2500 und 4000 Windräder zu errichten sind, plus weitere für den zusätzlichen Energiebedarf", war vielleicht vor 30 Jahren aktuell. Die aktuell in Planung befindlichen Offshore-Windräder leisten je 14 bis 15 MW mit einem prognostizierten Jahresenergieertrag von 80 GWh. Die letzten drei verbliebenen AKW leisten etwa 1400 MW, ihr Jahresenergieertrag liegt bei ca. 10 TWh. Also werden hierfür je nach Betrachtungsweise (Leistung oder Ertrag) zwischen 100 und 150 Windräder benötigt. Auch onshore entwickeln sich Leistung und Ertrag weiter dynamisch. Bei einer Leistung von 5+x MW sind Jahreserträge zwischen 10 und 20 GWh realistisch.
Was aber noch viel wichtiger ist: Beim geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien und den bekannten Erzeugungsprofilen von Wind und Solar ist im Netz einfach kein Platz mehr für sogenannte Grundlastkraftwerke. Es werden nur noch Lückenfüller-Kraftwerke für eine begrenzte Anzahl von Stunden benötigt.
Christian Hesse, Bad Säckingen

Wasserkraft

Ich halte es für falsch, die kleine Wasserkraft pauschal als umweltschädlich zu verurteilen. Man sollte meiner Ansicht nach genau differenzieren und immer im Einzelfall entscheiden, ob es sinnvoller ist, abgasfreien Strom zu produzieren oder ein Gewässer durchgängig zu machen/halten. Wenn es um ganz kleine Kraftwerke kleiner 50 oder vielleicht 100 kW geht und ein einzelnes Wehr die Durchgängigkeit eines ansonsten einigermaßen intakten Baches unterbricht, wäre es für mich eindeutig, das Kraftwerk aufzulösen. Wenn aber, wie an der Murg im Schwarzwald, ein kleiner Fluss über Kilometer weitgehend zugebaut ist und eine ganze Kaskade von Kraftwerken vorhanden ist, von denen jedes mehrere 100 kW erzeugt, bin ich dafür, lieber die Wasserkraft zu nutzen, weil ich eine auch nur einigermaßen durchgängige Renaturierung sowieso für illusorisch halte und die Menge des erzeugten Stroms eben doch erheblich ist. Außerdem kann auch ein Stausee ein intaktes Biotop sein, wenn der Wasserstand nicht ständig in großem Umfang schwankt oder der See sogar regelmäßig leerläuft. Es ist dann halt etwas anderes als ein durchgängiger Bach oder Fluss. Siehe der Ilz-Stausee bei Passau: Er erzeugt ziemlich zuverlässig Grundlast, wenn auch viel weniger als die Donau oder der Inn, und ist meiner Ansicht nach ökologisch okay.
Ulrich Schäfer, Darmstadt
 

Energie sparen

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes kurzsichtig, wenn immer nur das Aus von Kurzstreckenflügen thematisiert wird. Sie sind doch nur die Spitze des Eisbergs der klimaschädlichsten Form von Tourismus. Wer nach Thailand fliegt, verursacht damit im Schnitt eine Klimawirkung von mehr als 6 Tonnen Kohlendioxid. Dafür kann er elfmal nach Mallorca fliegen. Ein Flug nach Sydney (Australien) kommt im Schnitt auf mehr als 13 Tonnen Kohlendioxid und entspricht 23 Flügen auf die Mittelmeerinsel. Schlimmer wird es nur noch, wenn diese Menschen sich am Zielort auch noch auf ein Kreuzfahrtschiff einschiffen. Bis Flüge und Kreuzfahrten in einem nennenswerten Umfang klimaneutral gestaltet oder kompensiert werden können, wird es noch Jahrzehnte dauern. Bis dahin gehören unnötige Flüge und Kreuzfahrten extrem verteuert und gesellschaftlich geächtet, umso weiter, umso mehr. Forderungen nach einem Verbot von Kurzstreckenflügen sind Augenwischerei. Dafür gibt es ohnehin keine rechtliche Handhabe.
Und so ganz nebenbei ist es in der Energie- und Ukrainekrise ja wohl das Unsinnigste überhaupt, das knappe Erdöl zu Kerosin zu verarbeiten, nur weil irgendwelche Leute meinen an irgendeinen Strand fliegen zu müssen. Gleiches gilt für den enormen Verbrauch von Kreuzfahrtschiffen. 
Reiner Neises, Karlsruhe

Immer wieder freue ich mich, wenn die neue Ausgabe des BUNDmagazins kommt. Es ist gut, dass Sie darauf hinweisen, dass wir in erster Linie Energie einsparen müssen. Hier ein Beispiel, wie ich seit Jahren Energie spare: Ich backe das ganze Jahr über – und zwar immer, wenn die Sonne scheint – Brot oder Brötchen mit dem Parabolspiegel (allein bis Mitte Mai schon mehr als 30 Laibe). Nicht einmal Ökostrom brauche ich dafür, und das in Süddeutschland, nicht Südindien! Weitere Infos über die "Solarbäckerei" gibt es im Newsblog der EWS Schönau unter der Rubrik Selbermachen.
Hermann Barth, Ehrenkirchen

Sonstiges

Zu Ihrer "Geretteten Landschaft": Eine Idylle bewahren ist sicherlich schön. Aber ist der "Erfolg" in Wilhelmsfeld nicht eher ein "Kopf in den Sand stecken" als ein nachhaltiger Beitrag zum Umweltschutz? Überall wo gebaut wird, wird eine kleine Idylle zerstört. Wenn wir dies in Deutschland nicht wollen, werden die Gewerbegebiete, Fabriken (z.B. Tesla) etc. in anderen Ländern gebaut – mit in der Regel geringeren Anforderungen an Naturschutz, Energieeffizienz, Arbeitsschutz, Schutz der Mitarbeiter vor Ausbeutung ... Das kann ja auch nicht die Lösung sein.
Frank Müller, Berlin

Ich bin enttäuscht, dass es im aktuellen Heft nur einen kleinen Hinweis darauf gibt, dass der Fleischkonsum reduziert werden sollte. Warum trauen sich so viele Umweltschutzorganisationen nicht, das Kind beim Namen zu nennen? Die unsägliche Massentierhaltung ist der größte Klimakiller aller Zeiten. Angefangen mit der Abholzung der Ur- und Moorwälder über die Fütterung von Genmais und Soja und die unerträgliche Tierquälerei bis zur Verschwendung der Überproduktion an tierischen Produkten. Auch in Deutschland werden Flächen, die für menschliche Nahrung gebraucht werden könnten, für Tierfutter verschwendet. Tiere sollten nur noch zur wichtigen Landschaftspflege eingesetzt werden dürfen, oder wo nachweislich keine anderen Lebensmittel wachsen.
Eine vollwertige vegane Ernährung ohne hochverarbeitete, wertlose Kunstprodukte ist am gesündesten. Frisches Obst, Gemüse und keimfähiges Vollgetreide würden die meisten Krankheiten gar nicht entstehen lassen. Wie ein Arzt mir einmal sagte: "Essen und trinken Sie nichts, wofür Werbung gemacht wird." Daran halte ich mich seit 35 Jahren.
Marianne Rosenberger, Krombach

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