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Zwölf Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke. Waldschutz-Projekt geht in Umsetzungsphase

25. März 2014 | Wildkatze, Naturschutz, Wälder

Braunsroda: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz haben heute der Naturstiftung David eine Förderung von rund elf Millionen Euro für das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke in Nord-Thüringen erteilt. Das Bundesumweltministerium gibt 9,1 Millionen Euro, der Freistaat Thüringen 1,8 Millionen Euro, weitere Mittel kommen von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).  Rund ein Viertel des Waldes soll künftig forstlich ungenutzt bleiben – hier soll sich ein "Urwald von Morgen" entwickeln. Auf den übrigen Flächen soll eine besonders naturnahe Waldbewirtschaftung stattfinden.

"Wir freuen uns, dass die mehr als dreijährige Vorbereitungs- und Planungsphase abgeschlossen ist und wir jetzt endlich konkrete Maßnahmen umsetzen können", so Adrian Johst, Geschäftsführer der Naturstiftung David. Die Stiftung des BUND Thüringen ist Trägerin des Projektes. Als eine der ersten Umsetzungsmaßnahmen wurde vor wenigen Wochen eine Vereinbarung zum dauerhaften Schutz des mit seinen alten Buchenbeständen besonders wertvollen Wiegentals unterzeichnet. Auf rund 200 Hektar darf hier ab sofort kein Baum mehr gefällt werden. Insgesamt sollen in der Hohen Schrecke 2.000 Hektar Waldfläche als Waldwildnis entwickelt, Artenschutzprojekte für Fledermäuse, Hirschkäfer und Wildkatze umgesetzt, der naturnahe Tourismus gefördert und die regionale Wirtschaft gestärkt werden.

Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) unterstützt die Naturstiftung David als Projektpartner in den nächsten zehn Jahren mit insgesamt 400.000 Euro. Michael Brombacher, Leiter des Europareferats der ZGF: "Wenn wir international natürliche Wälder schützen wollen, müssen wir in Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen. Als eines der reichsten Länder der Erde können wir uns etwas mehr Wildnis leisten, in Europa sind wir da Schlusslicht. Das Projekt in der Hohen Schrecke zeigt beispielhaft, dass Wildniskonzepte vor Ort eine hohe Akzeptanz haben können, wenn sie vorab richtig kommuniziert werden."

Der BUND unterstützt das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke mit bis zu 300.000 Euro über die nächsten zehn Jahre. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: "Das besondere am Gemeinschaftsprojekt Hohe Schrecke ist, dass es vom Bund, dem Land Thüringen, von Wissenschaftlern und Naturschutzorganisationen sowie von verschiedenen Privatwaldbesitzern und den umliegenden Kommunen getragen wird. Dieses  Zusammenwirken vieler Akteure ist vorbildlich für viele andere Naturschutzprojekte und leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Arten und Lebensräumen." Die alten Buchenwälder der Hohen Schrecke seien wertvolle Lebensräume für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Durch das Projekt könnten die Waldgebiete großflächig erhalten und viele kleinere Biotope miteinander verbunden werden.

Die Hohe Schrecke ist ein rund 7.000 Hektar großes und nahezu unzerschnittenes Waldgebiet. Im Rahmen von Untersuchungen der letzten Jahre konnten insgesamt neun sogenannte "Urwaldreliktarten" nachgewiesen werden – das sind Käferarten, die zeigen, dass es sich bei der Hohen Schrecke um einen Waldstandort mit langer Tradition handelt. Darüber hinaus konnten alle in Thüringen vorkommenden Waldfledermaus-Arten in großen Bestandsdichten nachgewiesen werden. Allein aus einem einzigen Baum konnte der Ausflug von knapp 600 Fledermäusen beobachtet werden. Auch Wildkatzen konnten in großer Zahl in der Hohen Schrecke nachgewiesen werden. Der Artenreichtum geht u.a. zurück auf die jahrzehntelange Sperrung und forstliche Nichtnutzung des Gebietes aus militärischen Gründen. Mit dem Projekt der Naturstiftung David soll der Naturschutzwert der Hohen Schrecke trotz der forstlichen Nutzung großer Bereiche erhalten bleiben und weiter entwickelt werden.

Weitere Partner des Projektes sind die Stiftung Naturschutz Thüringen, der WWF Deutschland, die Organisation Naturefund sowie die Heinz-Sielmann-Stiftung.

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