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Kommentar: Zulassungsverfahren für Pestizide – Entscheidender Schritt in Richtung Transparenz

12. Februar 2019 | Chemie, Landwirtschaft, Umweltgifte

Anlässlich der letzten EU-Trilog-Verhandlung um die Transparenz der Pestizidzulassungen kommentiert Katrin Wenz, Agrarexpertin beim BUND

Katrin Wenz, BUND-Agrarexpertin  (Simone Neumann)

"Wir begrüßen diese wichtige Entscheidung: In Zukunft müssen alle eingereichten Studien öffentlich zugänglich sein. Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung Transparenz. Das skandalöse Wiederzulassen des Totalherbizids Glyphosat hatte eindrücklich die Schwächen des Zulassungsverfahrens für Pestizide und ihre Wirkstoffe auf EU- und nationaler Ebene belegt. Doch nun hat Brüssel auf den Druck der Zivilgesellschaft reagiert.

Nach dieser zentralen Verbesserung der Zulassungsverfahren für Pestizide müssen jetzt weitere Schritte folgen. Zukünftig muss die Prüfung von Pestiziden unabhängig von der Industrie erfolgen. Um unabhängige Studien zu finanzieren, ist es sinnvoll einen Fonds einzurichten, in den die Industrie einzahlt, der aber unabhängig verwaltet wird. Der BUND fordert außerdem, den Zulassungsprozess für Pestizide so zu reformieren, dass die Umwelt und die menschliche Gesundheit angemessen geschützt werden. Unerlässlich ist, dass bei der Risikobewertung auch Langzeitwirkungen und Kombinationseffekte beachtet werden, ebenso wie Auswirkungen auf Insekten.

Trotz der möglichen Verbesserung der Zulassungsverfahren bleibt aber das oberste Ziel, im konventionellen Anbau die Menge an ausgebrachten Pestiziden so gering wie möglich zu halten und langfristig ökologisch zu wirtschaften."

Hintergrund

Noch im Sommer 2018 sprach Bayer von 800 Studien, die eindeutig belegen würden, dass Glyphosat nicht krebserregend sei. Inzwischen wurde von Journalisten nachgewiesen, dass diese Zahl viel zu hoch gegriffen war. Auch handelte es sich dabei nicht um Studien von unabhängigen Wissenschaftlern, sondern unter anderem um Studien, die von der Industrie beauftragt wurden. Bereits 2015 veröffentlichte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, einen eigenen Bericht. Auch die IARC wertete vorhandene Studien und Literatur aus – Ergebnis: "wahrscheinlich krebserregend".

Pestizide sind ein lukratives Geschäft für die Agrarindustrie: Geschätzt wird weltweit ein Umsatz von etwa 45 Milliarden Euro mit den Pflanzengiften erzielt. Diesen Markt teilen sich sechs Konzerne untereinander auf – darunter Bayer, BASF und Syngenta. Inzwischen hat der Geschäftsbereich Agrar bei Bayer einen Anteil von 34 Prozent.

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