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Von Bio keine Spur – Agrotreibstoffe sind eine klimapolitische Scheinlösung

19. Februar 2019 | Ressourcen & Technik, Chemie, Energiewende, Klimawandel, Mobilität, Nachhaltigkeit, Naturschutz, Suffizienz

Berlin. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht massiven Verbesserungsbedarf bei den Regeln für den Einsatz von Agrotreibstoffen. Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission schafft bedenkliche Schlupflöcher für die Verwendung nicht nachhaltiger Rohstoffe wie Palm- oder Sojaöl.

"Agrotreibstoffe sind eine klimapolitische Scheinlösung. Die aktuellen Visionen der Agrokraftstoffindustrie gehen an der Realität vorbei. Vor allem Treibstoffe aus Anbaubiomasse haben massive negative Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Steigender Wettbewerb um begrenzte Landflächen führt bei weiter wachsender Weltbevölkerung zu entsprechend negativen Folgen wie desaströse Waldrodungen für zusätzliche Anbauflächen", sagt Arne Fellermann, Verkehrsexperte des BUND.

Die Europäische Union habe die negativen Effekte erkannt. In einem ersten Schritt hat sie daher beschlossen, ab 2021 keine Agrotreibstoffe aus Palmöl mehr auf die Klimaziele anrechnen zu lassen. Die Höchstmenge solle auf dem Niveau von 2019 eingefroren und ab 2023 bis 2030 schrittweise auf null reduziert werden.

"In den aktuell vorliegenden Vorschlag der EU-Kommission wurden aber bedenkliche Schlupflöcher eingebaut, die Zugeständnisse an Länder wie Malaysia oder Indonesien beinhalten. Pläne, dass Palmöl aus Plantagen unter fünf Hektar oder von aktuell nicht genutztem Land weiter als Biokraftstoff zugelassen bleiben soll, lehnen wir vom BUND als nicht nachhaltige Scheinlösung ab", so Fellermann. Diese Pläne führten in erster Linie dazu, dass größere Produzenten in diesen Ländern ihre Aktivitäten in passende Geschäftsmodelle umwandeln – wenn sie nicht sogar bereits so arbeiteten.

Auch neuere Generationen von Agrotreibstoffen, sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe, aus Reststoffen und Abfällen wie Stroh, Holz, Nussschalen, Trester, Gülle oder Klärschlamm, hätten laut BUND potentiell negative Nebenwirkungen auf die Umwelt. Fellermann abschließend: "Es muss berücksichtigt werden, dass nicht jeder ‘Reststoff‘ verwendet werden sollte. Holt man den letzten Strohhalm vom Feld muss mehr gedüngt werden, holt man den letzten Ast aus dem Wald leidet die Biodiversität. Zudem gilt, dass organische Stoffe mitunter in der Hausdämmung oder an anderen Stellen mit einem deutlich höheren Klimanutzen eingesetzt werden können, als sie mit hohem Energieaufwand zum Treibstoff für ineffiziente Verbrennungsmotoren umzuwandeln."

Mehr Informationen

  • Pressekontakt: Arne Fellermann, BUND-Experte für Verkehr, Tel.: (030) 2 75 86-484, arne.fellermann@bund.net bzw. Katrin Matthes, BUND-Pressereferentin, Tel.: (030) 2 75 86-53, presse(at)bund.net

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