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Tag des Siebenschläfers wird zum "Gartenschläfer-Tag"

26. Juni 2019 | Naturschutz, Lebensräume

Berlin. Zum Tag des Siebenschläfers am 27. Juni ziehen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine erste Zwischenbilanz ihrer gemeinsamen "Spurensuche Gartenschläfer". Im Rahmen eines Forschungsprojekts können seit April 2019 Bürgerinnen und Bürger den vom Aussterben bedrohten Gartenschläfer online melden, wenn sie ein Tier oder seine Spuren sichten. "Wir haben innerhalb von nur drei Monaten mehr als 500 Hinweise auf Gartenschläfer erhalten. Diese Resonanz und die Vielzahl der Sichtungen hat uns überwältigt", freut sich Mechthild Klocke, BUND-Projektleiterin für die "Spurensuche Gartenschläfer". "Der kleine Verwandte des Siebenschläfers mit der charakteristischen schwarzen 'Zorro-Maske' scheint in Deutschland viele Freunde zu haben. Bestätigen sich die Sichtungen, dann haben wir zudem gute Chancen, dem Gartenschläfer zu helfen."

Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist bei der Erforschung der kleinen Schlafmaus unverzichtbar. Obwohl er eine heimische Tierart ist, gibt es zum Gartenschläfer bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Sicher ist nur, dass er aus vielen Regionen Deutschlands innerhalb kurzer Zeit verschwunden ist. "Wir müssen dringend herausfinden, warum die Bestände des Gartenschläfers innerhalb der letzten drei Jahrzehnte so drastisch zurückgegangen sind und weiter zurückgehen. Nur dann können wir ihn vor dem Aussterben bewahren", erklärt Johannes Lang, BUND-Gartenschläfer-Experte der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Die Hinweise aus der Bevölkerung helfen uns, seiner aktuellen Verbreitung und seinen Lebensgewohnheiten auf die Spur zu kommen. Anhand dessen können wir die passenden Schutzmaßnahmen entwickeln."

Diese Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Forschung und Ehrenamtlichen auf der "Spurensuche", die im Rahmen des vom Bundesumweltministerium geförderten Bundesprogramms Biologische Vielfalt stattfindet, trifft auf ein wachsendes Bewusstsein für den Naturschutz in der Bevölkerung. "Die erschreckenden Zahlen des Artenrückgangs haben viele Menschen bewegt. Bei der 'Spurensuche Gartenschläfer' geht es um eine Tierart vor unserer Haustür, für die jetzt noch etwas getan werden kann. Das wird ein Grund dafür sein, warum wir uns über so viel positive und engagierte Resonanz freuen können", so Mechthild Klocke weiter. "Jetzt hoffen wir, dass die Bauernregel uns Glück bringt: Wenn am Siebenschläfer-Tag die Sonne scheint, gibt es sieben Wochen schönes Wetter – und damit gute Bedingungen für die weitere Erforschung und den Schutz der Gartenschläfer."

Hintergrund

Der Gartenschläfer, wissenschaftlich Eliomys quercinus und deutsche Verantwortungsart, ist eine in Europa heimische Schlafmaus, verwandt mit dem Siebenschläfer. Erkennbar ist er an seiner typischen Gesichtszeichnung mit ausgeprägten schwarzen Ringen um die Augen, die an die "Zorro-Maske" erinnert. Das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers ist in den vergangenen 30 Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft, in vielen Regionen ist er bereits ausgestorben. Die Ursachen sind bislang unklar. BUND, Justus-Liebig-Universität und Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung untersuchen deshalb nun alle denkbaren Einflussfaktoren: Nahrungsgewohnheiten und -angebote, Lebensraumansprüche und Klima, genetische Strukturen, Krankheiten und Parasiten, Fressfeinde und Prädatoren u.v.m.

Möglich wird eine derart intensive Untersuchung mit Unterstützung durch Ehrenamtliche auf "Spurensuche". Geforscht wird in einigen beispielhaften Regionen Deutschlands, in denen der Gartenschläfer heimisch ist, u.a. in den Innenstädten von Wiesbaden und Bonn, in Weinbergen und Gärten im Südwesten Deutschlands und in den Hochlagen der Mittelgebirge, zum Beispiel im Harz. Innerhalb von drei Jahren sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, warum der Gartenschläfer derart drastisch in seinen Beständen zurückgeht. Daraus werden konkrete Schutzmaßnahmen entwickelt, die unmittelbar umgesetzt werden sollen. Das Ziel: Den Gartenschläfer in großen Teilen seines Verbreitungsgebiets in Deutschland zu erhalten. Das Projekt wird seit Oktober 2018 für sechs Jahre vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

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