Sommer am Grünen Band: Schatzkammer der Artenvielfalt und lebendiges Natur- und Kulturdenkmal auf gesamter Länge schützen

04. September 2020 | Grünes Band, Lebensräume

Kurze Pause der Teilnehmer*innen der Sommerradtour am Grünen Band  (Fachbereich Grünes Band)

Berlin/Eichsfeld. Im Rahmen der Sommerrad­tour der United Rebels of Performing Arts entlang der ehemaligen inner­deutschen Grenze am Grünen Band, die der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit dem Thüringer Umweltministerium und der Stiftung Naturschutz Thüringen begleitet, und seines Besuchs am West-Östlichen Tor im Eichsfeld bekräftigt der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt erneut die Bedeutung dieses einzigartigen Lebensraumverbundes: "Was einst ein Todesstreifen war, ist jetzt nicht nur eine Arche für Tiere und Pflanzen, sondern ein Ort, der an Demokratie, Freiheit und Frieden in unserem Land und in ganz Europa erinnert."

Die Besonderheit der Sommertour am Grünen Band besteht in der Zusammenarbeit von Naturschützern und Kulturschaffenden. Fünf Künstler*innen aus Deutschland und Burkina Faso radelten vom 25. August bis 4. September entlang des Grünen Bandes von Sonneberg nach Nordhausen. Damit wird das Grüne Band einmal mehr zum Symbol der Wiedervereinigung und der kulturellen Zusammenarbeit. Gemeinsam mit dem BUND unterstützt der Deutsche Kulturrat die Nominierung des Grünen Bandes Europa als UNESCO-Welterbe in den Kategorien Natur und Kultur. Zum heutigen Abschluss der Sommertour erklärt Bandt weiter: "Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, eine Brücke zwischen Kulturbegeisterung und Naturschutz zu schlagen. Den großen Krisen dieser Zeit können wir nur mit einer gemeinsamen, starken Stimme begegnen." 

Ein gemeinsames Grünes Band Europa hängt von der Initiative der einzelnen Länder ab, erklärt Olaf Bandt weiter: "Europaweit unterstützen etwa 150 zivilgesellschaftliche und staatliche Organisationen das Grüne Band Europa. Um ein klares Signal an die europäischen Nachbarn zu senden, muss Deutschland jetzt den eigenen Teil des Grünen Bandes auf der gesamten Länge von 1393 Kilometern als Nationales Naturmonument ausweisen."

Als unersetzliches Rückzugsgebiet für bedrohte Tiere – wie etwa für den Fischotter, den Luchs und die Wildkatze – ist das Grüne Band besonders schützenswert. Bandt abschließend: "Wirklich geschützt und ungestört sind diese Tiere erst dann, wenn bestehende Lücken des Grünen Bandes endlich geschlossen werden, um die Funktion als Wanderkorridor zu gewährleisten. Die Realität sieht aber leider noch anders aus: Durch intensive landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder gewerbliche Nutzung ist das Grüne Band auf insgesamt 170 Kilometern leider noch lückenhaft. Wir als BUND haben bereits über 1.000 Hektar Flächen im Grünen Band erworben, um diese langfristig für den Naturschutz zu sichern. Um weitere Lücken zu schließen, ist ein Bundesfonds über mindestens 30 Millionen Euro notwendig, um den Biotopverbund für Tiere und Pflanzen durchgängig zu machen."

Mehr Informationen

  • Terminhinweis: Am 4. September um 19 Uhr gibt es das poetisch-musikalische Programm "Wenn uns nur die Liebe bleibt. Ein ökologisches Manifest" der United Rebels of Performing Arts in der Evangelischen St. Blasii-Kirche in Nordhausen, Barfüßerstraße 2, 99734 Nordhausen zu erleben.
  • Das West-Östliche Tor im Eichsfeld ist der Ort, an dem das Grüne Band Europas seinen Ursprung nahm. Im Beisein eines der Hauptprotagonisten der Wende in Europa, Michail Gorbatschow, feierte der BUND am 19. Juni 2002 an diesem Ort gemeinsam mit über 500 begeisterten Menschen die Einweihung des West-Östlichen Tores, einem vom BUND entwickelten Land-Art-Projekt als Symbol für die überwundene deutsch-deutsche Grenze. Hubert Weiger, der damals amtierende Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des BUND, sprach hier zum ersten Mal von der Idee eines mehr als 12.500 Kilometer langen europäischen Grünen Bandes entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs – vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer. Aus dieser Vision hat sich bis heute eine großartige Initiative entwickelt: das Grüne Band Europa.
  • Mit dem aktuellen Projekt "Quervernetzung Grünes Band" werden auch in den kommenden Jahren weitere ökologische Perlen entlang des Grünen Bandes Europa geschützt. Das im Bundesprogram Biologische Vielfalt geförderte Projekt mit einer Laufzeit von Oktober 2019 bis September 2025 will Querverbindungen zu weiteren naturnahen Gebieten beiderseits des Grünen Bandes schaffen. Das Grüne Band als Rückgrat der Vielfalt erhält so "Rippen", und aus der Linie wird ein Netz.
  • Ausflugsziele und andere Möglichkeiten, das Grüne Band zu erleben
  • Bildmaterial zum Grünen Band
  • Kontakt: Liana Geidezis, Leiterin Grünes Band beim BUND, Tel.: (09 11) 57 52 94 16, Mobil: 01 71 / 5 33 18 53, liana.geidezis(at)bund.net sowie BUND-Pressestelle (Sigrid Wolff / Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel. (030) 2 75 86-425 / -531 / -497 / -464, presse(at)bund.net

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