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Rote Liste der Pflanzen ist Offenbarungseid verfehlter Agrar-und Gewässerpolitik. BUND fordert Stopp des Tods auf Raten

06. Dezember 2018 | BUND, Flüsse & Gewässer, Landwirtschaft, Lebensräume, Naturschutz, Umweltgifte

Berlin: Anlässlich der heutigen Veröffentlichung der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen durch das Bundesamt für Naturschutz ruft der BUND die Bundesregierung zu entschlossenem Handeln auf. "Ohne eine drastische Änderung der Agrarpolitik in Brüssel und fundiertem Gewässerschutz in Deutschland bleibt die Lage dramatisch", betont der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Insbesondere die angekündigte Ackerbaustrategie der Bundesregierung muss einen wesentlichen Beitrag zur Rettung der botanischen Lebensgrundlagen leisten."

Für den Rückgang von fast der Hälfte der Rote-Liste-Arten ist Überdüngung die wesentliche Ursache. Insbesondere die Gewässer sind mit zu vielen Nährstoffen belastet. Dies führt dazu, dass beispielsweise über die Hälfte der Zieralgenarten als gefährdet gelten. "Die Landwirtschaftspolitik muss sich zu ihrer besonderen Verantwortung für die von ihr abhängenden Arten bekennen und endlich aktiv Artenschutz betreiben", so Weiger weiter. "Die Einführung eines zehn Meter breiten Gewässerrandstreifens zum Schutz unseres Wassers ist hierzu ein unverzichtbarer erster Schritt."

Aus Sicht des BUND gelte es jetzt die Gefährdungsursachen stärker zu bekämpfen, die seit 1998 weitgehend unverändert geblieben seien. So müsse die weiter voranschreitende Vernichtung von wertvollen Lebensräumen, der immense Einsatz von Pestiziden und die Überdüngung von Äckern, aber auch die mangelhafte Betreuung bestehender Schutzgebiete und der falsche Umgang mit Hot Spots der Artenvielfalt, gestoppt werden. "Der Einsatz von Totalherbiziden verbietet sich mit der aktuellen Diagnose der Roten Liste eigentlich von selbst. Zum Schutz gefährdeter Pflanzen muss die Menge an Pestiziden drastisch reduziert werden. Besonders gefährliche Stoffe haben in unserer Umwelt nichts zu suchen. Nur so ist der Artenverlust in den nächsten Jahren zu bremsen", hob Weiger hervor.

CDU/CSU und SPD haben mit der Vorstellung der Roten Liste die Chance, den Tod auf Raten selbst ehemals häufiger Arten zu verhindern. "Runter von der Bremse", appelliert Weiger an die Bundesregierung. "Wer die Bewahrung der Schöpfung und den Erhalt der Biologischen Vielfalt ernst nimmt, muss jetzt aktiv werden und eine ambitionierte Ackerbaustrategie und eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik ermöglichen. Für uns steht fest, dass es im Rahmen der GAP-Reformen öffentliches Geld nur noch für öffentliche Leistung geben darf. Der Agroindustrie muss der Geldhahn zu gedreht werden, ländliche Strukturen müssen gestärkt werden."

Positiv hob der BUND hervor, dass der effektive Natur- und Artenschutz der letzten zehn Jahre erste Ergebnisse zeige. "Konsequenter Umweltschutz der zum Rückgang der Schwefelemissionen führte, hat für viele Pflanzenarten wesentliche Erleichterung gebracht. Zahlreiche lokale Projekte wie die Wiesenmeisterschaften des BUND Naturschutz in Bayern oder die Schutzäcker für die Vielfalt zeigen vor Ort, was grundsätzlich möglich ist", erklärt Magnus Wessel, BUND-Naturschutzexperte. "Der Schutz von Arten in der Agrarlandschaft muss aber verstärkt und finanziell solide ausgestattet werden, damit aus den Einzelfällen ein Trend wird, der weiter drohende Artenverluste verhindert."

Der dramatisch schlechte Zustand vieler Pflanzenarten ist dabei nicht isoliert zu betrachten. "Die Krise der Pflanzen ist auch die Grundlage der Krise der Insekten", so Wessel. "Insbesondere Ackerwildkräuter haben eine wichtige Funktion in den Agrarökosystemen. Sie stellen Pollen, Nektar und Samen für verschiedenste Tierarten bereit, die einer Vielzahl von Nützlingen in der Ackerkultur zugutekommen."

Mehr Informationen

  • Hintergrund: Die Roten Listen beschreiben die Gefährdungssituation der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in unserem Land. Sie werden alle zehn Jahre unter Federführung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Expertinnen und Experten erarbeitet. Der BUND hat die Erstellung durch zahlreiche Daten der in ihm organisierten Spezialisten unterstützt.
  • Zu Artenschutz
  • Zu Pestiziden
  • Zu Überdüngung
  • Zu Gewässerrandstreifen
  • Pressekontakt: Magnus Wessel, BUND-Naturschutzexperte, Tel. (030) 2 75-86-543, magnus.wessel(at)bund.net bzw. Sigrid Wolff, BUND-Pressesprecherin, Tel. (030) 2 75 86-425, presse(at)bund.net

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