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Projekt "Pestizidfreie Kommune": Schon über 460 Kommunen praktizieren Insektenschutz

18. Dezember 2018 | Umweltgifte, Wildbienen, Schmetterlinge, Naturschutz, Lebensräume, Landwirtschaft

Berlin: Deutschlandweit verzichten bereits über 460 Städte und Gemeinden bei der Pflege ihrer Grün- und Freiflächen auf chemisch-synthetische Pestizide und tragen somit zum Schutz von Bienen und anderen Insekten bei. Seit dem 1. Dezember 2017 dokumentiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) solche Kommunen in einer interaktiven Karte. Vor einem Jahr wurde diese Karte mit damals 90 Städten und Gemeinden veröffentlicht, die Anzahl der pestizidfreien Kommunen hat sich innerhalb eines Jahres verfünffacht.

"Viele Kommunalpolitiker wollen etwas gegen das Insektensterben tun. Sie nehmen ihre große Verantwortung für Mensch und Umwelt ernst und verbieten den Einsatz von Pestiziden auf ihren Flächen", sagt Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin und Leiterin des Projekts "Pestizidfreie Kommune". "Oftmals wird diese Entscheidung durch insektenfreundliche Projekte begleitet, zum Beispiel werden Rasenflächen mit heimischem Saatgut in mehrjährige Blühwiesen umgewandelt." Auch auf den landwirtschaftlichen Flächen, die in kommunalem Eigentum sind, tut sich etwas in Richtung Insektenschutz. Immer häufiger nehmen die Kommunen Klauseln in die Pachtverträge auf, die den Einsatz von Pestiziden verbieten oder reduzieren, so Hölzel.

Chemisch-synthetische Pestizide werden produziert und eingesetzt, um Beikräuter oder ungewünschte Insekten zu vernichten. Sie schädigen jedoch nicht nur diese Zielorganismen, sondern töten auch Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und Wildkräuter, die wiederum wichtige Nahrungsquellen für Insekten sind. Das Insektensterben gefährdet andere Tierarten, die sich von den Insekten ernähren, und beeinträchtigt letztendlich die Lebensmittelproduktion für den Menschen. "Rund zwei Drittel der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen", erklärt Hölzel. Der monetäre Wert der Insekten-Bestäuberleistung in Europa beträgt zurzeit etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr. Nicht zuletzt hängen auch hunderttausende Arbeitsplätze in der EU an dieser Leistung.

"In der Landwirtschaft, in den Kommunen und in Hobbygärten gibt es umweltfreundliche Alternativen sowohl für Herbizide, wie das Ackergift Glyphosat, als auch für Insektizide oder Fungizide. Thermische oder mechanische Verfahren, stärkende Pflanzenjauchen, resistente standortheimische Pflanzen, mechanische Entfernung von Schadinsekten oder auch das altbekannte Jäten sorgen für Blütenpracht, Verkehrssicherheit und reiche Ernten, ohne nützliche Insekten wie Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge zu gefährden. Blütenreich und ohne Gift – das sollte das Motto aller Städte und Gemeinden sein", so die Pestizidexpertin weiter. "Unsere Städte erfüllen viele Funktionen: Sie sind Lebensraum und Spielplatz, Orte der Erholung und Umweltbildung, Rückzugsgebiete für bedrohte Insekten wie Wildbienen und Produktionsstätten für viele Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Honig. Gifte haben in dieser Umgebung nichts zu suchen."

Viele Kommunen melden sich beim BUND mit der Bitte um Aufnahme in die interaktive Karte. Einige BUND-Landesverbände oder -Kreisgruppen haben eine systematische Abfrage unter den Kommunen gestartet. So hat zum Beispiel der Landesverband Sachsen alle 421 sächsischen Städte und Gemeinden angefragt, ob bei ihnen Pestizide zum Einsatz kommen. Von den 314 Kommunen, die geantwortet haben, sind 177 ganz oder teilweise pestizidfrei.

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