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Power-to-X ist nicht per se klimafreundlich und ohne Nachhaltigkeitsregeln potentiell schädlich

29. Juli 2019 | Nachhaltigkeit, Suffizienz, Ressourcen & Technik, Klimawandel

Berlin. Strombasierte Energieträger, sogenannte Power-to-X (PtX), werden in der Debatte um Klimaschutzmaßnahmen in den Sektoren Verkehr, Industrie und Gebäude aktuell als klimaneutraler Ersatz für fossile Brennstoffe angepriesen. Dass PtX jedoch nicht per se klimafreundlich ist und unter Umständen sogar negative Folgen für Umwelt und Klima aufweisen kann, zeigt ein heute veröffentlichtes, im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erarbeitetes Impulspapier des Öko-Instituts auf. 

Daran anknüpfend zieht der BUND fünf Schlussfolgerungen für die Debatte über PtX. Vor allem sei problematisch, dass die Herstellung von PtX-Stoffen aufgrund der großen Umwandlungsverluste enorme Mengen an Strom benötigt. Die bestehende erneuerbare Stromerzeugung könne den Mehrbedarf nicht decken. "Die erste Voraussetzung ist deshalb, dass PtX-Stoffe vollständig aus zusätzlich erzeugtem erneuerbarem Strom produziert werden", sagt der stellvertretende BUND-Vorsitzende Ernst-Christoph Stolper. "Andernfalls kann die CO2-Bilanz von strombasierten Energieträgern sogar noch weitaus schlechter sein als bei fossilen Brennstoffen wie Erdgas oder Diesel."

Für die Herstellung von PtX-Stoffen wird darüber hinaus CO2 benötigt, welches Hauptverursacher des Klimawandels ist. Stolper dazu: "Es muss unbedingt vermieden werden, dass die PtX-Produktion dazu führt, dass der CO2-Ausstoß, zum Beispiel aus Industrieanlagen, verlängert wird. Anderenfalls werden wir die Klimaziele von Paris nicht erreichen. Wenn strombasierte Energieträger zur Nutzung im Verkehr beispielsweise mit klimaschädlichen Industrieabgasen erstellt werden, entstehen weiterhin Treibhausgasemissionen – in diesem Fall nur am Autoauspuff statt am Industrieschornstein." Stolper spricht sich deshalb dafür aus, einen Schwerpunkt auf die CO2-Gewinnung für PtX aus der Luft zu setzen. "Das ist technisch anspruchsvoll, aber der einzige Weg, auf Dauer das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klima-Abkommens nicht zu verletzen." Weitere Punkte der kritischen Betrachtung von Öko-Institut und BUND sind die Wasserversorgung in sonnenreichen, aber wasserarmen Gebieten sowie der gesteigerte Flächenverbrauch. 

Der umfassenden Nutzung von PtX im Verkehrsbereich erteilt Stolper eine Absage. "Aufgrund der im Vergleich zur direkten Nutzung elektrischer Energie erheblich schlechteren Energieeffizienz darf PtX nur dort Anwendung finden, wo keine andere Alternative zur Dekarbonisierung besteht." Das sei kontinuierlich zu überprüfen. Stolper: "Die Hoffnung, mit strombasierten Treibstoffen die Klimagasemissionen des Verkehrssektors zu minimieren, ohne den notwendigen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs anzugehen, führt in die Irre. Wir sollten bei PtX nicht dieselben Fehler machen wie bei den Biokraftstoffen. Nur wenn von Anfang an sichergestellt ist, dass PtX die effizienteste Lösung darstellt und wirklich Treibhausgase reduziert werden, kann PtX Teil einer CO2-Minderungsstrategie sein, die mit dem Paris-Abkommen vereinbar ist.

Die höchste Prämisse müsse weiterhin sein, den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren. Nur so könnten die Klimaschutzziele natur- und sozialverträglich erreicht werden.

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Das Impulspapier wurde im Rahmen des Kopernikus-Projekts "P2X" erstellt, welches durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung gefördert wird.

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