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Kopernikus-Projekt zur Erforschung neuer Technologien für die Energiewende: BUND fordert, Zivilgesellschaft stärker einzubinden

31. August 2018

Ein Interview mit BUND-Energieexpertin Caroline Gebauer anlässlich der heutigen Veröffentlichung einer Roadmap mit Zwischenergebnissen des Kopernikus-Projekts Power-to-X.

Anmoderationsvorschlag:

Der BUND vertritt die Interessen der Zivilgesellschaft im Kopernikus-Projekt P2X. Heute wurden erste Zwischenergebnisse in dem Projekt veröffentlicht. Wir sprechen mit Caroline Gebauer, Energieexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über das Projekt Power-to-X und die Rolle der Zivilgesellschaft in dem Forschungsverbund.

Was sind die Kopernikus-Projekte?

O-Ton 1 (Caroline Gebauer, 42 Sek.): Die Kopernikus-Projekte sind vier Projekte zur Energiewende, die seit 2016 vom Bundesforschungsministerium gefördert werden. Die Projekte befassen sich mit Schlüsselbereichen der Energiewende wie der Stromnetz-Entwicklung, der Speicherung und Umwandlung erneuerbaren Stroms in einen anderen Energieträger, der Neuausrichtung von Industrieprozessen auf die fluktuierenden erneuerbaren Energien und dem Zusammenspiel all dieser Sektoren im Energiesystem. Und das Besondere an den Kopernikus-Projekten ist, dass dies keine reinen Wissenschaftsprojekte sind, sondern Wissenschaft, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft gemeinsam in diesen Projekten arbeiten.

Worum geht es bei Power-to-X?

O-Ton 2 (Caroline Gebauer, 23 Sek.): Bei Power-to-X geht es um die Umwandlung von erneuerbarem Strom in einen anderen Energieträger wie zum Beispiel Gas oder auch Kraftstoffe. Und zum einen kann dies in einer klimaneutralen Welt, wo die Stromversorgung und Energieversorgung auf hundert Prozent Erneuerbaren beruht, als eine Speicheroption dienen. Und zum anderen können Bereiche, in denen gerade noch keine direkten elektrischen Lösungen möglich sind, wie zum Beispiel der Flugverkehr, dadurch versorgt werden.

Was ist das Ziel des Projekts Power-to-X?

O-Ton 3 (Caroline Gebauer, 30 Sek.): In dem Kopernikus-Projekt Power-to-X wird in sechs Forschungsclustern die Umwandlung von erneuerbarem Strom in einen anderen Energieträger erforscht und diese Ergebnisse werden in einem Dokument, der Roadmap, festgehalten, die eine Art Wegweiser sein soll, wohin es geht mit diesen Technologien. Und neben den reinen Forschungsergebnissen soll die Roadmap auch die Technologien im Kontext der Energiewende darstellen.

Welche Rolle spielt denn der BUND als Umweltverband in dem Forschungsprojekt?

O-Ton 4 (Caroline Gebauer, 48 Sek.): Für uns ist es wichtig, frühzeitig darüber nachzudenken, in welcher Weise und mit welchem Nutzen diese Technologien eingesetzt werden. Denn Power-to-X darf kein Freifahrtschein für ein "Weiter-wie-bisher" sein, indem man einfach die fossilen Energieträger durch synthetische, erneuerbare Energieträger ersetzt. Es gilt herauszufinden, wie diese Technologien am klimadienlichsten eingesetzt werden können. Und zudem wollen wir auch gesellschaftliche Fragen von Beginn an mitdenken. Also: Wer wird von diesen Technologien betroffen sein? Können nur große Industrieunternehmen Betreiber dieser Anlagen sein? Oder können auch Bürger-Energie-Genossenschaften beispielsweise an dem Modell teilhaben?

Was sind denn die zentralen Fragen bei Power-to-X aus Sicht des BUND? 

O-Ton 5 (Caroline Gebauer, 45 Sek.): Dem BUND ist es wichtig, dass die Zivilgesellschaft stärker in die Forschung eingebunden wird und der Wissenschaft ihre Sichtweise darstellen kann. Denn gerade bei neuen Technologien für die Energiewende, die in die Anwendung kommen sollen, ist es wichtig frühzeitig darüber nachzudenken, was die Gesellschaft über solche Technologien denkt. Die Erforschung neuer Technologien ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende, aber man sollte eben von Beginn an darüber nachdenken, wie und wo diese Technologien eingesetzt werden, um nicht nur den höchstmöglichen wirtschaftlichen Nutzen, sondern auch den höchstmöglichen gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu erzielen. Dabei sollen eben Klima und Umwelt im Vordergrund stehen.

Was beinhalten die ersten Zwischenergebnisse und die Roadmap? 

O-Ton 6 (Caroline Gebauer, 50 Sek.): Heute wurde die erste Roadmap-Version veröffentlicht, die einen Stand der Zwischenergebnisse darstellt, und diese in den Kontext der Energiewende setzt. Aus unserer Sicht gibt es hier noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Bis zur finalen Version, die in einem Jahr ansteht, am Ende des Projektes, sollten die bestehenden Mängel behoben werden. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass die Sichtweise von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nicht gleichwertig in die Roadmap eingeflossen ist. Aber genau dieser Diskurs würde die Roadmap zu einem spannenden Dokument machen und einen echten Mehrwert für die öffentlichen Diskussionen bieten. In der finalen Version fordern wir daher, dass die Sichtweisen von Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gleichrangig in die Roadmap einfließen.

Abmoderationsvorschlag:

Vielen Dank, Frau Gebauer. Mehr zu dem Kopernikus Projekt Power-to-X finden Sie auf der Website des BUND unter dem Stichwort Power-to-X. Die Roadmap mit den Zwischenergebnissen kann man finden auf der Website www.kopernikus-projekte.de.

Mehr Informationen

Kopernikus-Programm "Power-to-X"

Kopernikus-Programm "Power-to-X"

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