Klimaschutz im Gesundheitswesen: Mit 250 Kliniken in eine nachhaltige Zukunft

11. Mai 2021 | BUND, Klimawandel

Berlin. Bundesweit 250 Krankenhäuser und Reha-Kliniken haben bereits wirksame Klimaschutzmaßnahmen in ihre Arbeitsabläufe integriert. Sie sind Teil des Projekts "KLIK green: Krankenhaus trifft Klimaschutz", das vom Berliner Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geleitet wird und bis April 2022 mindestens 100.000 Tonnen CO2 vermeiden soll. 

"Krankenhäuser sind ernstzunehmende Wirtschaftsbetriebe. Auch das Gesundheitswesen sollte sich Klimaschutz auf die Fahne schreiben", sagt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. "Bis 2030 sollte jede deutsche Klinik eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt haben und zuvor eine Klimamanagerin oder einen Klimamanager fest einstellen. Klimaschutz muss standardmäßig Inhalt von Ausbildungen im Gesundheitswesen werden. Solche Stellen können dann beispielsweise dafür sorgen, dass die enorme Kaufkraft von Krankenhäusern der regionalen und nachhaltigen Wirtschaft zugutekommt."

Viele der am Projekt teilnehmenden Kliniken lassen schon Klinikbeschäftigte zu Klimamanager*innen qualifizieren. Aktuell planen diese mehr als 500 Klimaschutzmaßnahmen, die nicht nur im Klinikbereich anwendbar sind: Sie stellen auf Ökostrom um, fördern Radverkehr durch Fahrradparkplätze und Mobilitätswettbewerbe, reduzieren Fleisch im Speiseplan oder optimieren die Mülltrennung. Außerdem verwirklichen sie krankenhausspezifischen Klimaschutz wie etwa Narkosegasrecycling oder Mehrweg-OP-Besteck.

In allen Bundesländern setzen sich die unterschiedlichsten Kliniken für den Schutz der planetaren Gesundheit ein. "Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen. Obwohl die Corona-Pandemie die Arbeit in vielen Kliniken seit über einem Jahr erschwert, begleiten wir nun ein großes Netzwerk Engagierter, die Klimaschutz und Gesundheitsschutz zusammendenken", freut sich Projektleiterin Annegret Dickhoff über die breite Beteiligung. 

Alle Kliniken im Projekt KLIK green zeichnen sich durch Vielfalt aus: Das Netzwerk bringt Klinikbeschäftigte aus den Bereichen Pflege, Ärzteschaft, Technik, Verwaltung und Küche ins Gespräch miteinander. Berufliche Hintergründe variieren ebenso wie die vertretenen Hierarchieebenen, die im Projekt auf Augenhöhe nachhaltige Lösungen entwickeln. Zugleich liegt der Frauenanteil unter den Klimamanager*innen bei über 30 Prozent. 

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  • Hintergrund: KLIK green bilanziert reduziertes CO2 in CO2-Äquivalenten, um beispielweise die Klimawirkung von Narkosegasen wie Desfluran, Sevofluran und Isofluran vergleichbar zu machen. Narkosegase verursachen rund 35 Prozent aller Emissionen einer Klinik. Sevofluran übersteigt die Treibhauswirkung von CO2 um das 130-Fache, Desfluran sogar um das 2.540-Fache. CO2-Äquivalente (CO2äq) sind eine Maßeinheit, um die unterschiedlich starken Auswirkungen von Treibhausgasen auf das Klima miteinander vergleichbar zu machen, sodass sie zusammengefasst und analysiert werden können. CO2äq geben an, wie viel Mal stärker ein einzelnes Treibhausgas in den nächsten 100 Jahren im Vergleich zur Wirkung von CO2 zur globalen Erwärmung beiträgt. Methan wirkt beispielsweise 25-fach im Verhältnis zu CO2. Das bedeutet: Ein Kilogramm Methan trägt 25-mal so viel zum Treibhauseffekt bei wie ein Kilogramm CO2. www.klik-krankenhaus.de
  • Der BUND Berlin arbeitet seit 20 Jahren bundesweit mit Kliniken zusammen, um ihr Engagement für den Klimaschutz zu stärken. KLIK green ist die erfolgreiche Fortsetzung des Projektes "KLIK – Klimamanager für Kliniken" das mit 50 Krankenhäusern und Reha-Kliniken 34.500 Tonnen CO2-Äquivalente vermeiden konnte und zudem neun Millionen Euro Energiekosten einsparte. KLIK green begleitet nicht nur ein weitaus größeres Netzwerk von Kliniken, sondern unterstützt auch Maßnahmen über den Bereich Energieeffizienz hinaus. Der BUND Berlin nutzt seine langjährige Erfahrung für die Qualifizierung von Klinikbeschäftigten zu Klimamanager*innen und berät sie bei der Umsetzung von praktischem Klimaschutz sowie bei der Festlegung von Klimazielen. Zudem übernimmt der BUND Berlin die Bilanzierung der CO2-Äquivalente-Reduzierung, stellt Informationen zu relevanten Fördermitteln zur Verfügung und fördert sowohl die interne als auch die externe Klimaschutzkommunikation der teilnehmenden Einrichtungen.
  • Einige Kliniken stechen bereits als Best-Practice Leuchttürme für regionalen Klimaschutz hervor und finden bundesweit Beachtung als Vorbilder für Klimaschutz im Gesundheitswesen:

    • Die Sophienklinik Hannover führte im Rahmen der Projektteilnahme einen Veggie-Tag ein. 
    • Die Reha-Klinik Fallingbostel engagiert sich im besonderen Maße für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. 
    • Das Evangelische Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Hamburg setzt eine Fachärztin für Anästhesie als Klimamanagerin ein, um CO2-Äquivalente im OP zu reduzieren.
    • Das Klinikum St. Georg gilt als grünste Klinik in Leipzig. 
    • Das Universitätsklinikum Bonn verbreitet die Bedeutung von Klimaschutz im Krankenhaus in interdisziplinären Netzwerken aus Forschung, Lehre und Innovation. 
    • Das Krankenhaus St. Joseph-Stift in Bremen setzt auf regionale Produkte.
    • Das Krankenhaus Salem in Heidelberg motiviert Mitarbeiter*innen zu gesunder und klimafreundlicher Mobilität.

  • Das Projekt KLIK green wird vom Bundesumweltministerium aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. 
  • Kontakt: Annegret Dickhoff, Tel. (030) 78 79 00 21; Mobil: 01 77 / 7 87 90 05; dickhoff(at)bund-berlin.de oder info(at)klik-krankenhaus.de sowie BUND-Pressestelle (Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel. (030) 2 75 86-425 / -531 / -497 / -464, presse(at)bund.net

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