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Agrarökologie ist die Alternative

03. Juli 2017 | Landwirtschaft, Massentierhaltung

Die G20 müssen eine ökologisch sinnvolle Landwirtschaft fördern, um langfristig die Ernährungsgrundlagen im Zeitalter von Wassermangel und Klimakrise zu sichern. Dafür ist eine andere politische Ausrichtung notwendig, erklärt die BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz.

Kleinbäuerliche Betriebe müssen gezielt gefördert und vor Billigimporten geschützt werden  (Agence Producteurs Locaux Damien Kühn / unsplash.com)

Noch in diesem Jahrhundert rechnen Wissenschaftler*innen mit einem Anstieg der Weltbe­völke­rung auf knapp zehn Milliarden Menschen.

Etwa zwei Milliarden leben schon heute in Ländern, in denen Süßwas­sermangel droht. Was die Weltge­meinschaft im Zeitalter von Klimawandel und Ressourcenknapp­heit vor große Herausforderungen stellt, ruft vor allem die zwanzig reichsten Wirtschaftsmächte in die Pflicht, Konzepte für eine zukunftsfähige und nachhaltige Agrarpolitik auf den Weg zu bringen.

Denn ihre hochindustrialisierten und auf Wachstum ausgelegten Landwirt­schafts­mo­delle verbrauchen nicht nur den Löwenanteil der Ressourcen. Sie bedrohen auch die Existenzen bäuerlicher Betriebe weltweit, insbesondere in Ländern des Globalen Südens. Die Intensivierung der Tierhaltung führt zu einem extrem hohen Antibiotikaeinsatz, weil sie die Tiere krank macht.

Die bisherigen Initiativen der G20-Agrarminister*innen greifen nach Ansicht des BUND jedoch größtenteils zu kurz: Als Vorsitzende des G20-Gipfels in Hamburg muss sich Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt dafür einsetzen, dass landwirtschaftliche Produktionssysteme grundsätzlich trans­­formiert werden. Existenzen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen müssen weltweit geschützt werden, damit sie auch weiterhin die Ernährungsgrundlage für Millionen von Menschen sichern können. Vor allem in Asien und in den Ländern südlich der Sahara versorgen sie die Bevölkerung mit 80 Prozent der Nahrungsmittel. Mit dem Konzept der Agrarökologie haben Landwirt*innen einen überzeugenden Gegenentwurf zur industriellen Landwirtschaft geschaffen, der jetzt gezielt von den G20-Ländern gefördert und ausgebaut werden muss.

Bäuerliche Existenzen schüt­zen – Ernährungs­souverä­nität stärken

Für die G20-Agrarminister*innen spielt die Digitalisierung der Landwirtschaft eine entscheidende Rolle im Umgang mit immer knapper werdenden Rohstoffen. Sie ermögliche es, so die Minister*innen bei ihrem Treffen im Januar, die Produktivität zu steigern und dabei Ressourcen sowohl effizient als auch umweltschonend zu nutzen. Das Ziel sei nun, "ländliche Räume besser zu erschließen" und die Bedürfnisse der Landwirtschaft im Bereich Digitalisierung "angemessen zu berücksichtigen". Auch wenn die Digitalisierung einen Beitrag dazu leisten kann Ressourcen zu schonen, birgt sie für Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Globalen Süden aus Sicht des BUND jedoch große Gefahren: Sie verfügen nicht über das notwendige Kapital, um bei solchen Umbaumaßnahmen mithalten zu können. "Digitalisiere oder weiche" könnte es in Zukunft heißen und der Agrarstrukturwandel dadurch weiter befeuert werden.

Anstatt die Digitalisierung der Landwirtschaft zu fördern, sollten die G20 daher gezielt die Ernähr­ungs­souveränität von Bäuerinnen und Bauern stärken und sie vor Billigimporten schützen. Der Export billiger Produkte in ihre Länder, besonders aus stark subventionierter Landwirtschaft, zwingt sie, mit niedrigen Preisen zu konkurrieren. Ist ihr Zugang zu Land gesichert, können sie mit lokal angepassten Methoden Felder bewirtschaften. Dafür eignen sich agrarökologische Modelle nicht nur, weil sie Produzent*innen durch soziale Initiativen wie das Recht auf Saatgut oder faire Preise sichern. Mit diesem System der behutsamen Intensi­vie­rung bleibt auch die Bodenfruchtbarkeit erhalten und Landwirte können so langfristig stabile Erträge erwirtschaften.

Zugang zu Süßwas­ser mit agrarökologischen Systemen sichern

Neben der Digitalisierung der Landwirtschaft verständigten sich die G20-Minister*innen auch auf einen Aktionsplan zum nachhaltigen Umgang mit Wasser. Da die Landwirtschaft 70 Prozent der Wasservorkommen verbraucht, ist der Ansatz der G20 in der Landwirtschaft mit einem globalen Plan gegen die Wasserknappheit anzusetzen zunächst folgerichtig. Allerdings wird hier das Grundproblem erneut nicht gelöst: Agrarsysteme nutzen Wasser unterschiedlich effizient. Die industrielle Landwirtschaft verbraucht besonders viel Wasser.

Tatsächlich frisst der Anbau von wasserintensiven Hochertragssorten unter hohem Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden den Großteil der Wasservorkommen. Wer diese für die Zukunft sichern will, darf also nicht weiter auf die Intensivierung der Landwirtschaft setzen, sondern muss Anbausysteme subventionieren, die Ressourcen sparen. Agrarökologie stellt auch hier eine nachhaltige Alternative dar: Angepasst an lokale Ökosysteme spart sie Ressourcen und gewährleistet langfristig hohe Erträge.

Wird die Wassermenge anhand der verwendeten Literzahl pro Ertrag gemessen, hält sich der Spar­effekt agrarökologischer Anbausysteme zwar auf den ersten Blick in Grenzen. Doch solche Bemessungsmethoden kalkulieren nicht den qualitativen, also den verschlechternden Einfluss von Pestiziden und Düngemitteln auf das Wasser ein. Hier schneidet die Agrarökologie als Anbauweise deutlich besser ab. Agrarökologie sichert somit nicht nur die Existenzen bäuerlicher Betriebe und stellt die nachhaltige Versorgung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln sicher, sondern schützt auch die Böden und das Wasser und somit die Lebensgrundlagen der Menschen.

Umbau der Tierhaltung notwendig – Tierge­rechtere Haltungsformen fördern

Abgesehen von agrarökologischen Aspekten braucht es auch einen Umbau der Tierhaltung, die in den vergangenen Jahren ebenfalls stark intensiviert wurde. Immer mehr Tiere werden auf zu wenig Raum gehalten – und dies ist nur unter Einsatz großer Mengen von Antibiotika möglich. Die Tierzucht und Produktion sind auf Höchstleistung ausgelegt und machen die Tiere anfälliger für Krankheiten, nicht zuletzt werden Antibiotika auch noch in einigen Ländern als Wachstumsförderer bei Tieren eingesetzt.Die Intensivierung hat dazu geführt, dass heute mehr Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden als zur Behandlung menschlicher Krankheiten. 

Der BUND begrüßt daher, dass die G20 einen globalen Aktionsplan gegen Antibioresistenzen entwickelt haben, der vorsieht, den Antibiotikaeinsatz als Wachstumsförderer weltweit zu verbieten. Denn bislang sind Antibiotika in einigen Ländern noch ohne Rezept erhältlich. Doch die Maßnahmen greift noch viel zu kurz. Die hohe Antibiotikagabe im Stall erhöht das Risiko resistenter Keime. Die Länder der G20 stehen hier in der Verantwortung, mit der Förderung der Weidehaltung und anderer tiergerechterer Haltungsformen dafür zu sorgen, dass grundsätzlich weniger Tiere krank werden und Antibiotika benötigen. Sogenannte Reserveantibiotika, die laut Weltgesundheitsorganisation besonders wichtig für die Therapie beim Menschen sind, müssen ebenfalls unverzüglich in der Tierhaltung verboten werden.

Mehr Informationen

Informationen und Rückfragen bei:
Katrin Wenz
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Agrarpolitik
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
Tel. (030) 2 75 86- 549
katrin.wenz(at)bund.net

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