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Wald und Land bald ganz in Investorenhand – Ausverkauf des Tafelsilbers

02. Februar 2017 | Grünes Band, Naturschutz, Lebensräume, Wälder

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ist sehr enttäuscht über den Verkauf des kommunalen Bürgerholzes in Salzwedel an einen Privatinvestor. Der Ausverkauf des Tafelsilbers erreicht eine neue Dimension. Die Gemeinwohlinteressen scheinen für die öffentliche Hand völlig ohne Belang.

Der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger, zeigt sich maßlos enttäuscht und erschrocken über die Entscheidung des Stadtrates von Salzwedel, das 400 Hektar große Bürgerholz am Grünen Band nun doch an einen Privatinvestor zu veräußern: "Hier wird gegen das Interesse der Bürgerinnen und Bürger Salzwedels entschieden. Bei finanziell mindestens gleichwertigen Geboten hat für die öffentliche Hand immer das Gemeinwohl den Ausschlag zu geben. Dies sei hier nicht der Fall."

Seit vor gut zehn Tagen bekannt geworden ist, dass die Stadt das Bürgerholz sehr kurzfristig zu einem deutlich geringeren Preis als ursprünglich vorgesehen an einen Privatinvestor verkaufen will, hat der BUND alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ein mindestens gleichwertiges Angebot abgeben zu können. Für einen gemeinnützigen Verband, der sich maßgeblich aus Spendenmitteln finanziert, ist das Mobilisieren eines Betrags von deutlich über 2 Millionen Euro innerhalb dieser Zeit ein beispielloser Kraftakt. "Wir haben der Stadt ein finanziell attraktives Angebot gemacht, das zudem das Bürgerholz für die Naherholung der Salzwedeler Bevölkerung und den Naturschutz gesichert hätte. Doch das Angebot wurde von der Stadt abgeschmettert. Die Entscheidung der Stadt ist eine klare Absage ans Gemeinwohl", so Weiger.

Der BUND hatte in Kooperation mit der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt noch kurz vor der entscheidenden Stadtratssitzung gestern Abend ein konkretes Kaufangebot unterbreitet.

Ernüchtert zeigt sich der BUND auch über die Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Die habe entgegen wiederholter Ankündigungen keine entscheidenden Schritte unternommen, die Flächen des Stadtforstes für den Naturschutz zu sichern. "Wenn dieses Beispiel weiter Schule macht, werden sich finanzstarke Investoren weiter alles unter den Nagel reißen, dass irgendwie gewinnversprechend ist. Wir fragen uns, wer – wenn nicht die öffentliche Hand – dem so genannten Landgrabbing mitten in Deutschland Einhalt gebieten soll. Waren bisher insbesondere landwirtschaftliche Flächen betroffen sind nun auch die Wälder verstärkt in den Fokus der Investoren gerückt" so Weiger.

Hintergrund

Das 400 ha große Bürgerholz stellt zusammen mit der 1.100 ha großen Buchhorst, die zusammen den Stadtforst Salzwedel bilden, einen der wertvollsten Feuchtwälder in ganz Deutschland dar. Durch die jahrzehntelange Abgeschiedenheit im Schatten der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Grünen Band konnten hier eine Vielzahl geschützter und seltener Tier- und Pflanzenarten ansiedeln. Viele bundesweit bedrohte Arten haben hier eine letzte Zufluchtsstätte gefunden, darunter z.B. Fledermäuse, Großvögel (wie Kranich, Schwarzstorch), Tagfalter, Amphibien und Libellen sowie Fischotter. Die Wälder stellen einen der wertvollsten Bereiche am Grünen Band dar und sind deshalb von bundesweiter Bedeutung.

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