Internationaler Tag der Wälder: BUND fordert mehr Waldwildnis in Deutschland und einen Einschlagsstopp für alte Laubwälder

19. März 2021 | Wälder, Naturschutz

Berlin. Zum internationalen Tag der Wälder am kommenden Sonntag fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), mehr heimische Wälder als Naturwälder unter strengen Schutz zu stellen. Auf mindestens zehn Prozent der Waldfläche in Deutschland muss es wieder Wälder geben, in denen kein Baum mehr gefällt wird. Die natürlichen Wälder der Erde schwinden in rasantem Tempo, weltweit sind über eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Durch die Corona-Krise ziehen sich die Verhandlungen über das neue globale UN-Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt hin. Deutschland hat sich der Initiative vieler Staaten angeschlossen, bis 2030 weltweit 30 Prozent der Landesfläche unter Schutz zu stellen. Zehn Prozent sollen streng geschützt werden.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "Wälder sind ökologische Schatzkammern, Kulturgut und Sehnsuchtsort für Jung und Alt. Ich appelliere an die Bundesregierung, sie mit aller Kraft zu schützen. Daher wünsche ich mir wirksamen Einsatz für den Erhalt von Regenwäldern und mit derselben Kraft die Ausweisung und den Schutz eigener Naturwälder im unserem Land. Weniger als drei Prozent der Wälder in Deutschland dürfen sich derzeit frei von menschlichen Eingriffen entwickeln. Deutschland steht damit im internationalen Vergleich schlecht dar. Die Bundesregierung hat auch ihr selbst gestecktes Ziel verfehlt, bis 2020 fünf Prozent des Waldes dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu entlassen."

In einigen Bundesländern gibt es erkennbare Fortschritte beim dauerhaften Schutz von Naturwäldern. Bei der Ausweisung von Naturwäldern und dem Schutz von alten Buchenwäldern kommt den Bundesländern eine besondere Aufgabe zu. Bandt: "Insbesondere die Länder müssen in den wenigen noch verbliebenen großflächigen Laubmischwäldern endlich dauerhaft auch große zusammenhängende Waldgebiete unter Schutz stellen. Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Programm zur Sicherung von Naturwäldern auf den Weg zu bringen, in das Bund, Länder und Kommunen einbezogen werden." Private Waldbesitzende, die ihre Wälder dauerhaft als Naturwälder ausweisen wollen, sollen hierfür finanziellen Ausgleich in Form einer Einmalzahlung erhalten können. Hierfür soll die Bundesregierung einen Waldnaturschutzfonds auflegen.

Der BUND fordert zudem einen sofortigen Einschlagstopp für 100 Jahre alte Laubwälder in öffentlicher Hand. In Zeiten von Klimakrise und Waldsterben gilt es, ältere Laubwälder wie Schatzkammern und Denkmäler besonders zu schützen und sie nicht durch Zerstörung der schützenden Laubdächer noch stärker Hitze und Trockenheit preiszugeben. Denn selbst in ökologisch wertvollen, älteren Laubwäldern finden mancherorts massive Fällungen von Bäumen statt. Noch immer sind zudem zu wenig alte Laubwälder unter strengen Schutz gestellt. Dies gilt insbesondere für die heimischen Rotbuchenwälder, für deren Erhalt Deutschland als Hauptverbreitungsgebiet international eine besondere Verantwortung trägt.

Hintergrund

Nach Auffassung des BUND müssen mindestens zehn Prozent der Wälder dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Denn eine intakte Waldwildnis ist ein essentieller Baustein für den Schutz der biologischen Vielfalt. Viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die auf die Alters- und Zerfallsphasen der Bäume und eine natürliche Dynamik im Wald angewiesen sind, sind hierzulande stark gefährdet. Denn ihr Schutz schließt eine forstliche Nutzung aus – Waldwildnis ist wichtig für die biologische Vielfalt. Weißrückenspecht, Eremit oder Igel-Stachelbart haben nur dann eine Chance, wenn sich die Wälder auf großer Fläche wieder frei entwickeln können.

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