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"Gemischte Kiste" bei den Nordsee-Fangquoten: BUND warnt vor einer Nordsee ohne Kabeljau – Wachsende Solidarität zur Rettung des Herings macht Hoffnung

14. Dezember 2021 | Meere, Lebensräume

Berlin/Brüssel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) blickt mit gemischten Gefühlen auf die Ergebnisse der EU-Verhandlungen über die Nordsee-Fangquoten. Es bleibt wieder einmal bei viel zu hohen Quoten. Überfischung bedroht die Bestände dramatisch. Auch die diesjährigen Beschlüsse gehen mit viel zu hohen Fangquoten erneut zu Lasten der Umwelt.

"Die Fischbestände in der Nordsee sind in einem sehr schlechten Zustand. Die heutige Entscheidung wird das nicht ändern. Fisch ist ein Allgemeingut und die andauernde Überfischung vieler Bestände ist spätestens seit 2020 rechtswidrig. Die Überfischung muss jetzt endlich beendet werden", fordert Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender.

Mehr als zwei Monate verhandelten die Fischereiminister*innen der EU, des Vereinigten Königreichs und Norwegens über mehr als 150 Fangquoten für die Fischbestände im Nordostatlantik und damit auch für die Nordsee. Vor allem in der Nordsee teilen sich die drei Parteien wichtige Fischbestände, wie Kabeljau, Hering, Scholle und Seelachs. 

Besonders betroffen von den zu hohen Fangquoten ist auch bei den diesjährigen Beschlüssen der Kabeljau in der Nordsee. Durch die andauernde Überfischung ist der Bestand weit außerhalb sicherer biologischer Grenzen. Dennoch wurden die Fangquoten Jahr für Jahr oberhalb der wissenschaftlichen Empfehlungen festgelegt. Das wird sich auch für 2022 nicht ändern: Die Fangquote für den Bestand in der Nordsee liegt 11,5 Prozent über der wissenschaftlichen Empfehlung, das sind 1635 Tonnen zu viel. Der empfohlene Fangstopp für den Kabeljau Bestand im Kattegat wurde ignoriert.

Bandt: "Während die Klima- und Biodiversitätskrise in vollem Gange sind, wird auf historischen Besitzansprüchen beharrt. Stattdessen müssten aber Lösungen her, um die Fischerei zukunftsfähig zu gestalten. Es reicht nicht mehr, nur noch auf die Fangquoten zu schauen. Alle Fischereiaktivitäten und Fangmethoden müssen einer Umweltprüfung unterzogen werden, die auch die Auswirkungen auf das Klima einbezieht. Die wenigen Fangquoten, die noch bleiben, müssen den Fischereibetrieben vorbehalten sein, die die höchsten ökologischen Standards befolgen. Schädliche Subventionen, die zerstörerische und unwirtschaftliche Fischerei künstlich am Leben halten, müssen endlich verboten werden." Von der neuen Regierung fordert Bandt: "Die neue Bundesregierung muss den Systemwechsel in der Fischerei mutig und zügig vorantreiben, sonst wird es für viele Fischbestände wie den Kabeljau zu spät sein."

Hoffnung macht die wachsende Solidarität zur Rettung des Ostsee-Herings. Im Skagerrak mischen sich jedes Jahr Heringe aus Nord- und Ostsee und landen so im selben Netz. Während es dem Nordsee-Hering vergleichsweise gut geht, ist der Bestand im westlichen Teil der Ostsee kollabiert. Die gezielte Heringsfischerei in der Ostsee wurde eingestellt. Jahrelang wurde dieses Problem in den Nordsee-Verhandlungen ignoriert. Doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden, vor allem durch Druck aus Deutschland: Im Skagerrak wurde die Fangquote für Hering drastisch reduziert, um den Ostsee-Hering zu schonen. 

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