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Der Umwelt zu Liebe: Power-to-X klare Grenzen setzen

06. September 2019 | Energiewende, Klimawandel, Kohle, Mobilität, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Suffizienz

Kopernikus-Projekt zur flexiblen Nutzung erneuerbarer Ressourcen stellt Ergebnisse vor

++Gemeinsame Pressemitteilung vom 06. September 2019++

Berlin. Bei der Erforschung sogenannter Power-to-X-Technologien werden Umweltbelange bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Das bemängeln der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der WWF Deutschland anlässlich der Veröffentlichung des Endberichts der ersten dreijährigen Projektphase des Kopernikus-Projektes Power-to-X, an dem sich die beiden Umweltverbände beteiligt haben.

Bei Power-to-X-Technologien (PtX) soll erneuerbarer Strom dafür genutzt werden, synthetische Kraft- und Brennstoffe sowie chemische Grundstoffe herzustellen. Allerdings sei PtX damit kein klimafreundliches Allheilmittel, da für die Produktion viel Energie aufgewendet werden muss, so BUND und WWF. Es dürfe daher nur begrenzt Anwendung finden, wo Alternativen wie eine direkte Elektrifizierung nicht oder nur schwer umsetzbar sind. Beispiele können Flugverkehr oder Teile des Schiffsverkehrs sein. Bei Autos und Bussen beispielsweise sei eine direkte Elektrifizierung besser.

Grundsätzlich passt die Debatte über den Einsatz von PtX noch nicht mit den Anforderungen aus Klimaschutzsicht überein, kritisieren die Umweltverbände. Das Projekt müsse einen größeren Fokus auf die Frage legen, wie PtX-Kraftstoffe zu dem Ziel des Pariser Klimaabkommens beitragen, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das setzt eine Dekarbonisierung in Europa bis weit vor 2050 voraus. Damit stellt sich einerseits die Frage nach ausreichenden erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten und welcher Anteil davon für die Herstellung von PtX-Stoffen verwendet werden kann.

"Aktuell blockiert die Bundesregierung den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. So ist etwa der Zubau von Windkraft im ersten Halbjahr 2019 um mehr als 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen", sagt Erika Bellmann vom WWF. "Um überhaupt nachhaltige, synthetische Kraft- und Brennstoffe produzieren zu können und langfristig auch die Chemieindustrie auf eine klimafreundliche Rohstoffbasis umzustellen, muss die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien endlich entschieden vorantreiben."

Andererseits brauchen auf erneuerbaren Energien basierende Energiesysteme Speicher- und Kopplungstechnologien, um Leistungsschwankungen ausgleichen zu können. Systemdienlich betriebene PtX-Anlagen könnten dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Dieser grundlegende Vorteil wird im Projektbericht unvollständig dargestellt, kritisieren die Umweltverbände.

"In den nächsten Projektphasen muss darüber hinaus ein Vergleich mit alternativen Technologien zu PtX einbezogen werden", so Caroline Gebauer, Energieexpertin beim BUND. "Bisher wurde zum Beispiel kein Vergleich zu E-Autos unternommen, die einen wesentlich niedrigeren Energieverbrauch haben und damit auch für das Energiesystem insgesamt eine niedrigere Nachfrage bedeuten würden." Der mangelnde Vergleich mit anderen Technologien werde auch daran deutlich, dass einer der kritikwürdigsten Projektteile in der zweiten Projektphase in ein eigenes Förderprojekt ausgegliedert und so dem zivilgesellschaftlichen Diskurs entzogen wurde. Darin geht es um die Entwicklung von besonders ineffizienten Diesel-Ersatzkraftstoffen namens OME (Oxymethylenether) ausgerechnet für die Beimischung in konventionellen, fossilen PKW-Diesel.

"Aus unserer Sicht ist das volle Potenzial des Kopernikus-Projektes bislang nicht genutzt worden", so die Umweltverbände. Die Ergebnisse zeigten, dass die zivilgesellschaftliche Sicht und die sozio-ökonomische Forschung gegenüber der naturwissenschaftlich-ingenieurtechnischen Sicht deutlich unterrepräsentiert seien.

In den Kopernikus-Projekten arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen für die Energie der Zukunft, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. BUND und WWF sind als Vertreter der Zivilgesellschaft daran beteiligt.

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