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Handbuch Biotopverbund: Vom Konzept bis zur Schaffung einer Grünen Infrastruktur

Die Zerschneidung und Verinselung von Lebensräumen gehören zu den größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt. Neben Straßen und Siedlungen trennen monotone und ausgeräumte Agrarflächen die Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Um diesen Gefahren entgegen zu wirken, ist die Schaffung einer grünen Infrastruktur eine der wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes.

Luftbild vom Grünen Band zwischen Thüringen und Hessen. Foto: Klaus Leidorf Das Grüne Band ist ein Beispiel dafür, dass die Umsetzung des länderübergreifenden Biotopverbunds vor Ort möglich ist.  (Klaus Leidorf)

Grüne Infrastruktur konkret – Leitfaden zur praktischen Umsetzung des länderübergreifenden Biotopverbunds

Aktuell sammeln wir positive und repräsentative Erfahrungen unterschiedlicher Verbundprojekte, werten diese aus und bereiten sie als Praxisbeispiele auf. Fachliche und rechtliche Hintergründe, wesentliche Konfliktlösungsstrategien sowie praktische Methodenkompetenz für die Umsetzung des länderübergreifenden Biotopverbunds können dann Regional­planer*innen, Behörden und Natur­schutz­interessierten als Handreichung dienen. Das Handbuch soll im 3. Quartal 2017 veröffentlicht werden.

Jede und Jeder kann mithelfen

Wir sind stets auf der Suche nach positiven Beispielen. Bitte schreiben Sie uns, wenn Ihnen lokale Verbundprojekte bekannt sind!

Wieso, Weshalb, Warum?

Isolierte Bestände einer Art reagieren besonders sensibel auf Zufallsereignisse wie Krankheiten oder Wetterextreme. Hinzu kommt die Gefahr durch Inzucht und genetische Verarmung. Stirbt die Art lokal aus, kann der Lebensraum häufig nicht wiederbesiedelt werden. Die Art bleibt dort dauerhaft ausgelöscht. Vor allem Arten mit hohem Spezialisierungsgrad und enger Bindung an bestimmte Lebensräume wird die Wiederausbreitung erschwert. Besonders zum Tragen kommt dies vor dem Hintergrund des Klimawandels und den zu erwartenden klimatischen Verschiebungen und Veränderungen der Lebensräume.

Das Konzept Biotopverbund

Grüner Korridor aus der Luft; Foto: Thomas Stephan / BUND Teil des Nationalpark Hainich (Sukzessionsfläche) – wertvoller Kernlebensraum für den Biotopverbund.  (Thomas Stephan / BUND)

Ziel des Biotopverbundes ist es, die funktionalen ökologischen Wechselbeziehungen in der Landschaft zu bewahren, wiederherzustellen und zu entwickeln. Das Rückgrat des Biotopverbunds sind die Reste natürlicher Flächen, wie sie in Nationalparks, Kerngebieten von Biosphärenreservaten, Naturschutzgebieten oder Natura-2000-Gebieten zu finden sind.

Bedingt durch Anzahl, Größe und Verteilung der Schutzgebiete können in diesen jedoch lediglich 30 bis 40 Prozent der heimischen Arten erhalten werden. Um einem Großteil der heimischen Fauna und Flora das Überleben zu ermöglichen, spielt daher auch die Qualität der Landschaft außerhalb von Schutzgebieten eine entscheidende Rolle. Da diese aber für viele Arten nicht selten eine lebensfeindliche Umgebung darstellt, sollen Verbundelemente die Landschaft durchlässiger machen. Korridore und Trittsteine sollen einen Austausch zwischen Populationen der Kernbereiche sowie Wanderungs-, Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse gewährleisten.

Lokale Schwierigkeiten und Herausforderungen der Umsetzung

Eine wesentliche Hürde zur Realisierung des Biotopverbunds ist der hohe Flächendruck durch Land- und Energiewirtschaft sowie Siedlungs- oder Verkehrswegebau. Viele Regionen sind geprägt von einer besonders intensiven land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung mit sehr heterogener und vielerorts mosaikartiger Besitzstruktur. In einer solchen gewachsenen Kulturlandschaft ist die Flächenverfügbarkeit gering, die "Konkurrenz" groß und der Bodenpreis hoch. Auch die Vielzahl an Beteiligten stellt Naturschützer*innen bereits im Zuge der Flächenakquise vor große Herausforderungen. Je weiträumiger der angestrebte Biotopverbund, desto komplexer das Gefüge unterschiedlicher Akteur*innen und der fachlichen Anforderungen.

Die konkrete Umsetzung kann nur auf lokaler Ebene geschehen. Fehlendes Wissen über mögliche Maßnahmen, Finanzierungsoptionen und nötige Arbeitsschritte hemmen hier die Erfolge. Naturschutzfachliche Anforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen sind oft nur Fachleuten bekannt. Auch ist es notwendig, lokale Möglichkeiten verständlich und transparent zu kommunizieren. So können Bürger*innen den Schutz der Natur stärker als eigene Handlungsoption begreifen.

Aus Erfahrungen lernen

Es gibt Beispiele die belegen, dass die Umsetzung des länderübergreifenden Biotopverbunds vor Ort möglich ist. So konnte das Grüne Band mit seiner 1.393 Kilometer langen Biotopkette zu Deutschlands größtem Biotopverbundsystem entwickelt werden. Der BUND hat die Einzigartigkeit dieses Naturraums früh erkannt und engagiert sich seit Jahrzenten für seine Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung. Die große Variabilität an Lebensräumen erfordert jeweils angepasste Lösungsansätze. In vielen Regionen Deutschlands arbeiten haupt- und ehrenamtliche Naturfreund*innen daran, dieses einzigartige Refugium zu erhalten und Pflanzen und Tieren wieder mehr Raum zu geben.

Wildkatze wandert durch den Wald; Foto: Thomas Stephan / BUND Wildkatze wandert durch den Wald  (Thomas Stephan / BUND)

Ein weiteres Beispiel ist das Rettungsnetz Wild­katze, in dem seit 2004 in 10 Bundeslän­dern erfolgreich Flächen entlang des "Wild­katzen­wege­plans" für den Waldverbund gesichert und in Korridore oder Trittsteine umgestaltet werden.

Auch im Projekt Biotopverbund Günztal werden im Rahmen des "BayernNetz Natur" unter Beteiligung zahlreicher Akteure Biotop­verbund­strukturen umgesetzt. Von dem praktischen Umsetzungswissen dieser und weiterer Projekte sollen auch Andere profitieren. Die bereits erzielten Erfolge können als Blaupause für neu zu schaffenden Biotopverbund vermittelt werden. Hier möchte das vom BUND geplante Handbuch ansetzen.

Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und Bundesamt für Naturschutz Das Projekt wird gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Natur, Bau und Reaktorsicherheit.

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