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Stickoxide, Dieselgate und Dobrindt

In Stuttgart sind Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geplant, Parteien rufen zum Autofasten auf und das Umweltbundesamt schlägt Alarm. Die Luftverschmutzung durch Stickoxide (NOx) ist eine Gefahr für unsere Gesundheit. Und spätestens seit dem Bekanntwerden des Abgasskandal weiß die Bundesregierung, dass selbst neueste Dieselautos meist große Mengen giftiger Stickoxide in die Luft blasen.

Der BUND fordert

  • Bundesverkehrsminister Dobrindt muss Konsequenzen aus "Dieselgate" und schlechter Luft in unseren Städten ziehen und den Verkauf zu viel Stickoxid ausstoßender Diesel-Neuwagen stoppen!
  • Gesundheitsgefahr Stickoxide

    Stickoxide verursachen schwere Atemwegserkrankungen wie Asthma, belasten unser Herz-Kreislauf-System und führen allein in Deutschland jedes Jahr zu etwa 10.600 vorzeitigen Todesfällen. Laut Umweltbundesamt haben im vergangenen Jahr rund 57 Prozent der verkehrsnahen Messstationen in Städten den Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten. Das muss sich ändern!

    Dieselfahrzeuge sind die Hauptquelle für Stickoxide in unseren Städten. Daher gibt es seit 2010 EU-weite Grenzwerte. Die meisten der neuesten Modelle erfüllen im "Realbetrieb" nicht einmal ansatzweise diese gesetzlichen Grenzwerte. Wenn aber selbst fabrikneue Euro-6-Diesel-Pkw ihre NOx-Grenzwerte nicht auf der Straße, sondern nur auf dem Prüfstand im Labor einhalten, gehen die NO2-Konzentrationen in den Städten auch zukünftig nur sehr langsam zurück. 

    Der BUND fordert Bundesverkehrsminister Dobrindt daher auf, Konsequenzen aus dem Abgaskandal zu ziehen. Er muss veranlassen, dass nur noch Diesel-Pkw, die die Abgaswerte sicher einnehmen dürfen, auf den deutschen Markt kommen dürfen.

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    Was sind Stickoxide?

    "Stickoxide" ist ein Sammelbegriff für verschiedene gasförmige Verbindungen, die aus Stickstoffatomen (N) und Sauerstoffatomen (O) aufgebaut sind. Meist werden nur die beiden wichtigsten Verbindungen, Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2), aufgeführt.

    Einer der Hauptverursacher von Stickoxiden (NOx) ist der Verkehr, aber auch andere Emittenten wie Baumaschinen, die Energiewirtschaft und Verbrennungsprozesse in Industrie und Gewerbe tragen je nach Region zum Teil stark zur Belastung bei.

    Welche Gefahren gehen von Stickoxiden aus?

    Stickoxide schädigen Menschen, Tiere, die Vegetation und das Klima. Für die menschliche Gesundheit besonders relevant ist Stickstoffdioxid (NO2). Dieses wird über die Atemluft aufgenommen und gelangt tief in die Lungen. Dort beeinträchtigt es die Lungenfunktion, führt zu Reizungen der Schleimhäute oder Infektionen. Ist man längerfristig übermäßigen Stickstoffdioxidkonzentrationen ausgesetzt, kann dies zu chronischem Husten, Bronchitis und Asthma führen. Studien haben auch festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen hohen NO2-Konzentrationen und einer überdurchschnittlichen Gesamtsterblichkeit oder der Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen gibt.

    Die Vegetation reagiert ebenfalls sensibel auf veränderte Stickoxidkonzentrationen. So wachsen Pflanzen schlechter, Nutzpflanzen haben in der Folge geringere Erträge. Ebenso trägt NO2 zur Versauerung des Bodens (saurer Regen) bei, was zu einer Schädigung der in im Erdreich wurzelnden Pflanzen führt.

    Stickstoffdioxid spielt auch eine wichtige Rolle bei der Bildung bodennahen Ozons. Insbesondere in den Sommermonaten (Sommersmog) reagieren NO2 und der Luftsauerstoff durch die Sonnenstrahlung zu Ozon (O3) und Stickstoffmonoxid (NO). Im Gegensatz zu Ozon in hohen Luftschichten, wo es schädliche UV-Strahlung zurückhält, hat bodennahes Ozon direkte negative Auswirkungen auf Menschen und Umwelt. Es reizt die Atemwege und Schleimhäute und beeinträchtigt die Lungenfunktion. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von jährlich rund 21.000 vorzeitigen Todesfällen in Europa aufgrund hoher Ozonbelastungen aus.

    Bodennahes Ozon hat auch eine nachgewiesene Klimawirksamkeit. Mittlerweile geht man davon aus, dass es nach CO2 und Methan das drittwichtigste, menschengemachte Treibhausgas ist. Da bodennahes Ozon zum großen Teil photochemisch aus Stickstoffdioxid entsteht, hat es somit auch aus Klimaschutzgründen eine wichtige Bedeutung.

    Wie steht es um die Stickoxidbelastung in Deutschland?

    Der Gesamtausstoß an Stickoxiden ist in den letzten 25 Jahren in Deutschland tatsächlich kontinuierlich gesunken. Wurden 1990 noch fast 2,9 Millionen Tonnen Stickstoffdioxid ausgestoßen, waren es 2011 nur noch rund 1,3 Mio. Tonnen. In diesem Zeitraum konnten alle NO2-Quellen ihre Emissionen reduzieren, absolut betrachtet der Verkehr am meisten. Jedoch hat er nach wie vor den mit Abstand höchsten Anteil an den Gesamtemissionen (ca. 42 Prozent).

    Entgegen dieses Trends haben sich jedoch die NO2-Jahresmittelwerte in Deutschland nicht entsprechend verringert. So sind die NO2-Belastungen in den letzten zehn Jahren nur minimal gesunken. Mittels eines dichten Netzwerks an Messstationen werden bundesweit die NO2-Werte erhoben. Dabei wird ein klarer Zusammenhang zwischen Messort und NO2-Belastung deutlich: an Hintergrundmessstellen (sowohl im ländlichen wie auch städtischen Raum) treten wesentlich geringere NO2-Belastungen auf, als an verkehrsnahen Messorten. Dies verdeutlicht noch einmal eindrucksvoll die Rolle lokaler Emissionsquellen (Verkehr) und zeigt, dass die Reduzierung des Gesamtausstoßes an NO2 in Deutschland keine automatische Verbesserung der Luftqualität für das gesamte Bundesgebiet nach sich zieht.

    Wie kann ich mich vor Stickoxiden schützen?

    Sich vor Stickoxiden in der Stadt, zum Beispiel als Fahrradfahrer*in oder Fußgänger*in, zu schützen ist nicht einfach. Auch gute Masken helfen kaum gegen Stickoxide. Sie können aber gegen Feinstaub helfen.

    Am sichersten ist es, vielbefahrene Straßen und den Berufsverkehr zu meiden und eher Nebenstraßen zu nutzen. Dies gilt vor allem, wenn Sie mit Kinderwagen oder Kleinkindern unterwegs sind. Denn auf Auspuffhöhe sind die Belastungswerte am höchsten.

    Was kann ich zur Verringerung der Stickoxid-Emissionen beitragen?

    Je weniger Treibstoff  verbraucht wird, desto weniger reaktiver Stickstoff wird freigesetzt. Jede*r einzelne sollte das Autofahren und somit die Emissionen vermeiden. Viele Ziele lassen sich zu Fuß, per Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) erreichen.

    Der geplante Kauf eines neuen Pkw sollte nach Möglichkeit ganzheitlich überdacht werden. Muss aber nach Prüfung aller Möglichkeiten doch ein Fahrzeug angeschafft werden, dann sollte es klein, leicht und sparsam sein. Das alle gesetzlichen Grenzwerte in allen Betriebszuständen eingehalten werden müssen, sollte selbstverständlich sein.

    Neben sparsamen und effizienten Elektro- und Hybridfahrzeugen (bei Plug-in Hybride-Fahrzeugen ist die Art der Nutzung entscheident) sind vor allem Erdgasfahrzeuge eine Alternative, da ihre Abgase deutlich sauberer sind als die von Dieseln oder Benzin-Direkteinspritzern. Aber bitte beachten Sie: Auch Erdgas ist ein fossiler Energieträger und bestenfalls als Brückentechnologie anzusehen.

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    Gibt es neue Diesel-Pkw, die ihre Stickoxid-Grenzwerte auch im Realbetrieb einhalten?

    Im Bericht der Untersuchungskommission "Volkswagen" des Bundesverkehrsministeriums wurden vier Modelle aufgezeigt, die ihren gesetzlichen NOx-Grenzwert von 80 mg/km auch unter realen Bedingungen einhalten oder fast einhalten. Darunter befinden sich drei Modelle des Volkswagen Konzerns und eines der Daimler AG.

    Stimmt es, dass wir Diesel-Fahrzeuge zur Einhaltung unserer Klimaschutzziele brauchen?

    Vor zehn Jahren stießen die Diesel-Neuwagen im Durchschnitt 10 Gramm Kohlendioxidg (CO2) weniger aus als die Benziner, 2015 waren es bereits zwei Gramm mehr. Die Gründe hierfür liegen in der immer höheren Motorisierung, höheren Gewichten und höhere Endgeschwindigkeiten.

    Dazu kommt, dass die "Jahresfahrleistung" eines Diesels im Schnitt doppelt so hoch ist wie die des Benziners. Sprich: Die absoluten CO2-Emissionen der Diesel-Pkw sind doppelt so hoch wie die der Benziner. Sie sind ein Hauptgrund dafür, dass die CO2-Emisisonen im Straßenverkehr nicht zurückgehen.

    Der Dieselantrieb wurde vor allem von der deutschen Automobilwirtschaft in den letzten Jahren dazu benutzt, die Fahrzeuge immer größer und leistungsstärker auszustatten, egal ob es das Anforderungsprofil der Nutzer*innen notwendig macht. Dieser Trend ist noch immer nicht gestoppt, sondern geht mit dem Boom der Pseudo-Geländewagen munter weiter. Gleichzeitig erscheinen Fahrzeuge immer umweltfreundlicher, da die offiziellen Angaben zu Verbrauch und CO2-Ausstoß immer weiter von den Realwerten abweichen, was übrigens auch für Benziner gilt. Deshalb müssen für uns die realen Gesamtemissionen als Größe betrachtet werden, denn diese sind es, die die Bundesregierung nach eigenen Angaben bis 2030 um 40 bis 42 Prozent verringern will.

    Dazu bedarf es unter anderem weniger, kleinerer und vor allem sparsamerer Fahrzeuge, egal ob Diesel, Benziner oder e-Fahrzeuge.

    Will der BUND Dieselfahrer*innen ihre Autos wegnehmen?

    Das Hauptaugenmerk der BUND-Kampagne "Schluss mit schmutzig" liegt aktuell darauf, dass nicht noch mehr schmutzige Diesel auf unsere Straßen kommen, die im Realbetrieb die gesetzlichen Grenzwerte nicht einhalten. Deshalb soll vor allem der Verkauf schmutziger Diesel-Neuwagen gestoppt werden. Da die Diesel-Pkw, die in den letzten Jahren neu auf die Straße kamen, ihre gesetzlichen NOx-Grenzwerte auf der Straße nicht einhalten, plädieren wir zusätzlich für die Einführung der Blaue Plakette.

    Das selbst neue Diesel-Pkw die NO2-Grenzwerte nicht einhalten, ist ein Skandal, den Autoindustrie und Verkehrsminister Dobrindt zu verantworten haben. Dass Bürger*innen, die sich, eventuell sogar in dem Glauben, eine relativ "grüne" Kaufentscheidung zu treffen, dies ausbaden sollen, scheint doch sehr unfair. Deshalb muss die Industrie dafür sorgen, dass betroffene Fahrzeuge so nachgebessert oder nachgerüstet werden, dass sie ihre jeweiligen gesetzlichen NOx-Grenzwerte in allen Betriebszuständen einhalten.

    Welche Fahrzeuge wären von dem Verkaufsstopp betroffen, den der BUND fordert?

    Die Forderung des BUND nach einem Verkaufsstopp bezieht sich auf alle Diesel-Neuwagen, die ihren gesetzlichen Grenzwert im Realbetrieb nicht einhalten. Wir beziehen uns dabei auf Daten des Bundesverkehrsministeriums, die im Rahmen der Untersuchungskommission "Volkswagen" erhoben wurden.

    Es handelt sich dabei zunächst um einzelne Modelle der Marken Audi, BMW, Dacia, Ford, Honda, Hyundai, Jaguar, Land Rover, Mazda, Mercedes Benz, Opel, Peugeot, Porsche, Renault, Suzuki, Volkswagen und Volvo. Wir gehen aber davon aus, dass weitere Modelle auch weiterer Hersteller betroffen sind.

    Fotonachweis: iStock.com|LeoPatrizi

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