Ruhe bitte! Unterwasserlärm belastet die Meere

Die Unterwasserwelt ist ein Ort voller Geräusche. Wellen rauschen und donnern, Meereseis knirscht und quietscht, Tiere nutzen Schall zum Jagen, zur Ortung, zur Feindvermeidung oder zur Kommunikation mit Artgenossen. Menschengemachter Unterwasserschall stört diese natürliche Klangwelt und belastet viele Tiere in den Meeren zunehmend. 

Der BUND fordert

  • Weltweit eine Geschwindigkeitsreduzierung um 20 Prozent für Containerschiffe, durch die ihr Lärmeintrag um 60 Prozent gemindert werden kann!
  • Sprengungen von Munitionsaltlast nur, wenn eine Bergung nicht möglich ist und nur mit Blasenschleiern!
  • Die Suche nach Öl- und Gasvorkommen mit Schallkanonen verbieten und die Entwicklung von Alternativen für geologische Untersuchungen fördern!
  • Ein zeitliches und räumliches Verbot von Sonareinsätzen – zum Schutz von Meeressäugetieren!

Leitart des Monats: die Kreuzkröte

Zur Leitart

Auswirkung auf Meerestiere

Ruhe bitte! Unterwasserlärm belastet die Meere Ruhe bitte! Unterwasserlärm belastet die Meere  (Maria Janßen)

Jede*r von uns kennt die nervige oder sogar schmerzhafte Wirkung von unerwünschtem Lärm, wie z. B. Verkehr, Baustellen oder Sirenen von Krankenwagen. Er nimmt uns die Konzentration, verursacht Stress oder kann uns sogar zeitweise gehörlos machen. So geht es auch den Meerestieren.

Unterwasserschall

Unterwasserschall kann sich – abhängig von dem Lärmpegel der Quelle, der Tonhöhe sowie den physikalischen Eigenschaften des Wasserkörpers und der Form des Meeresbodens – über große Distanzen ausbreiten. Wie sich der Schall auf Tiere auswirkt, hängt unter anderem von der Intensität und Dauer der Beschallung, der Entfernung des Tieres zur Schallquelle und der Lärmempfindlichkeit der jeweiligen Tierart ab.

Viele Meerestiere reagieren sehr empfindlich auf Unterwasserschall. Aufgrund der Dunkelheit unter Wasser verlassen sich viele von ihnen zur Orientierung, Nahrungs- und Partnersuche oder der Verteidigung gegen Fressfeinde auf ihren Hörsinn. Wale zum Beispiel schicken Laute (Klicks) ins Wasser und wissen von der Art, wie die Laute wieder zurückschallen und reflektieren (Echo), ob Nahrung, Feinde, ihr Kalb oder ein Hindernis da ist. Sie sehen sozusagen mit den Ohren und mit jedem Eintrag von Unterwasserlärm verschlechtert sich die "Sicht".

Die Störungen können verschiedener Natur sein:

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Stress

Wie auch beim Menschen ruft Lärm bei fast allen Tieren Stresssymptome hervor. Vorbeifahrende Schiffe heben beispielsweise das Stresslevel von Strandkrabben und lassen sie hyperventilieren. Intensivere Schallwellen von Luftkanonen und Munitionssprengungen können auch noch in großer Entfernung von der Lärmquelle Stress bei den Tieren auslösen. Am schlimmsten ist es, wenn verschiedene Lärmquellen zusammen auftreten. An manchen Orten in unseren Meeren können die Tiere dem Lärm nicht entkommen. Der durch Lärm hervorgerufene Stress kann viele Auswirkungen haben, von Herzrasen, erhöhtem Stoffwechsel, schwächerem Immunsystem bis hin zu einer erhöhten Sterberate.

Verhaltensänderung

Erhöhte Schalleinträge können dazu führen, dass z.B. Wale Habitate zeitweise oder permanent meiden, in denen sie sich gewöhnlich aufhalten oder jagen würden. Es beeinträchtigt ihr Tauch-, Jagd- und Fluchtverhalten und kann zu einem größeren Energieverbrauch und zu reduzierter Nahrungsaufnahme führen, wodurch die Tiere geschwächt werden. Auch bei anderen Tieren, wie zum Beispiel Dorschen, Haien oder Tintenfischen wurden Verhaltensänderungen wie erhöhte Aggression oder gestörtes Paarungsverhalten nachgewiesen.

Maskierung

Der vom Menschen verursachte Lärm kann wichtige biologische Schallsignale überdecken, ein Umstand, der in manchen Fällen tödliche Konsequenzen haben kann. In der Natur kann eine solche Maskierung z. B. die Orientierung verhindern oder die Annäherung eines Feindes überdecken. Auch kann es bei Walen während der Aufzuchtphase zur Trennung von Mutter-Kalb-Paaren kommen, wenn sie sich nicht mehr "hören" und damit auch nicht mehr "sehen" können.

Hörschwellenverschiebung

Eine Verschlechterung der Hörempfindlichkeit kann temporär oder permanent auftreten, wie bei einem Hörsturz. Vor allem bei Meeressäugern, die akustische Signale zur Orientierung, Jagd und Kommunikation nutzen, kann eine solche Hörschwellenverschiebung schwere gesundheitliche Folgen bis hin zum Tod haben. 

Körperliche Schädigung

Im Nahbereich können durch den Schall ernste (auch tödliche) Verletzungen entstehen, insbesondere bei Meeressäugern, Jungfischen und Fischen mit Schwimmblase sowie bei Fischeiern und den verschiedenen Larvenstadien. Außerdem kann die Lärmbelastung Auswirkungen auf den Tauch-Rhythmus der Tiere haben, die als Fluchtreaktion unregelmäßig Auf- und wieder Abtauchen. Dies kann ernste Verletzungen wie z. B. Blutungen in den Ohren von Meeressäugern und Risse an Schwimmblasen von Fischen hervorrufen.

 

Unterwasserlärm, Schweinswal Foto: Solvin Zankl / Alamy Stock Photo Schweinswale  (Solvin Zankl / Alamy Stock Photo)

Die anthropogenen, also mensch­gemachten Schallquellen sind vielfältig. Grundsätzlich wird zwischen impulshaften und dauerhaften Schallquellen unterschieden. Impulshafte Schalleinträge entstehen z. B. durch das Rammen beim Bau von Offshore-Bauwerken wir Öl- und Gas-Plattformen oder Windkraftanlagen, Sprengungen von Munitionsaltlasten, Schallkanonen zur Erkundung von Öl- und Gasvorkommen oder die Nutzung von aktiven und passiven Sonar z.B. durch das Militär und Schiffe.

Schiffslärm

Unterwasserlärm, Schweinswal Foto: Solvin Zankl / Alamy Stock Photo Schweinswal  (Solvin Zankl / Alamy Stock Photo)

Der Schiffslärm macht einen Großteil der dauerhaften Lärmeinträge in die Meere aus, dazu gehören nicht nur die großen kommerziellen Frachtschiffe, sondern auch Fähren (insbesondere Schnellfähren), der Versorgungs­verkehr zu Offshore-Windparks oder Öl- und Gas-Plattformen oder Freizeitaktivitäten wie Jet-Skis und kleine Motorboote. Weitere Einträge von Dauerlärm verursachen der Sand und Kiesabbau, Bohrungen oder neueren Gründungsverfahren für Offshore-Windparks, wie Vibrationsrammverfahren.

Lärm- und Schallquellen

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Tourismus

Freizeitaktivitäten wie Kreuzfahrtschiffe, Jet-Skis, Wasserski und kleine Motorboote erzeugen zusätzlichen Unterwasserlärm. Meistens finden Sie küstennah statt, wo auch die Schweinswale vorkommen.

Schifffahrt

Schiffspropeller, -motoren und –sonare erzeugen einen permanenten Lärm unter Wasser, der in manchen Regionen alle natürlichen Geräusche überlagern kann. Schiffslärm hat oft die gleiche Tonhöhe, die viele Meerestiere für ihre Verständigung nutzen.

Schallkanonen

Zur Erkundung des Meeresbodens nach Öl- und Gasvorkommen oder auch für die Wissenschaft werden Schallkanonen eingesetzt, die in rascher Folge Schallwellen hunderte Kilometer tief in den Meeresboden senden. Die aufgezeichneten Echos geben Informationen über die Beschaffenheit des Bodens und die darunter vorkommenden Rohstoffe. Schallkanonen gehören zu den lautesten Geräten, die unter Wasser eingesetzt werden.

Sonar

Sonargeräte dienen der Erkundung der Meeresumwelt, z. B. um Fischschwärme, Untiefen oder U-Boote sichtbar zu machen. Vor allem die leistungsstarken militärischen Sonare beeinträchtigen durch ihren extrem hohen Schalldruck Wale und Delfine und führen nicht selten zum Tod dieser Tiere.

Explosionen

In der Nord- und Ostsee liegen ca. 1,6 Millionen Tonnen alter Munition, die langsam verrostet und Schifffahrt, Fischerei und Meereslebewesen gefährdet. Sprengungen zur Beseitigung dieser Munition gehören neben den Schallkanonen den lautesten Geräuschen im Meer. Zusätzlich zum Lärmeintrag belasten auch die Gifte aus der Munition die Meeresumwelt.

Offshore-Bauwerke

Obwohl inzwischen v.a. für Windkraftanlagen auch andere Gründungsmethoden untersucht und auch teilweise angewendet werden, werden Fundamente für Offshore-Bauwerke (auch Öl- und Gasplattformen) oft durch hydraulisches Rammen in den Boden versenkt – ein sehr lauter und langwieriger Prozess. Lärmminderungsmethoden dämpfen den Schall beim Bau, aber trotzdem bleibt es eine weitere Eintragsquelle. Auch nach dem Bau bleibt es laut, denn die Versorgungsfahrten zu den Windparks sorgen für weitere häufige Störungen.

Kumulativ

Am schlimmsten ist es, wenn viele Lärmquellen zusammenkommen. Zwischen Schiffsautobahnen, Explosionen, Sonargeräten und Schallkanonen gibt es dann oft keine Fluchtmöglichkeiten mehr für die Tiere.

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Nadja Ziebarth

Nadja Ziebarth

BUND-Meeresschutzbüro
E-Mail schreiben Tel.: (04 21) 7 90 02-32

Handeln Sie!

  • Nutzen Sie keine Schnellfähren.
  • Machen Sie keine Kreuzfahrten.
  • Wenn sie ein Sportboot haben, nutzen Sie das Echolot nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Fahren Sie langsamer in der Nähe von Schutzgebieten oder wenn Sie Schweinswale sichten.

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