Plastik – weniger ist Meer

In Fischernetzen strangulierte Schildkröten, Wale und Seevögel mit Plastik im Magen, Mikroplastik im Nahrungsnetz: Die Vermüllung der Meere hat fatale Konsequenzen. Doch was sind die drängensten Probleme unserer Zeit und wie können wir sie bewältigen? Antworten auf diese Fragen gibt es hier.

Der BUND fordert

  • Mehrweg statt Einweg!
  • Ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetikartikeln
  • Eine schnelle Umsetzung der EU-Einwegplastik-Richtlinie
  • Den Eintrag von Fischernetzen und Netzteilen in die Meere stoppen

Unterwasserlärm tötet

Mensch mach leise!

Der Müll in unseren Meeren

Wirklich überall lässt sich Plastik nachweisen: im Boden, in Seen und Flüssen, an den Stränden, der Wasseroberfläche in der Wassersäule und in der Tiefsee. Selbst im arktischen Meereis finden sich hohe Mikroplastikkonzentrationen. Studien gehen von 86-150 Millionen Tonnen Kunststoff in den Weltmeeren aus. Und jedes Jahr kommen große Mengen hinzu. Alleine von Land kommen jährlich etwa 10 Millionen Tonnen Plastikmüll hinzu. Dies entspricht einem LKW voller Plastikmüll pro Minute. Doch wie kommt der Müll dorthin und was geschieht mit dem Müll im Meer?

Fragen und Antworten zum Müll im Meer

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Welcher Müll landet im Meer?

Neben Glas, Papier, Metall und Holz besteht der Müll in den Meeren zu drei Vierteln aus Plastik jeglicher Art und Größe. Vom kleinsten Mikroplastik bis zu kilometerlangen verlorengegangenen Fischernetzen – sogenannten Geisternetzen.

Wie kommt Plastik ins Meer?

Die Quellen und Wege des Plastiks sind vielseitig: Auf hoher See tragen Off-shore-Anlagen, Fischerei und Schifffahrt zur Vermüllung bei. Weltweit betrachtet stammen jedoch 80 Prozent des Plastiks im Meer aus landbasierten Quellen. Dazu zählt Müll durch Tourismus, aus der Industrie, von Mülldeponien oder aus Städten, der sorglos in der Umwelt entsorgt wird. In Küstennähe gelangt er direkt in die Meere oder wird landeinwärts in den Städten durch Wind und Wetter in die Flüsse geweht und von dort weitergetragen.

Wie viel Plastik ist in unseren Meeren?

Obwohl Plastik erst seit den 1950er Jahren industriell hergestellt wird, geht man davon aus, dass inzwischen 86 bis 150 Millionen Tonnen Plastik in den Meeren zu finden sind. In jedem Jahr kommen um die 10 Millionen Tonnen Plastik alleine von Land dazu. Das entspricht weltweit pro Minute etwa einer Ladung eines Müllautos.
 

Wo befindet sich der Müll in unseren Meeren?

Während uns etwa 15 Prozent des Mülls wieder an den Stränden begegnet, sinkt der Großteil der Müllteile mit 70 Prozent auf den Meeresboden oder verteilt sich in der Wassersäule. Die übrigen 15 Prozent treiben an der Wasseroberfläche. Mit den weltweiten Meeresströmungen gelangt das Plastik bis in die Polarregionen und die Tiefsee.
 

Gibt es wirklich Müllteppiche auf dem Meer?

An bestimmten Stellen in den Ozeanen sammelt sich der Plastikmüll mit der Strömung vermehrt an und bildet sogenannte Müllstrudel. In diesen Strudeln können in der Wassersäule und an der Oberfläche nach Hochrechnungen sechsmal mehr Plastikteile als Planktonorganismen schwimmen. Das Bild eines Müllteppichs allein an der Wasseroberfläche ist in diesen Bereichen jedoch irreführend, es handelt sich eher um eine noch weitreichendere "Plastiksuppe". 
 

Was passiert mit Plastik im Meer?

Problematisch wird der Plastikmüll dadurch, dass die Kunststoffe sehr langlebig sind. Auch nach 300 bis 450 Jahren im Wasser sind sie dort noch zu finden, obwohl besonders die Einwegprodukte nur einmal und meist besonders kurz genutzt werden. Am Ende verschwindet der Plastikmüll auch nach 450 Jahren nicht komplett, sondern zerfällt mit der Zeit in immer kleinere Teile zu Mikroplastik.

Die Auswirkungen auf die Ökosysteme an den Küsten, im offenen Meer und am Meeresboden sind immens. Mehr als 3.500 Tier- und Pflanzenarten sind von Meeresmüll betroffen und beeinträchtigt. Weltweit sterben jährlich eine Million Vögel und rund 100.000 Meeressäuger wie Wale und Robben daran. Die Tiere verheddern sich im Plastikmüll oder verwechseln die Plastikteile im Meer mit Nahrung. Die Folgen sind Verletzungen, Strangulationen und plastikgefüllte Mägen. Am Ende verhungern die Tiere mit einem Magen voll mit Plastik. 

Ein Beispiel für diese grauenvollen Folgen ist der Eissturmvogel. Er verdeutlicht das Müllproblem in der Nordsee und dem Nordatlantik.

Laut einer OSPAR-Studie in der Nordsee und dem Nordatlantik haben aktuell 97 Prozent der tot gefundenen Eissturmvögel (Fulmarus glacialis) Plastikmüll in ihren Mägen. Im Durchschnitt waren es 33 Partikel pro Vogel mit einem Gewichtsanteil von etwa 0,31 Gramm.  

Geplante BUND-Aktionen zum Coastal CleanUp Day 2021

 (BUND-Meeresschutzbüro.)

Von Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern: Anlässlich des Coastel-Cleanup Day 2021 organisiert der BUND mit zahlreichen Bündnispartnern Aktionen in mehreren Städten. Alle Strandmüll-Sammelaktionen finden zwischen dem 17.9 - 23. 9. statt. Helfen Sie mit unsere Strände und Meere sauber zu halten!

Jetzt mitmachen

Vom Strand in die Ökosysteme

Im Grunde kann jede*r einen Beitrag leisten, die Vermüllung der Ökosysteme zu stoppen. Das beginnt schon mit unserem Verhalten am Strand und unserer Art zu konsumieren. Zu den häufigsten am Strand gefundenen Müllteilen zählen unter anderem: Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Flaschendeckel, Plastiktüten, Einweggeschirr, aber auch Trinkhalme und Wattestäbchen.

Deutschland trägt zu diesen Müllmengen bei, indem jährlich allein 37 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik pro Einwohner anfallen und zunehmend Produkte aus Einwegplastik verwendet werden. Ein Teil des Verpackungsmülls kann entweder direkt in Deutschland durch Littering oder auch durch Müllexporte über Umwege in die Umwelt gelangen. Der Schutz der Meere beginnt also bereits an Land, indem Müll und Einwegplastik reduziert werden und nichts unachtsam weggeworfen wird.

Zwei schnelle Maßnahmen gegen Littering

Was ist Littering?

Wenn Müll und Verpackungen unachtsam in die Umgebung/Umwelt geworfen werden, wird das Littering genannt. Der Abfall wird dadurch nicht korrekt dem Abfallwirtschaftssystem zugeführt und kann letztlich in den Meeren landen. Oft sind das Zigarettenkippen oder Take-Away-Verpackungen wie Coffee-to-go-Becher.

Zigarettenkippen

Zigarettenfilter sind aus Kunststoff und zerfallen in der Umwelt zu Mikroplastik. Teile davon wurden sogar im arktischen Meereis nachgewiesen. Außerdem sammeln die Filter giftige Schadstoffe, die sich im Kontakt mit Wasser leicht lösen und die Umwelt belasten. Zigarettenfilter haben im Sand also nichts verloren.

Coffee-to-go-Becher. Foto: Tim Wright / Unsplash

Take-Away-Verpackungen

Mehr und mehr wird Essen und Trinken "to-go" konsumiert. Die Plastikverpackungen landen dann nach nur kurzem und einmaligen Gebrauch leicht in der Umwelt und der Ressourcenverbrauch ist enorm. Die bessere und gesündere Alternative sind Mehrwegverpackungen gegen Pfand.

Das BUND-Meeresschutzbüro

Müllsammelaktion auf Juist im März 2015; Foto: Anke Hofmeister Müllsammelaktion auf Juist im März 2015  (Anke Hofmeister)

Gemeinsam gegen Plastik im Meer

Unsere Arbeit begegnet dem Problem auf vielfältige Weise. Auf politischer Ebene - regional, bundesweit und international - nehmen wir mit unseren Partner*innen und Netzwerken die Regierungen und Industrie stärker in Verantwortung und setzen wichtige Impulse. 

Durch Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen möchten wir ein größeres Bewusstsein schaffen. Zum Beispiel machen wir mit großen Strandmüllsammelaktionen das Maß der Verschmutzung sicht- und greifbarer. Doch der Schwerpunkt unserer Arbeit zu Plastikmüll liegt darin zu zeigen, wie man Plastik vermeiden kann und der Müll so gar nicht erst entsteht, damit er auch nicht in die Meere gelangen kann.

Das BUND-Meeresschutzbüro vor Ort

Auch auf Länderebene arbeiten die jeweiligen BUND Landesverbände mit vielfältigen Projekten zum Thema Meeresmüll. Nähere Infos gibt es hier für Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 

International aktiv gegen Meeresmüll

Das BUND-Meeresschutzbüro ist nicht nur an der deutschen Küste aktiv gegen Meeresmüll, sondern setzt sich über seine Arbeit in den europäischen Dachverbänden Seas at Risk (zum EU-weiten Meeresschutz) und Coalition Clean Baltic (zum Schutz der Ostsee) auch international für saubere Meere ein. Darüber hinaus ist der BUND auch in der weltweiten Bewegung "Breakfreefromplastic" aktiv. 

Ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit waren die Aktivitäten im Herbst 2018 vor der Abstimmung der EU-Einwegplastik-Richtlinie im europäischen Parlament. NGOs aus ganz Europa trafen sich in Brüssel und setzten sich in Gesprächen mit Europaabgeordneten für eine starke Richtlinie ein. Die Richtlinie wurde verabschiedet und befindet sich nun in der Umsetzung in nationales Recht. Auch hier ist der BUND also weiter aktiv. 

Plastik vermeiden, aber wie?

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Wie kann ich Plastik im Alltag vermeiden?

Am besten ist der Müll, der erst gar nicht entsteht. Durch kleine Tricks und Tipps oder etwas Organisation im Alltag können große Mengen an Plastikmüll reduziert werden. Die Devise ist hierbei "Mehrweg statt Einweg"-Nutzung von Kunststoffen und der Umstieg auf Alternativen ohne Plastik. 

So kann beispielsweise beim Einkaufen auf die Plastiktüte verzichtet oder in Unverpacktläden sogar ganz ohne Verpackungsmüll eingekauft werden. Auch Zuhause lässt sich zum Beispiel im Badezimmer, in der Dusche oder beim Zähneputzen viel Plastik durch umweltfreundliche Alternativen ersetzen. Bei der Körperpflege kann man Müll einsparen und Mikroplastik vermeiden, indem man zum Beispiel Deo oder Peelings selbst herstellt. Selbst beim Wäschewaschen gibt es praktische Wäschebeutel, die unsere Meere vor Mikroplastik schützen. 

Sogar bei besonderen Anlässen und Feiern, kann darauf geachtet werden, dass Einweggeschirr und Becher, aber auch Plastikdekorationen wie Luftballons vermieden werden. Aber auch unterwegs und beim Reisen  geht es ohne Plastik, so kann man beim Spazieren nach dem Motto "Take 5" einfach immer fünf Müllstücke aufheben und richtig entsorgen. Oder gleich mit Freunden oder im größeren Stil eine eigene Müllsammelaktion organisieren.

Plastik vermeiden im Urlaub

Durch die BUND-Initiative "Plastikbewusste Ferienunterkünfte" können Gäste von Ferienunterkünften Möglichkeiten der Müllvermeidung im Urlaub praktisch erleben und für den Alltag erproben. Die Ferienwohnungen stellen beispielsweise wiederbefüllbare Trinkflaschen, Mehrwegbehältnisse für das Picknick am Strand oder Gemüsenetze für den Einkauf von Obst und Gemüse bereit. Einkauftipps für den plastikreduzierten Einkauf runden das Angebot ab und unterstützen zusätzlich lokale Anbieter*innen von plastikfreien Alternativen. 

Außerdem wird in den Wohnungen auch darauf geachtet, dass die Ausstattung wie z.B. Kochbesteck oder Putzmittel möglichst ohne Plastik und aus natürlichen Bestandteilen bzw. zum Wiederbefüllen ist. 

Die Idee der Plastikbewussten Ferienunterkünften entstand ursprünglich im BUND-Projekt "Plastikfrei wird Trend" auf Föhr  und wurde im Rahmen des Projekts "Plastikfreie Küste – Inseln als Startpunkt des Wandels" auf die drei niedersächsischen Projektinseln Juist, Norderney und Spiekeroog übertragen. Im Projekt "Urlaub fürs Meer" wird die Idee auch auf dem Schleswig-Holsteinischen Festland weitergetragen.

Wie können Kommunen Plastikmüll reduzieren?

Auch in der Politik  nimmt die Problematik rund um Plastik im Meer eine zunehmend größere Rolle ein. Zur Koordinierung und Unterstützung der nationalen Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL – 2008/56/EU), sowie der regionalen Aktionspläne gegen Meeresmüll für den Nordostatlantik (OSPAR) und die Ostsee (HELCOM) wurde 2016 der Runde Tisch Meeresmüll ins Leben gerufen. Hier ist der BUND seit Beginn aktiv. Ziel des Runden Tisches ist die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch zur effektiven Umsetzung deutschlandweiter Maßnahmen gegen die Vermüllung der Nord- und Ostsee.

Eine Untergruppe der "AG landbasierte Einträge" beschäftigt sich mit der Aufgabe von Kommunen zur Reduzierung des Plastikmüllaufkommens. In diesem Zusammenhang hat das BUND Meeresschutzbüro die Kontaktstelle "Knotenpunkt plastikfreie Küste" eingerichtet. Hier können die Kommunen Unterstützung und Ideen finden. Zum Beispiel hat der BUND zusammen mit den Mitgliedern der UAG kommunale Vorgaben unter anderem Leitfäden mit Best-Practice-Beispielen  oder zu kommunalen Satzungs- und Beschlussbeispielen erarbeitet.

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