Gefährdet und gejagt: Der Europäische Aal

Der europäische Aal ist vom Aussterben bedroht. Hier erklären wir, was den Aal gefährdet und wie wir ihn noch retten können.

Der Europäische Aal Wanderer zwischen den Welten: Der Aal  (iStock)

"Vom Aussterben bedroht": So heißt die letzte Gefährdungsstufe auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzen, bevor eine Art offiziell und vollständig aus der Wildnis verschwindet. Genau hier befindet sich aktuell der Aal, der in den europäischen Meeren und Flüssen lebt.

Aale sind faszinierende Fische, die allein auf Grund der Körperform unter allen Fischen hervorstechen. Faszinierend ist auch das Leben der Aale, in dem sie gleich zweimal den ganzen Nordatlantik durchqueren und zwischen Salz- und Süßwasser wandern. Sie werden als winzige und transparente Larven in der Sargassosee, östlich von Florida, geboren. In den Küstengewässern, Flüssen und Seen Europas wachsen sie heran, nur um für die Fortpflanzung den ganzen Weg zurück in die Sargassosee zu schwimmen. Nachdem sie sich gepaart haben und so den Fortbestand ihrer Art gesichert haben sterben sie schließlich dort, wo sie geboren wurden.

Durch seinen komplexen Lebenszyklus und seine lange Reise vom Atlantik bis in die europäischen Flüsse und Seen ist der Aal vielen Gefahren ausgesetzt. Daher sind auch die Ursachen für den schlechten Zustand der Aalpopulation vielfältig: Verlust von Lebensräumen, Überfischung, verbaute und verschmutze Flüsse, sowie Krankheiten und Parasiten.

Was gefährdet den Aal?

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Fischerei und Schmuggel

Obwohl er vom Aussterben bedroht ist darf der Aal in den meisten europäischen Ländern weiterhin sowohl zu kommerziellen Zwecken als auch in der Freizeitfischerei gefangen werden. Aale werden in allen Entwicklungsstadien gefangen, als kleine Glasaale und heranwachsende Gelbaale sowie als fortpflanzungsfähigen Blankaale, die sich auf dem Weg zu ihren Laich-Gründen befinden. Glasaale werden vor allem vor der französischen Atlantikküste gefangen. Bei der Fischerei auf Gelb- und Blankaale war Deutschland im Jahr 2019 bei mit 485 Tonnen europäischer Spitzenreiter.

Neben dem legalen Fang und Handel existiert auch ein illegaler Markt. Vor allem Glasaale erzielen sehr hohe Preise und werden deswegen illegal gefangen und gehandelt. Die europäische Polizeibehörde Europol schätzt, dass im Jahr 2018 etwa 100 Tonnen Europäische Glasaale von der EU nach China geschmuggelt wurden.

Verlust von Lebensräumen

Seit 200 Jahren verwandeln Vertiefungen, Begradigungen oder Buhnen viele dynamische Flüsse in monotone Wasserstraßen, die kaum noch vielfältige Lebensräume bieten. Wenn Flüsse begradigt oder vertieft werden führt das außerdem zu höheren Fließgeschwindigkeiten, wodurch weitere Lebensräume zerstört werden. Auch der Aal findet deswegen häufig nicht mehr genug Nahrung und Versteckmöglichkeiten in unseren Flüssen.

Verbauung von Flüssen durch Dämme und Kraftwerke

Staudämme und Wehre schränken die natürliche Dynamik von Flüssen ein und sind unüberwindbare Hindernisse für wandernde Fischarten wie den Europäischen Aal. Die Gesamtzahl der Barrieren in Flüssen und Bächen in ganz Europa wird auf über 1,2 Millionen geschätzt. Neben den hohen Mauern stellen vor allem die Turbinen der Wasserkraftwerke eine Gefahr für den Aal dar. Aufgrund ihres langen schlangenartigen Körpers sind Aale besonders gefährdet verletzt und getötet zu werden, wenn sie versuchen durch die Turbinen zu schwimmen.

Durch Verschmutzung

Durch die Landwirtschaft gelangen Gülle und Pestizide in die Gewässer. Industriebetriebe leiten schadstoffbelastete Abwässer in die Flüsse ein und Kraftwerke leiten das aufgewärmte Kühlwasser wieder in die Flüsse zurück. All diese Nährstoffe, Pestizide, Schwermetalle und die Zufuhr von Wärme verschlechtern den Zustand unserer Gewässer. Die verschmutzten Gewässern führen beim Europäischen Aal unter anderem dazu, dass sie schlechter wachsen können, krank werden oder sogar sterben.

Durch Krankheiten und Parasiten

Verschiedene virale Erreger bedrohen die Gesundheit der Aale, zum Beispiel der Herpesvirus anguillae (HVA). Diese Erreger entstehen und verbreiten sich vor allem in Aquakulturen, in denen die Aale auf sehr engem Raum gehalten werden. Viele der Aale aus Aquakulturen werden später für den Besatz von Flüssen benutzt und tragen die Krankheiten so in die Natur ein. Auch gesunde Artgenossen in der Wildnis können so mit den Erregern infiziert werden.

Dramatische Auswirkungen hatte der Import von Aalen aus Taiwan in den 1980er Jahren, denn sie brachten den Schwimmblasenwurm (Anguillicola crassus) mit. Der Fadenwurm schädigt die Schwimmblase der Aale und führt dazu, dass es ihnen nicht mehr gelingt den Atlantik zu durchqueren um zu ihren Laichgründen zu gelangen.

Der Kormoran: Ein natürlicher Feind?

Gerne und häufig wird von Fischerei- und Angelverbänden der Kormoran dafür verantwortlich gemacht, dass es dem Aal so schlecht geht. Doch der Kormoran ist als einheimischer Raubvogel ein natürlicher Bestandteil der Nahrungskette und eines gesunden Gewässers. Er jagt vor allem kleinere Fischarten, wie Flussbarsche und Stinte. Eine Studie in Binnengewässer in Schleswig-Holstein hat herausgefunden, dass der Anteil von Aal an dem Gesamtkonsum der Kormorane bei gerade mal bei 1,63 Prozent lag.

Es stimmt auch nicht, dass die Kormorane immer mehr werden. Nach einem starken Wachstum in den 80er und 90 Jahren hat sich die Population in Deutschland inzwischen bei 26.000 Brutpaaren stabilisiert und wächst nicht weiter. Entgegen der EU Vogelschutzrichtlinie dürfen Kormorane in den meisten Bundesländer gezielt abgeschossen werden, wenn sie sich in der Nähe von Flüssen und Seen aufhalten, in denen gefischt wird. In der Jagdsaison 2018/19 wurden auf dieser Grundlage mindestens 18.000 Kormorane getötet.

Der Europäische Aal Vielseitig bedroht: Der Europäische Aal  (iStock)

BUND fordert Ende der Fischerei auf Aal

Dem Aal geht es sehr schlecht. An dem dramatischen Zustand der Art hat sich nichts geändert, seit er 2008 offiziell auf der Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" eingeordnet wurde. Auch die Einführung der europäischen Aalverordnung aus dem Jahr 2007 hatte nicht den erhofften Effekt. Alle vermeintlichen Zwischenlösungen, wie Mindestkörpermaße, saisonale Schonzeiten und Besatzmaßnahmen haben nichts bewirkt. Die Population hat sich entsprechend nicht erholt. Das muss sich endlich ändern! Der BUND fordert den Empfehlungen des internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) zu folgen und die Fischerei auf Aal zu beenden.

Warum brauchen wir ein Aalfangverbot?

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Weil der Aal vom Aussterben bedroht ist

Einst war der Europäische Aal einer der häufigsten Fische in den Europäischen Süßgewässern. Doch inzwischen ist er offiziell vom Aussterben bedroht: Die Aal-Population ist in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet dramatisch geschrumpft und in der Nordsee sind nur noch etwa 2 Prozent der ursprünglichen Bestandsgröße übrig. Seit 2008 steht der Europäische Aal auf der internationalen Roten Liste als "vom Aussterben bedroht".

Weil der Aal nicht gezüchtet werden kann

Inzwischen stammen 96 Prozent der Europäischen Aale auf dem Markt aus Aquakulturen. Doch wer denkt, dass damit die bedrohten Aale in der Wildnis geschützt werden, irrt sich! Aale lassen sich nicht in Gefangenschaft züchten und pflanzen sich nur ein einziges Mal am Ende ihres Lebens in der Sargassosee fort. Die Aquakulturen sind daher auf den Fang von wilden Glasaalen als Besatz angewiesen. Es handelt sich also nicht um eine Zucht, sondern um eine reine Mast.

Weil Aalbesatz kein Artenschutz ist

Wie die Aquakulturen ist auch der Aalbesatz vollständig auf den Fang von Glasaalen aus der Wildnis angewiesen. Beim Fang und Transport der Glasaale für Besatzmaßnahmen sterben viele Tiere, da sie in diesem Lebensstadium extrem verletzlich sind. Ob der Aalbesatz überhaupt etwas zur Erholung der Aale beiträgt ist wissenschaftlich umstritten und bisher nicht bewiesen. Trotzdem wird diese angebliche "Schutzmaßnahme" weiter mit europäischen Steuergeldern finanziert: Im Jahr 2019 erhielt Deutschland 13,5 Millionen Euro aus dem Fördertopf der EU, um den Aalbesatz weiter zu ermöglichen.

Weil der Aal mit Schadstoffen belastet ist

Der Europäische Aal ist ein fetthaltiger Fisch, der in seinem Körper viele lipophile (= fettliebende) Schadstoffe, wie Dioxine, Furane und PCBs einlagert. Das ist nicht nur schlecht für die Aale, bei denen diese Schadstoffe Störungen des Immun-, Fortpflanzungs- und Nervensystems verursachen. Auch bei Menschen führt eine längerfristige Aufnahme von Dioxinen und PCBs zu Schäden am Nerven-, Immun- und Hormonsystem, sowie der Fortpflanzungsfähigkeit. Einige dieser Substanzen sind sogar krebserregend. Viele Untersuchungen fanden Konzentrationen von Dioxinen und PCBs in Aalen, die die empfohlenen Grenzwerte weit überschritten.

Weil der Aal ein Wunder der Natur ist

Aale haben einen sehr komplexen Lebenszyklus, der uns immer noch vor viele Rätsel stellt. Sie werden in der Sargassosee östlich von Florida geboren, treiben mit dem Golfstrom bis vor die europäischen Küsten und wandern dort die Flüsse hinauf. Während ihres langen Lebens zwischen Süß- und Salzwasser verändern sie immer wieder ihre Form und Farbe. Der Europäische Aal hat Eiszeiten überlebt und sich sogar an die Verschiebung von Kontinenten angepasst, doch nun ist sein Überleben wegen uns Menschen in Gefahr.
 

Der Europäische Aal ist einzigartig und wir stehen kurz davor ihn für immer zu verlieren. Jede Fischerei, egal ob auf Glas-, Gelb- oder Blankaale, verhindert, dass der Aal sich erholen kann. Da sowohl Aquakulturen, als auch Besatzmaßnahmen vollständig auf Glasaale aus freier Wildbahn angewiesen sind, tragen sie nicht zum Artenschutz bei, sondern sind eine zusätzliche Belastung.

Der BUND fordert:

  • Die kommerzielle Fischerei und Freizeitfischerei auf Europäischen Aal in allen Lebensstadien und allen Gewässern müssen eingestellt werden.
  • Die Besatzmaßnahmen müssen eingestellt werden, da sie auf gefangene Glasaale aus der Wildnis angewiesen sind und nicht zur Erholung der Aalpopulation beitragen.
  • Die aktuellen Kontroll- und Strafverfolgungsmaßnahmen zur Eindämmung des illegalen Handels mit Aal müssen verstärkt werden.
  • Wasserkraftwerke, Wehre und Dämme müssen nachgerüstet oder zurückgebaut werden, um Flüsse wieder frei von Hindernissen zu machen und die Wanderrouten der Aale zu öffnen.
     

Leitart des Monats: Der Bäumchenröhrenwurm

Zur Leitart
Finger weg vom Aal!  (BUND)

Jede Fischerei, egal ob auf Glas-, Gelb- oder Blankaale, verhindert, dass der Aal sich erholen kann.

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