Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt

Wir heizen die Erde weiter auf, gleichzeitig entwässern wir die Landschaft. Der Klimawandel gefährdet unsere Gewässer, die ohnehin stark vorbelastet sind. Das hat auch negative Folgen für viele andere ihrer Nutzungen.

Der Klimawandel schadet unseren Gewässern und trocknet die Böden aus. Trockenheit und Dürren nehmen durch den Klimawandel zu.  (ulleo / pixabay)

Die durch den Menschen verursachte globale Erderwärmung hat dramatische Auswirkungen auf Menschen, Biodiversität und Gewässer. Wärmere Temperaturen, erhöhte Verdunstung sowie ein verändertes Niederschlagsregime beeinflussen den Wasserhaushalt direkt.

Als Folge des Klimawandels treten immer häufiger Dürren und Hitzewellen auf, Flüsse führen zeitweise extremes Niedrigwasser, die Grundwasserspiegel sinken. Gleichzeitig häufen sich Hochwasser- und Starkregenereignisse.

Darunter leiden auch die deutschen Gewässer. Dabei sind diese bereits stark vorbelastet: zum Beispiel durch die Einleitung von Abwässern, Einträgen aus der industriellen Landwirtschaft oder Eingriffe wie Begradigung und Aufstauen der Flüsse.

Gerade jetzt sind wir aber auf gesunde, naturnahe Gewässer angewiesen, die den Folgen des Klimawandels gegenüber widerstandsfähiger sind. Besonders die schleppende Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist problematisch. Über 90 Prozent der Gewässer in Deutschland verfehlen den dort geforderten "guten ökologischen Zustand".

Fragen und Antworten zum Thema Klimawandel und Wasserhaushalt

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Was haben Gewässer, Artenvielfalt und Klimawandel miteinander zu tun?

Klimaveränderungen und der Biodiversitätsverlust hängen eng miteinander zusammen. Bei zunehmenden Extremwetterereignissen, wie Dürren und Sturzfluten, sind unmittelbare Folgen für die Artenvielfalt und die Ökosysteme zu erwarten, zum Beispiel werden Lebensräume oder Laichgewässer zerstört. Trocknet ein Fluss, Bach oder See aus, können ganze Populationen von Fischen, Amphibien oder Muscheln sterben.

Regnet es in Deutschland inzwischen weniger als früher?

Nein. Im Gegenteil: Forscher*innen haben festgestellt, dass es mittlerweile über das gesamte Jahr betrachtet mehr Niederschläge gibt. So hat der jährliche Niederschlag seit 1881 um circa zehn Prozent zugenommen. Allerdings unterscheiden sich Winter- und Sommermonate immer stärker voneinander: So gibt es durchschnittlich mehr Niederschläge im Winter und weniger im Sommer. Und wenn Niederschlag im Sommer fällt, dann häufig in Form von Starkregen. In kürzester Zeit fallen dann große Mengen von Regen. Diese großen Wassermassen kann der Boden aber nicht aufnehmen, das Wasser fließt einfach ab. Zudem erwarten Expert*innen im Sommer auch eine erhöhte Wasserverdunstung. Durch den Klimawandel hat sich die Vegetationszeit, also die Zeit, in der Pflanzen wachsen, blühen und fruchten, in Deutschland mittlerweile um circa zwei Wochen verlängert. In dieser Zeit verbrauchen Pflanzen sehr viel Wasser und die Grundwasserspiegel sinken weiter.

Warum ist eine Erwärmung der Gewässer kritisch?

Steigt die Lufttemperatur, nimmt auch die Wassertemperatur, einschließlich des Grundwassers, zu. Forscher*innen gehen davon aus, dass sich die Wassertemperaturen bis zum Jahr 2100 um 1-2 Grad erwärmen. Eine exakte Vorhersage ist dabei schwierig, denn die Wassertemperatur ist von vielen Faktoren abhängig, wie vom Wasserstand, von der Beschattung, dem Durchfluss und der Gewässerbewirtschaftung. Zu der Erwärmung trägt einerseits der Klimawandel bei, andererseits sind auch Kraftwerke, die aufgewärmtes Kühlwasser in Flüsse zurückleiten, ein Problem.

Erwärmen sich die Gewässer, verringert sich der Sauerstoffgehalt. Dadurch geraten Pflanzen und Tiere in Stress, massenhaftes Fischsterben kann die Folge sein. Unsere Wasserqualität verschlechtert sich.

Wieso ist das Grundwasser so wichtig?

Das Grundwasser dient als Wasserspeicher für Böden, Pflanzen, Tiere und Menschen. Übrigens ist es auch der größte und älteste kontinentale Lebensraum. Insgesamt wird geschätzt, dass bis zu 100.000 Arten von Organismen im Grundwasser leben, zum Beispiel Krebstiere, Schnecken, Milben und Würmer. Diese teils seltenen Lebewesen reinigen das Grundwasser auch für uns Menschen. Denn Grundwasser ist die Grundlage unserer Trinkwasserversorgung.

In weiten Teilen des Landes sinken die Grundwasserspiegel in den letzten 30 Jahren allerdings kontinuierlich. Dadurch trocknen die Auen aus und Flüsse, Bäche oder Seen können trockenfallen.

Außerdem ist das Grundwasser auf etwa einem Fünftel der Gesamtfläche Deutschlands bereits in einem schlechten chemischen Zustand. Die Nitratwerte sind zu hoch. Grund dafür sind zum Beispiel Stickstoffdüngerüberschüsse aus der Intensiv-Landwirtschaft oder Pestizide.

Die sinkenden Grundwasserstände, steigenden Schadstoffeinträge und die zunehmende Erwärmung wirken sich negativ auf die Grundwasserökosysteme aus und sind damit auch für den Menschen und unsere Trinkwasserversorgung ein ernstzunehmendes Problem.

Warum spielen Moore und Auen eine wichtige Rolle?

Moore und Auen dienen als Wasserspeicher. Sie funktionieren schwammartig: Niederschläge nehmen sie auf und geben sie langsam an die Flüsse weiter, so dass diese nicht auf einen Schlag zu viel Wasser führen.

Leider führt die derzeitige und vergangene Politik dazu, dass Auen, Sümpfe und Moore trockengelegt werden und wurden. Unsere Art der Landnutzung, die zum Beispiel intensiven Ackerbau beinhaltet, führt zu einer Entwässerung großer Flächen. Dadurch gehen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren, sondern es werden auch große Mengen an Treibhausgasen wie CO2 und Methan frei, die von Mooren und Auen zuvor gespeichert wurden. So wird die globale Erwärmung weiter angefacht.

Haben wir bald kein Trinkwasser mehr?

In Deutschland wird Trinkwasser zu etwa zwei Dritteln aus dem Grundwasser gewonnen. Die sinkenden Grundwasserspiegel können deshalb auch in Zukunft zu eingeschränkter Trinkwasserverfügbarkeit in manchen Regionen führen. Vor allem im Sommer, wenn der Bedarf besonders hoch ist, kann die Trinkwasserversorgung mancherorts möglicherweise für kurze Zeiträume nicht sichergestellt werden. Auf der Fläche gedacht ist unsere Trinkwasserversorgung aber noch nicht gefährdet.

Wir sind in den letzten Jahren zwar immer besser im Wassersparen geworden, aber mit zunehmend langanhaltenden Trockenperioden und Hitzewellen wird die Nachfrage nach Wasser insgesamt steigen, zum Beispiel für die Bewässerung in der Landwirtschaft. Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir mit unseren Wasserressourcen nachhaltig umgehen, sie schützen und nicht weiterhin mit z.B. Nitrat verschmutzen.

Was bedeutet Niedrigwasser für die Schifffahrt?

Durch extremes Niedrigwasser wird die Schifffahrt stark beeinträchtigt. Im Jahr 2018 fehlte beispielsweise dem Rhein die notwendige Fahrrinnentiefe. Dadurch konnten weniger Ladungen transportiert werden, es kam zu Lieferengpässen und zum Beispiel einem Preisanstieg von Benzin und Diesel. Teilweise musste der Transport auf dem Wasser sogar vollständig gestoppt werden.

Noch extremer sieht es an der Elbe aus – dort kann fast jährlich bis zu sieben Monate kein Transport von Gütern auf dem Wasser stattfinden. Seit den 1990er Jahren sind die Gütermengen um 90 Prozent auf unter 0,2 Millionen Tonnen pro Jahr gesunken – die Elbe ist somit als Wasserstraße unbedeutend. Trotz der fehlenden verkehrlichen Bedeutung und den negativen Auswirkungen der Vertiefungsmaßnahmen wird allerdings an der Wasserstraße Elbe festgehalten.

Die Klimakrise ist nicht alleine für die extrem niedrigen Wasserstände verantwortlich. Niedrigwasser ist auch auf den Ausbau und die Begradigung unserer Flüsse und Bäche sowie die Entwässerung der Landschaft zurückzuführen.

Wieso sind Begradigung und Aufstauen von Flüssen und Bächen schlecht für die Ökosysteme?

Durch die Begradigung der Flüsse verkürzt sich der Flusslauf, das Wasser fließt also schneller ab und stromabwärts steigt die Überschwemmungsgefahr. Der Fluss gräbt sich immer weiter in sein Bett ein, dadurch sinkt der Grundwasserspielgel auch in der Umgebung. Die Folge sind ausgetrocknete Felder oder vertrocknete Auwälder entlang der Flüsse.

Wo ein Fluss oder Bach aufgestaut wird, wärmt sich das Wasser stärker auf und die Sauerstoffkonzentration nimmt ab. Darunter leiden Wasserqualität und Artenvielfalt. Die Stauwerke beenden die Durchgängigkeit eines Flusses – nicht nur für das Geschiebe aus Kies und Sand, sondern für Wasserlebewesen jeglicher Art. So können zum Beispiel Wanderfische wie Lachs und Aal die Hindernisse wie z.B. Talsperren oftmals nicht überwinden und sind von ihren Laichgebieten abgeschnitten. Auch für den Bau von Wasserkraftwerken werden Flüsse aufgestaut. Gelangen Fische in die Turbinen, endet das meist tödlich. Wasserkraft ist also keineswegs eine grüne Energie!

Welche Folgen können zunehmende Starkregenfälle in unseren Städten haben?

Innerstädtische Gebiete haben schon jetzt bei starken Regenfällen Probleme mit der Entwässerung: Wenn viel Niederschlag in kurzer Zeit fällt, ist der Boden häufig nicht in der Lage, die gesamte Wassermenge aufzunehmen. Sturzfluten, steigende Wasserstände und Überschwemmungen sind die Folge.

Ein großes Problem ist die Versiegelung, das heißt die vollständige Bebauung, Asphaltierung oder Betonierung von Flächen. Regenwasser kann nicht direkt in den versigelten Boden einsickern, sondern wird meistens gemeinsam mit dem Abwasser in sogenannte Mischkanalisationen abgeleitet. Diese Kanalisationen sind meist aber nicht für derart hohe Wassermengen in so kurzer Zeit dimensioniert. Es kommt zu Überläufen: Schad- und nährstoffbelastetes Abwasser fließt ungeklärt in die Flüsse, Bäche oder Seen. Dies belastet nicht nur die Ökosysteme, sondern kann, wenn diese Gewässer vom Menschen genutzt werden, auch die Gesundheit gefährden.

Bei sinkender Wasserqualität drohen übrigens Badeverbote, beispielsweise aufgrund von Cyanobakterien (sogenannte Blaualgen) und erhöhten Keimzahlen. Grund dafür sind Nährstoffe und Hitze. 

Um das Wasser, das gerade in heißen Sommermonaten dringend benötigt wird, in der Stadt zu halten, sind mehr Grünflächen, welche Wasser wie ein Schwamm bei starkem Regen aufnehmen und dann verzögert wieder abgeben können, notwendig. Wenn das Wasser dann verdunstet, kühlt das übrigens auch die Innenstädte ab.

Forderungen des BUND:

  • Die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzen und den CO2-Ausstoß verbindlich reduzieren.
  • Die Wasserrahmenrichtlinie endlich ambitioniert umsetzen.
  • Der Gewässerschutz muss in allen politischen Bereichen stets mitgedacht werden.
  • Ein radikales Umdenken im Umgang mit unseren Gewässern. Anstatt die Landschaft weiter auszutrocknen (zum Beispiel durch Drainagen auf landwirtschaftlichen Flächen, welche die Böden entwässern oder durch die Zerstörung von Auen) muss das Wasser in der Landschaft auf natürliche Weise zurückgehalten werden. Damit der Grundwasserspiegel nicht weiter absinkt, müssen zum Beispiel die Wasserhaltefähigkeit der Böden geschützt und Auen renaturiert werden, Regenwasser muss vor Ort versickern, anstatt direkt in die Kanalisation abgeleitet zu werden.
Mensch, unsere Flüsse leiden
Wir haben immer mehr Hitzetage pro Jahr!
Auen trocknen aus, seltene Lebensräume verschwinden!

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Wird unser Wasser knapp?

BUNDmagazin 4/20

Nach einigen trockenen Jahren wird in vielen Regionen Deutschlands das Wasser knapp. Im Schwerpunkt dieser Ausgabe des BUNDmagazins lesen Sie, wie sehr sich der sinkende Wasserspiegel schon heute auswirkt. Und wie aus Sicht des BUND hier gegengesteuert werden muss.

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