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Unser Tipp im Oktober: Rätsch, Bätsch!

04. Oktober 2018 | Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Seine ganze Farbenpracht offenbart der Eichelhäher im Flug.  (Andyworks / iStock.com)

Dieser Vogel macht so manchen Bestimmungsversuch zunichte. Als begabter Stimmenimitator macht er uns zuweilen glauben, ein Mäusebussard, ein pfeifendes Reh, ein knarrender Ast oder sogar Hund oder Katze zu sein. Bis er sich mit seinem durchdringenden Rätschen dann doch als Wächter des Waldes höchstpersönlich zu erkennen gibt: der Eichelhäher.

Hat man den Vogel einmal entdeckt, sind alle Zweifel beseitigt. Überwiegend rosa-braun gefiedert, heben sich vor allem der schwarze Bartstreif und die intensiv schwarzblau gestreiften Federn im schwarz-weißen Flügel hervor. Besonders im Flug wirkt dieser Singvogel aus der Familie der Rabenvögel farbenfroh. Durch die unregelmäßigen Flügelschläge wirkt er lediglich etwas unbeholfen.

Bei der Nahrungssuche setzt der Eichelhäher auf Vielfalt und nutzt das saisonale Angebot. Von Frühjahr bis Herbst frisst er vor allem Tierisches wie Raupen, Heuschrecken und Spinnen oder auch kleine Wirbeltiere wie Jungvögel. Dabei ist der Häher wählerisch, prüft mit der Zunge den Geschmack und weist klebrige Nahrung oder behaarte Insekten oft zurück.

Im Spätherbst und Winter verlegt er sich auf pflanzliche Nahrung und bevorzugt dabei Nussfrüchte. Das ganze Jahr über legt der Eichelhäher Depots an. Jetzt im Oktober verbringt das Tier bis zu zwölf Stunden täglich mit der Nusssuche. Beobachtet man einen der sammelfreudigen Vögel, wird einem schnell klar, wie er zu seinem Namen kam. "Eicheln bevorzugt", lautet das Motto. Bis zu zehn Eicheln stopft er in den Schlund und transportiert eine weitere im Schnabel – um sie an Waldrändern und Lichtungen in den Boden zu stecken und grob zuzudecken.

Bei einer Untersuchung in Sachsen-Anhalt sammelte ein einzelner Eichelhäher in 20 Tagen etwa 2.200 Eicheln, was ungefähr elf Kilogramm Vorrat entspricht. Um an den essbaren Eichelkern zu gelangen, beißt er die Eicheln mit dem Schnabel auf und schält sie in einer drehenden Bewegung oft unter Zuhilfenahme der Zehen. Da der Eichelhäher nicht alle Vorratsdepots wiederfindet, keimen etliche der Samen aus. Mit dieser "Hähersaat" sorgt der Vogel für die Ausbreitung von Stiel- und Traubeneiche, Buche und Hasel.

Ein interessantes Verhalten des Eichelhähers ist das "Einemsen". Dabei sucht er baumbewohnende Ameisen auf und duckt sich mit ausgebreiteten Flügeln hinein. Die Ameisen wehren sich, indem sie Säure sprühen, die gegen Parasiten des Vogels wirksam ist.

Doch der Eichelhäher kann noch mehr! Nicola Clayton von der Universität Cambridge fand heraus, dass die Vögel sich in ihre Partnerin einfühlen und deren aktuelle Nahrungsvorliebe erkennen können. Diese Fähigkeit war bisher nur von Affen und Menschen bekannt.

Beobachtungstipp

Wo kann man den Eichelhäher wohl am besten beobachten? Natürlich auf Eichen! Sei es in Parks, Friedhöfen, Misch- oder Laubwäldern: Jetzt im Oktober ist Hauptsammelzeit, und so ist der Eichelhäher genau dort, wo Eichen, aber auch Buchen oder Haselsträucher stehen.

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin).

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