Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

OK

Die Auswirkung des virtuellen Wassers

30. September 2019 | Flüsse & Gewässer, Massentierhaltung, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Suffizienz, Landwirtschaft, Klimawandel

So viel Wasser wird zur Herstellung von Alltagsprodukten verbraucht.  (Ann-Kathrin Hahn / Das Illustrat)

Wasser sparen dürfte für die meisten von uns selbstverständlich sein. Doch am allermeisten Wasser beanspruchen die Dinge, die wir kaufen. Und da stünde uns mehr Sparsamkeit gut an.

Im Vergleich zu anderen Industriestaaten sind wir in Deutschland geradezu Meister im Wassersparen: Nur etwa 120 Liter braucht jede*r von uns pro Tag. Ganz anders stellt sich die Wassermenge dar, die sich in unserem Alltagskonsum verbirgt. Mit täglich fast 4.000 Litern "virtuellem Wasser" ist sie viel zu hoch.

Kaum zu glauben, wie viel Wasser bei der Herstellung unserer Nahrungsmittel, Kleider etc. verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Andernorts wird deshalb das Wasser knapp. Oft stammen unsere Alltagsdinge aus Regionen, die arm an Trinkwasser sind. In Brasilien verschmutzt vor allem die Kaffeeproduktion das Wasser. In Zentralasien entzogen Baumwollfelder dem Aralsee fast alles Wasser. Und in Spanien lässt der Anbau von Obst und Gemüse den Grundwasserspiegel fallen.

Äpfel statt Orangen

Unser tatsächlicher Wasserverbrauch ist also die Summe von direkt genutztem und virtuellem Wasser. Zu knapp 70 Prozent beanspruchen wir dafür Wasserressourcen außerhalb Deutschlands. Allein unser Essen: Für eine Tasse Kaffee sind 140 Liter Wasser notwendig, für ein Kilo Tomaten 180 Liter, für ein Kilo Orangen 460 Liter. Ein Kilo Äpfel braucht knapp 700 Liter, ein Liter Milch 1.000 Liter, jedes Kilo Rindfleisch sogar 15.500 Liter Wasser. Oder die Kleidung: Ein Baumwoll-T-Shirt kostet 2.700 Liter, eine Jeans satte 11.000 Liter.

Heimische Äpfel aus einer wasserreichen Gegend müssen uns kein schlechtes Gewissen machen. Problematisch ist dagegen die künstlich bewässerte Orange aus einer Wüstenregion. Ihr Anbau und Export verknappt das Wasser vor Ort und kann sich ökologisch und sozial nachteilig auswirken.

Unsere Tipps: So senken Sie den Wasserverbrauch

Um den virtuellen Wasserverbrauch ihrer Produkte zu senken, stehen Unternehmen in der Pflicht, nachhaltig und fair zu handeln. Wir alle können zudem die Nachfrage steuern:

  • Setzen Sie möglichst auf regionale und saisonale Produkte. So bieten heimische Walnüsse eine gute Alternative zu Mandeln (die vor allem aus Kalifornien kommen, wo extreme Dürre herrscht). Hilfreich: ein Saisonkalender am Kühlschrank.

  • Bio statt konventionell: Produkte mit Bio-Siegel – ohne synthetischen Dünger und Pestizide hergestellt – senken den Wasserverbrauch erheblich. Sie verschmutzen das Wasser weniger, ihre Böden sind humusreicher und speichern besser das Wasser.
  • Kleidung: Nutzen Sie Textilien länger, achten Sie auf gute Qualität, kaufen Sie secondhand, verschenken oder verkaufen Sie abgelegte Kleidung oder tauschen Sie diese gegen ein neues Lieblingsstück.
  • Essen Sie wenig Fleisch – wegen der Futtermittel zehrt es sehr viel Wasser. Wenn Fleisch, dann am besten Wild oder (regionales) Biofleisch.
  • Kaufen Sie Zitrusfrüchte möglichst von Dezember bis April (außer ganzjährig verfügbare Zitronen). Sonst stammen sie oft aus wasserintensivem Anbau etwa in Südafrika.
  • Wer Leitungswasser trinkt, spart das virtuelle Wasser, das bei Mineralwasser für die Produktion, den Transport und die Reinigung der Flaschen anfällt.
  • Kaufen Sie Recyclingpapier, es kostet nur halb so viel Wasser (und Energie und Rohstoffe).

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb