Wespennest auf Balkon oder Terrasse: Das können Sie jetzt tun

20. Juli 2026 | Naturschutz, Wildbienen

Wespennester dürfen nur in Ausnahmefällen entfernt werden, denn Wespen stehen unter Naturschutz. Wir erklären, wie Sie mit einem Wespennest umgehen können.

Wespennest Ein Nest der Faltenwespe.  (umsiedlungen / pixabay.com)

Ein Wespennest im Rolladenkasten oder in der Erde nahe des Hauses zu finden, ist für die meisten Menschen eine unangenehme Überraschung. Doch nicht alle Wespen sind Störenfriede. Nur zwei der heimischen Wespenarten lassen sich von unseren süßen und fettigen Nahrungsmitteln locken: die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). 

Die anderen Arten interessieren sich nicht für den menschliche Speisen und stören daher wenig. Wilde Bienen und Wespen sind nur aggressiv, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Zu diesen harmlosen Arten zählen beispielsweise die Feldwespe, die Mittlere Wespe sowie die Sächsische Wespe.

So erkennen Sie, welche Wespe bei Ihnen wohnt

  • Die Nester der beiden aggressiveren Arten bestehen aus muschelförmig aufgebauten Lufttaschen und sind hellbraun oder grau. Sie können bis in den Winter besiedelt sein.
  • Die Nester der harmloseren Wespen sind meistens grau, hängen frei und können so groß wie ein Fußball werden. Ab Mitte August sind die Nester meist verlassen. 

Unterschiede im Aussehen der Wespen

  • Die aggressiveren Arten fallen durch ihre starke gelb-schwarze Warnfarbe auf. Doch es gibt auch Ausnahmen: Die Sächsische Wespe etwa ähnelt sehr ihren aggressiveren Verwandten.
  • Die harmlosen Arten wie Feldwespe oder Mittlere Wespe sind relativ groß und eher braun-schwarz. Die Feldwespe erkennt man gut an den hängenden Hinterbeinen im Flug, was ein wenig unbeholfen aussieht.  

Tipp: Bei der Bestimmung ist es deshalb wichtig, sich auch die Nestbauweise anzuschauen. Im Zweifelsfall machen Sie ein Foto und begeben Sie sich auf eine vergleichende Recherche im Internet, bevor Sie etwas unternehmen. 

Tipp: Es gibt noch eine Wespenart, die wegen ihrer Größe auffällig sind: Die Europäische Hornisse (Vespa crabro). Alle Infos zum Umgang mit Hornissen finden Sie hier

Wespennester nicht entfernen

Wespennester dürfen nur in besonderen Fällen entfernt werden. Das ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Denn Wespen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Sie bestäuben unsere Pflanzen und ernähren sich von Insekten wie Blattläusen. 

Wenn ein Nest Menschen gefährdet, müssen Sie sich an Expert*innen wenden. Adressen für eine Umsiedlung können Sie bei den Umweltämtern und/oder Naturschutzbehörden der Städte und Landkreise erfragen. Für eine giftfreie Umsiedlung werden die umherfliegenden Tiere in einen Fangkasten eingesaugt, das Nest abgeschnitten und in einem Nistkasten weit entfernt wieder zusammengeführt.

Einfach aber wirkungsvoll: Blende am Nest

Ist ein Nest von einer der harmloseren Wespen gebaut, gibt es die Möglichkeit, eine Blende als Sichtschutz unter dem Nest anzubringen. Dann sehen die Wespen keine Bewegungen, fühlen sich nicht bedroht und lassen den Menschen in Ruhe. 

Für eine Blende kann zum Beispiel mit zehn Zentimeter Abstand zum Nest ein Stück Stoff gespannt und mit Klebeband fixiert werden. Das kann einfach ein altes Bettlaken oder eine alte Tischdecke sein. Alternativ können Sie ein kleines Brett zum Schutz montieren, sodass Sie das Nest nicht versehentlich erwischen. Bei Erdnestern kann ein kleiner Tunnel aus Rohren gebaut werden, um den Ein- und Ausgang zu verlegen.

Nest auf keinen Fall erschüttern

Ziehen Sie für die Arbeiten am Nest lange, dicke Kleidung an und vermeiden Sie schnelle Bewegungen. Da die Wespen dieser Arten aber nur bei Störungen direkt am Nest aggressiv reagieren, ist das Anbringen relativ ungefährlich. Sollten Sie dem Wespennest doch zu nahe kommen und angegriffen werden, ist es wichtig, sich zügig aber ruhig und vor allem ohne schnelle, fuchtelnde Armbewegungen zu entfernen. Auf keinen Fall darf das Nest erschüttert werden.

Verlassene Nester hängen lassen

Tipp: Wespen besiedeln keine verlassenen Nester und bauen auch selten neue in unmittelbarer Nachbarschaft eines alten Nestes. Deshalb ist es sinnvoll, verlassene Wespennester hängen zu lassen.

Wespen aus Räumen fernhalten

Bringen Sie Instektengitter an Ihre Fenster an – das hält auch andere Insekten wirksam fern. Wenn Wespen trotzdem in Ihre Wohnung kommen, könnte eine Öffnung nach draußen bestehen, beispielsweise an Deckenlampen, Rohrleitungen oder Kaminzügen. Dort können sich kleine Spalten oder Risse befinden. 

Wespen orientieren sich wie Fliegen am Licht. Wenn Sie einen Eindringling haben, schalten Sie alle Lampen aus, verdunkeln Sie das Zimmer, lassen Sie ein Fenster offen und warten Sie kurz. Wespen, Hornissen oder Fliegen werden sich von alleine nach draußen begeben.     

Mehr Informationen

Zur Übersicht

Hilft Ihnen der Tipp weiter?

Wussten Sie, dass wir unsere Arbeit zum größten Teil aus privaten Spenden finanzieren? Wir lassen uns nicht sponsern, unser Logo gibt es nicht gegen Geld. Dafür gibt es unabhängige und fundierte Infos für Sie. Mit einer Spende helfen Sie, unsere Arbeit zu finanzieren und trägt dazu bei, den Umwelt- und Naturschutz voranzutreiben. Jeder Betrag hilft. Vielen Dank!

BUND-Newsletter abonnieren!

BUND-Bestellkorb