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Unser Tipp im Juli: Leuchten der Liebe

03. Juli 2019 | Grünes Band, Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Vor allem zwischen 22 und 24 Uhr und am besten bei Neumond sind sie in lauen Sommernächten zu bestaunen.  (Mike Lewinski / unsplash.com)

Wenn der Waldrand erstrahlt wie ein Sternenhimmel, ist die Zeit der Glühwürmchen angebrochen. Besser gesagt: der Leuchtkäfer, denn weder handelt es sich um Würmer, noch glühen sie wirklich. Ihr Name rührt daher, dass die weiblichen Leuchtkäfer stark Würmern ähneln. Das Glühen oder treffender Leuchten haben die Käfer perfektioniert. Mussten sie auch, denn ohne Leuchten kein Sex! Von den drei in Deutschland heimischen Arten, dem Kleinen, dem Großen und dem Kurzflügel-Leuchtkäfer, kann nur das Männchen des Kleinen Leuchtkäfers fliegen und leuchten. Alle drei Arten nutzen jedoch Leuchtsignale, um sich bei Einbruch der Dunkelheit zur Paarung zusammenzufinden. Die Weibchen erklimmen einen Grashalm oder einen sonstwie erhöhten Sitzplatz. Dann beginnt die Lichtershow: Mit ihrem artspezifischen Leuchtmuster leiten die Damen wie Fluglotsen die Männchen zu sich herab. 

Das Leuchten entsteht durch eine biochemische Reaktion im Leuchtorgan der Käfer. Luciferin wird oxidiert, das entstehende Licht strahlt durch durchsichtige Felder im Hinterleib des Käfers nach außen. Dieses Phänomen wird als Biolumineszenz bezeichnet (von bios = Leben und lumen = Licht). Auf den Wirkungsgrad dieses Leuchteffektes wäre jeder Techniker neidisch – er liegt bei 95 Prozent. Was bedeutet, dass fast alle Energie in Licht umgewandelt wird und kaum Wärme als Produkt entsteht. Keine künstliche Lichtquelle hat bisher einen solchen Wirkungsgrad erreicht. Besonders hell sind die Käfer aber nicht, die abgegebene Lichtmenge beträgt etwa ein Tausendstel des Lichtes einer Kerze.

Zurück zum Käferpärchen, dessen Zweisamkeit nur von kurzer Dauer ist. Kurz nach der Paarung stirbt das Männchen, und nach der Eiablage auch das Weibchen. Im August schlüpfen die hungrigen Larven. Sie befallen Regenwürmer und bis zu 15-mal schwerere Schnecken und töten diese mit einem Giftbiss. In ein bis zwei Tagen fressen sie die Beute, wobei sich ihr Körper auf das Doppelte ausdehnen kann. Die Larven überdauern drei Winter, häuten sich mehrfach, verpuppen sich im vierten und schlüpfen dann als Käfer. Als solche nehmen sie keine Nahrung mehr zu sich, sondern leben von ihren Fettreserven.

Auch nicht-heimische Leuchtkäfer-Arten weisen eine interessante Biologie auf. So gibt es Arten, deren Larven unter Wasser leben. Andere betreiben Brutpflege. Und es gibt sogar Weibchen, die artfremde Männchen anlocken können, um diese dann zu verspeisen. Einige tarnen sich als Eidechsenkot, andere blinken synchron und bringen so ganze Busch- oder Baumreihen zum Aufblinken.

Beobachtungstipp

Leuchtkäfer bevorzugen feuchte Lebensräume wie Auwälder, nasse Wiesen, Bach- und Flussufer sowie feuchte Gebüsche oder Waldränder. Vor allem zwischen 22 und 24 Uhr und am besten bei Neumond sind sie in lauen Sommernächten zu bestaunen. An sehr dunklen Stellen sieht man manchmal auch die schwach leuchtenden Larven.

Gärtners Helfer

Die Larven der Leuchtkäfer verspeisen des Gärtners schlimmsten Feind, die Schnecke. Wer ihnen helfen möchte, kann einiges tun:

  • Lassen Sie Schnittgut liegen, errichten Sie Trockenmauern oder häufen Sie in Ihrem Garten Äste auf, um eine Warte für die Weibchen und eine Unterkunft für die Larven zu schaffen, von der sie auf Schneckenjagd gehen können.
  • Vermeiden Sie es von Mai bis August, den Rasen vollständig zu mähen, lassen Sie Krautsäume stehen.
  • Setzen Sie kein Schneckengift ein und beleuchten Sie Ihren Garten so wenig wie möglich.

Mehr Informationen

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin)

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