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11. März 2011: Reaktorkatastrophe in Fukushima-Daiichi

Erbeben und Tsunami an der Ostküste Japans führten 2011 zu Kernschmelzen in drei Blöcken des AKW Fukushima-Daiichi sowie zu mehreren Explosionen, die die Gebäude stark beschädigten.

Gefährliche Aufräumarbeiten nach der Katastrophe im AKW Fukushima; Foto: Greg Webb / IAEA Gefährliche Aufräumarbeiten nach der Katastrophe im AKW Fukushima  (Greg Webb / IAEA)

Am 11. März 2011 gegen 14:46 Ortszeit bebte rund 160 Kilometer vor der Ostküste Japans zwei Minuten lang die Erde. Kurze Zeit später erreichten die ersten Wellen den Atomkraftwerks-Komplex Fukushima-Daiichi auf dem Festland. In Folge des Erdbebens sorgten die Notsysteme für eine sofortige Abschaltung, die Notstromaggregate ersetzten die nun fehlende externe Stromversorgung.

Dass bereits von dem Erdbeben Schäden an den Reaktoren verursacht worden sind, ist offiziell nicht bestätigt, aber sehr wahrscheinlich. Eine Viertelstunde später erreichte ein durch das Erdbeben ausgelöster Tsunami mit 13 bis 15 Meter hohen Wellen das Atomkraftwerk. Die Reaktoren wurden zum Teil mehrere Meter hoch überschwemmt, die Notstromaggregate fielen innerhalb weniger Minuten komplett aus.

Aufgrund des Stromausfalls konnten die kurz zuvor abgeschalteten Reaktoren und benachbarte Abklingbecken nicht ausreichen gekühlt werden. Es kam – nach heutigem Kenntnisstand – zur Kernschmelze in den Blöcken 1,2 und 3 sowie zu – vermutlich – Wasserstoffexplosionen in den Blöcken 1 bis 4, die die Gebäude stark beschädigten.

In den folgenden Wochen konnte der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) mit internationaler Unterstützung die Lage insofern unter Kontrolle bringen, als dass die Reaktoren und Abklingbecken nun kontinuierlich gekühlt werden.

Zwischenzeitlich wurde aus der Not heraus Meereswasser (welches zu Salzablagerungen führt) in die Reaktoren geleitet. Ebenso wurden Feuerwehrlöschfahrzeuge und Wasserwerfer eingesetzt, um die sich immer wieder neu entwickelnde Hitze in den Griff zu bekommen.

Radioaktivität tritt nach wie vor aus dem havarierten Kraftwerk aus.

Folgen für die Menschen

Während der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind die gesetzlichen Grenzwerte für radioaktives Jod und Caesium im Meereswasser vorübergehend um das 50.000 bis 200.000-fache überschritten worden.

In der Folge wurde in Obst, Gemüse und Fleisch aus der Präfektur Fukushima stark erhöhte Radioaktivität nachgewiesen. In einem Radius von dreißig Kilometern mussten alle AnwohnerInnen evakuiert werden, 100.000 bis 150.000 Menschen haben das Gebiet verlassen und werden nie wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Der Störfall ist auf der INES-Skala mit der höchsten Stufe 7 (katastrophaler Unfall, bis zum März 2011 nur in Tschernobyl eingetreten).

Schätzungsweise 23 Prozent des radioaktiven Niederschlags gingen über dem japanischen Festland nieder. So kamen Menschen in ganz Japan in Kontakt mit kontaminierter Luft, Wasser und Lebensmitteln. Den wohl höchsten Strahlenbelastungen waren die MitarbeiterInnen am Kraftwerk sowie die Rettungskräfte ausgesetzt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es unter den ArbeiterInnen am Kraftwerk zu zusätzlichen Krebsfällen kommen wird. Betrachtet man die japanische Gesamtbevölkerung, ist davon auszugehen, dass – verursacht durch die Katastrophe – 9.600 strahlenbedingte Krebsfälle auftreten werden, die Hälfte davon tödlich verlaufend.

Folgen für die Umwelt

Die Langzeitfolgen für die Umwelt sind bisher nur schwer abzuschätzen, eine erste Untersuchung haben namhafte WissenschaftlerInnen aus Deutschland vorgestellt: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima wird weitreichende Folgen für den Pazifik und die dort vorhandenen Lebensräume haben. Die Messwerte von Tepco und dem japanischen Wissenschaftsministerium zeigen, daß das Meer um Fukushima hochgradig verseucht ist. Es ist davon auszugehen, daß sich die radioaktiven Substanzen weiträumig verteilen und in den Nahrungsketten von unten nach oben anreichern werden.

Ein großes Problem ist die Kühlung der geschmolzenen Kerne durch Einleitung von Wasser, um noch Schlimmeres zu verhindern: Durch undichte Stellen in den Sicherheitsbehältern und Abklingbecken gelangt kontaminiertes Kühlwasser permanent in die Umwelt. Die WissenschaftlerInnen fordern ein flächendeckendes Netz unabhängiger Messstationen und epidemiologische Untersuchungen, die Neubewertung von Grenzwerten, sowie den weltweiten Ausstieg aus der Kernenergie.

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Ihr Ansprechpartner

Thorben Becker

Leiter Atompolitik
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