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Welt-Asthma-Tag 2017: Wenn die Luft zum Atmen fehlt

02. Mai 2017 | Mobilität, Ressourcen & Technik

Zum Welt-Asthma-Tag unterstützt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. unseren Protest gegen Stickoxide und erläutert Studien zu Diesel und Atemwegserkrankungen.

BUND-Protest vor dem Bundesverkehrsministerium.  (J. Farys/BUND)

Pro Jahr sterben etwa 10.600 Menschen vorzeitig aufgrund von Stickoxiden. Der Diesel-Pkw ist Hauptverursacher von Stickoxiden in den Städten. Trotzdem werden jeden Tag 3.500 neue Diesel-Pkw verkauft, die noch jahrelang unsere Luft vergiften werden. Wir fordern Verkehrsminister Alexander Dobrindt auf, endlich zu handeln.

Zum Welt-Asthma-Tag befragten wir Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB) zum Zusammenhang zwischen Stickoxiden und Asthma. Die Diplom-Biologin ist beim DAAB-Team in der Patientenberatung tätig.

Was ist Asthma?

Anja Schwalfenberg: Asthma ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der unteren Atemwege. Dabei kommt es zur Entzündung der Bronchialschleimhäute. Sie schwellen an und sondern zähen Schleim ab. Dies führt dazu, dass sich die Bronchien verengen. Das Ausatmen wird dabei erschwert, es kann zu Atemnot kommen, die anfallsartig auftritt. Typische Beschwerden sind ständiger Husten, Giemen, pfeifende Atemgeräusche, Engegefühl in der Brust  und eine anfallweise auftretende Atemnot. Eine konsequente und frühzeitige Therapie ist notwendig.

Jetzt gegen giftige Stickoxide protestieren

Wie sehen Sie den Zusammenhang zwischen Stickoxiden und Atemwegserkrankungen?

Anja Schwalfenberg: Stickoxide und weitere Verkehrsemissionen fördern Atemwegserkrankungen. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat hierzu in einer Publikation („Gesundheitliche Wirkungen der NO2-Belastung auf den Menschen“) bereits im Mai 2015 die bis dahin bestehenden Studien zusammengestellt. Demnach ist „eine mögliche Ursache für die an verkehrsreichen Standorten nur schwach sinkende Konzentration von NO2, die Zunahme des Anteils an Personenwagen mit Dieselmotor, welche mehr Stickstoffdioxid ausstoßen als Autos mit Benzinmotoren.“

Anja Schwalfenberg: Laut der Studienzusammenstellung des Schweizer Bundesamtes zeigten besonders Studien, die die örtliche Belastung mit Stickoxiden bzw. Verkehrsabgasen untersuchten, auch einen Zusammenhang mit der Häufigkeit von Asthma. Weitere Studien belegen, dass Ozon die Atemwege reizt, wobei für die Ozonentstehung besonders auch Stickoxide verantwortlich sind. Andere Untersuchungen stellten fest, dass Luftschadstoffe Allergene „aggressiver“ machen können, also das Allergen in Pollen etwa so verändern können, dass allergische Reaktionen stärker auftreten.

Die Analysen der sogenannten Wasem-Studie (2013), die eine umfassende Patientenkohorte zu allergischen Erkrankungen der Atemwege untersuchte, zeigen einen Anstieg der Patienten mit allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) und Asthma. Neben weiteren Ursachen wie einer nicht ausreichenden Versorgung der Patienten, könnte auch eine hohe Schadstoffbelastung durch den Autoverkehr ein möglicher Grund dafür sein.  

Hier unterschreiben zum Schutz von Asthmatikern

Würden Sie einem Asthmatiker empfehlen, umzuziehen, wenn die Belastungen an dem Wohnort zu groß sind?

Anja Schwalfenberg: Das hängt von den Ursachen des Asthmas ab. Sollten die Beschwerden durch eine schlechte Luft am Wohnort getriggert werden, und eine merkliche Besserung außerhalb von Ballungsgebieten zu spüren sein, kann ein Wohnortwechsel womöglich tatsächlich eine gute Idee sein. Manchmal hilft vielleicht auch schon ein Wohnortwechsel in einen anderen Stadtteil oder in eine Wohnung an einer ruhigeren Straße, weil dort die Luft besser ist, als im Umfeld einer sehr stark befahrenen Straße. 

Was fordern Sie anlässlich des Diesel-Skandals?

Anja Schwalfenberg: Bei den Diskussionen zum Abgasskandal gerät die gesundheitsschädigende Wirkung von Verkehrsabgasen oft zur Nebensache. Dabei gibt es kurzfristige und langfristige Folgen bei Stickstoffdioxid-Belastungen. Beim Skandal um Abgasmanipulationen bei VW war von siebenfach überschrittenen Grenzwerten die Rede. Inzwischen wissen wir, nicht nur VW, sondern auch andere Firmen der Automobilindustrie sind in den Abgasskandal verwickelt. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat auch bei den PKWs anderer Hersteller erhöhte Abgaswerte gefunden. Stickoxid-Messungen sollen manipuliert, CO2-Werte zu niedrig angegeben worden sein.

Gesundheit ist keine Nebensache. Jetzt handeln!

In einer Stellungnahme des Umweltbundesamtes wird schon Ende der 1990er Jahre darauf hingewiesen, dass die Schadstoffemissionen der Autos höher sind als die sogenannten Typprüfwerte. Das Umweltbundesamt hat zudem im letzten Jahr darauf hingewiesen, dass sich die Luft in den Städten in den letzten 15 Jahren nicht verbessert hat.

Hier fragt man sich, warum daher bisher keine Konsequenzen erfolgt sind. Das unverantwortliche Handeln der Autokonzerne aber auch die stillschweigende Duldung der Grenzwertüberschreitungen durch politische Entscheider wird von vielen Verbraucher*innen als eine Art Körperverletzung empfunden. „Die Gesundheit sollte immer über dem wirtschaftlichen Profit stehen“, so einer der Kommentare, die den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) hierzu erreichten und dem wir uns voll und ganz anschließen.

Dazu gilt es auch die Frage zu klären, welche zukünftigen Regelungen geschaffen werden müssen, damit Stickoxid-Grenzwerte auf der Straße tatsächlich in Zukunft eingehalten werden. Trotz des Abgasskandals überschreiten selbst moderne Euro-6-Diesel-Fahrzeuge die Grenzwerte auf der Straße im Schnitt um das Sechsfache. Das haben aktuelle Messungen des Umweltbundesamtes ergeben. Es muss also nun endlich im Sinne des Gesundheitsschutzes gehandelt werden.

Fordern Sie mit uns Verkehrsminister Dobrindt auf, endlich zu handeln!

 

Mehr Informationen und Hilfe für Asthmatiker

Ratsuchende können sich zu den Themengebieten (Allergien, Asthma, Neurodermitis, Urtikaria, Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen) auch an die Beratungshotline des DAAB wenden oder per E-Mail Fragen stellen:

Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB), An der Eickesmühle 15-19, 41238 Mönchengladbach
Beratungstelefon:  (0 21 66) 6 47 88-88 oder
01 80 5 05 21 21 (14 Cent aus dem Festnetz pro min),
Montag bis Donnerstag von 9 bis 12 Uhr
 

Mehr Informationen zu Diesel und Stickoxiden

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