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Nach BUND-Test zu Hormongiften in Kassenbons: Betriebsrat der Modekette Zara schaltet sich ein

07. Juni 2018 | Chemie

Ein BUND-Test hatte 2016 die Hormongifte Bisphenol A und Bisphenol S in Kassenzetteln von Zara und anderen Unternehmen nachgewiesen. Alarmierte Verdi-Betriebsräte werfen der deutschen Geschäftsleitung des Modegiganten nun zu Recht vor, seither nichts zum Schutz der Beschäftigten unternommen zu haben.

In Kassenbons können Bisphenol A und S enthalten sein: hormonelle Schadstoffe, die mit schweren Gesundheitsschäden in Verbindung gebracht werden.  (artisteer / iStock.com)

"Hormongift in Kassenzetteln? Wie kann das sein?" Diese Fragen warf der Betriebsrat der Gewerkschaft Verdi in einer bayerischen Filiale der Modekette Zara Mitte Mai 2018 in einem öffentlichen Blog auf. Und auch die Antwort ist dort nachzulesen: Zara verwendet für die Kassenbons ein Thermopapier, das Bisphenol S (BPS) enthält, eine mit dem Hormongift Bisphenol A (BPA) verwandte Chemikalie mit ähnlich gefährlichen Eigenschaften.

Die zu Recht aufgebrachten Gewerkschaftler nehmen dabei Bezug auf BUND-Analysen vom Mai 2016, die für Kassenbons von Zara einen BPS-Gehalt von 140 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) ergeben hatten. Insgesamt 14 von 19 untersuchten Proben enthielten BPA oder BPS. Darunter waren auch Kassenbons von Shell- und Aral-Tankstellen sowie der Drogeriekette Rossmann und Eintrittskarten von Cinestar-Kinos. Die betroffenen Unternehmen wurden vom BUND umgehend über die Ergebnisse informiert und aufgefordert, das belastete Thermopapier nicht mehr zu verwenden.

BPA und BPS können auch über die Haut in den Körper gelangen und in sehr geringen Mengen ihre Wirkung entfalten. Für BPA-haltiges Thermopapier wurde im Herbst 2016 ein EU-weites Verbot beschlossen wegen nicht vertretbarer Gesundheitsrisiken bei berufsbedingter Belastung, insbesondere für Kassierer*innen. Das Verbot tritt 2020 in Kraft. Etliche Hersteller dürfen das ebenso schädliche BPS aber ungestraft als Ersatzstoff verwenden, weil es noch nicht alle für ein Verbot erforderlichen Standardtests durchlaufen hat.

Zu Recht wirft der Verdi-Betriebsrat deshalb dem Zara-Management vor, seit Jahren über die Gesundheitsgefahren informiert zu sein und dennoch nichts unternommen zu haben. Es werde "billigend in Kauf genommen", dass "Beschäftigte ihre Gesundheit ruinieren, wenn sie jahrelang tagtäglich hunderte Belege in den Händen halten müssen", die nicht einmal als normales Papier entsorgt werden dürften, heißt es in dem Verdi-Blog.

Tatsächlich wird – bislang mäßig erfolgreich – versucht, mit Bisphenolen kontaminiertes Thermopapier aus dem Papierrecycling herauszuhalten. So wurden beispielsweise schon hoch mit BPA belastete Pizzaboxen aus Recyclingpapier von staatlichen Prüfstellen beanstandet. Kassenbons gehören deshalb in den Restmüll, nicht in die Papiertonne.

Neben der direkten gesundheitlichen Belastung hat Verdi deshalb auch die Frage der sachgemäßen Entsorgung thematisiert. Auch hier besteht nach Angaben der Gewerkschaftsvertreter*innen nach wie vor dringender Handlungsbedarf in den Zara-Filialen. Aus Sicht des BUND zeigt dieser Fall, dass bei der gesetzlichen Regulierung ganze Chemikaliengruppen statt wie bislang Einzelstoffe erfasst werden müssen. Nur so kann verhindert werden, dass ein Schadstoff durch einen anderen ersetzt wird.

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