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Leih Dir was!

12. September 2016 | Ressourcen & Technik, Nachhaltigkeit, Suffizienz

Als ich in meinem Garten stehe und den Rasenmäher, den meine Vorgänger mir netterweise überlassen haben, zur Hand nehme – stutze ich. Links neben mir und rechts neben mir wird: auch gerade Rasen gemäht. Und von irgendwo hinten dröhnt es ebenfalls mehrfach rasenmähermäßig. Das gibt’s doch nicht: In meiner Kleingartenanlage mit ca. 50 Parzellen besitzt wahrscheinlich jeder Gartenfreund und jede Gartenfreundin einen eigenen Rasenmäher! Und das für die paar Quadratmeter Rasen! Nee, das ist ja überhaupt nicht sinnvoll und so was von ressourcen- und geldverschwenderisch, denke ich mir und schlage einen Artikel über das Teilen bzw. Leihen von Gegenständen für StadtLandGlück vor. Und voilà – hier ist er.

Briefkasten-Aufkleber von Pumpipumpe

Von Almut Gaude

Bei meiner Recherche zum Thema Leihen und Teilen von Gegenständen bin ich auf zwei besonders interessante Projekte gestoßen: Pumpipumpe und den Leila.

Pumpipumpe – mehr als ein schöner Name

Die Idee des von Schweizer Designer*innen erdachten Onlineportals Pumpipumpe (was für ein schöner Name!) ist so simpel wie genial. Ob Bohrmaschine, Fahrradpumpe, Mixer oder Rasenmäher, wenn du Gegenstände hast, die du verleihen möchtest, kannst du dir über www.pumpipumpe.ch Aufkleber mit den entsprechenden Motiven bestellen. Die klebst du dann einfach an Deinen Briefkasten und schwupps! – wissen die Nachbarn, welche Geräte sie sich bei dir ausleihen können. Damit man als Ausleiher nicht umständlich durch diverse Treppenhäuser stiefeln muss, um herauszufinden, wo man welche Gegenstände bekommt, gibt es auch noch eine Online-Karte. Auf der sieht man, wo im Kiez gerade welche Dinge auszuleihen sind.

Das Projekt wird von dem Verein Pumpipumpe getragen, der sich "für einen bewussten Umgang mit Konsumgütern und mehr soziale Interaktion in der Nachbarschaft" einsetzt. "Das Leihen und Ausleihen von Dingen, die man nur selten braucht, soll gefördert werden." Und das funktioniert. 18.000 Haushalte nehmen europaweit bereits an dem Projekt teil und auf der Online-Karte findet man darüber hinaus sogar in Detroit, Sao  Paulo, Kyoto und Melbourne Sticker-Nutzer.

Vom Umweltnutzen des Teilens

Leilas wiederum sind Leihläden, zu denen man (funktionstüchtige!) Gegenstände bringen kann, die man nur selten braucht und die dort dann von anderen Nutzern umsonst ausgeliehen werden können. Im Jahr 2012 eröffnete Nikolai Wolfert den ersten ehrenamtlich geführten Leila in Berlin, inzwischen gibt es sie auch in Heidelberg, Hamburg, Leipzig, Wien, Graz und Innsbruck – und sogar ein Pendant in London.

Im Berliner Leila muss man Leihmitglied werden, um Dinge ausleihen zu können. Das geht aber ganz einfach, indem man einen Mitgliedsbeitrag von einem bis drei Euro pro Monat zahlt und einen Gegenstand mitbringt. Das umfangreiche Sortiment reicht von der Eis-Maschine über die Babyschale bis hin zum Badmington-Netz. Der Laden läuft sehr gut – über 950 Leihmitglieder hat der Berliner Leila inzwischen.

Für den Gründer Nikolai Wolfert steht der Umweltnutzen des Teilens im Vordergrund: "Generell ist Wiederverwenden ein Beitrag zur Abfallvermeidung. Es gibt so viele Dinge bei jedem zuhause, die selten bis nie genutzt werden. Ein riesiges Potential, das einfach verschwendet wird und viel besser durch Teilen genutzt werden kann." Um die Idee weiter zu verbreiten, arbeitet Wolfert nun an einer Plattform, die es Initiativen erleichtern soll, eigene Leilas zu gründen. Unterstützung von der Stadt Berlin bekommt er bei seinem Projekt leider nicht. Allerdings hofft er auf eine Förderung durch den Bund, der Klimaschutzinitiativen auf Nachbarschaftsebene unterstützt.

Natürlich gibt es auch Online-Plattformen zum Leihen/Ausleihen – hier sei auf
das gemeinnützige Portal Fairleihen verwiesen, das sich als eine Art "Wikipedia" versteht, mit dem Unterschied, dass nicht Wissen, sondern Sachen geteilt werden. Eine umfangreiche Liste an Plattformen zum Thema Teilen/Leihen/Tauschen/Schenken gibt es hier.

Wie können Städte gemeinsame Nutzung fördern?

Kommunen, die das Teilen noch nicht so auf dem Schirm haben, könnten einen Blick nach Südkorea werfen und sich dort ein wenig inspirieren lassen. Dort hat der Bürgermeister von Seoul die Stadt zur "Sharing City" ausgerufen – und ein umfangreiches Programm zur Förderung des Teilens und gemeinsam Nutzens aufgelegt. So werden den Bewohnern u.a. Gebäudeflächen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung gestellt oder auch Initiativen finanziell unterstützt, die sich im Bereich des Teilens von Produkten und Dienstleistungen engagieren möchten. Aber auch in Deutschland gibt es ein schönes kommunales Projekt zum Thema Teilen: So hat die Stadt Ludwigshafen eine Online-Börse zum Verschenken und Tauschen von Gegenständen ins Leben gerufen. Damit will die Stadt einen Beitrag zu Abfallvermeidung, Nachhaltigkeit und für eine soziale Stadt leisten, wie auf der Seite zu lesen ist. Na, das ist doch mal was!

So, ich bestell mir jetzt einen Rasenmäher-Sticker. Adieu!

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