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Landwirtschaft: Abkehr von Exportstrategie notwendig

04. August 2017 | Massentierhaltung, Landwirtschaft, Bundestagswahl

Die Nutztierhaltung wurde in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland stark ausgebaut. Immer mehr Produkte werden für den Export produziert, wie ein aktueller Bericht des Landwirtschaftsministeriums zeigt. Die derzeitige Bundesregierung setzt auf weitere Wachstums- und Exportsteigerungen. Erhebliche Defizite im Tier- und Umweltschutz sind die Folge. Die nächste Regierung muss die Missstände in der Landwirtschaft endlich beheben.

Die deutschen Schlachthöfe feiern Rekorde – doch zu welchem Preis?  (marina_karkalicheva / iStock.com)

Laut dem aktuellen Exportbericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) hat Deutschland 2016 Agrarprodukte im Wert von über 70 Milliarden Euro exportiert – etwa ein Drittel der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Exporte sogar noch steigern: "Um wettbewerbsfähige landwirtschaftliche Betriebe zu erhalten, braucht unsere Agrar- und Ernährungswirtschaft auch Wachstum im Export", so Merkel gegenüber der Fachpresse. Dies würde, so die Kanzlerin, Arbeitsplätze schaffen und Wohlstand generieren. Doch das stimmt für die Mehrzahl der Betriebe und für die Umwelt nicht.  

Exporte in der Landwirtschaft haben fatale Folgen

Schon jetzt zeigen sich die fatalen ökologischen und sozialen Folgen dieser Politik. Laut Agrarexportbericht 2017 hatten beispielsweise Milch und Fleisch im vergangenen Jahr einen Anteil von 65 Prozent bei den Exporten nach China. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Agrarexporte nach China fast verdreißigfacht! Aus Sicht des BUND ist diese agrarpolitische Ausrichtung auf eine Billig-Überproduktion unverantwortlich – denn bei den Bäuerinnen und Bauern kommt der versprochene Geldsegen nicht an. Im Gegenteil: Während in deutschen Schlachthöfen traurige Rekorde "gefeiert" werden, geht das Höfesterben unvermindert weiter.

Ein paar Zahlen, um dies zu verdeutlichen:

  • Im Jahr 2016 wurde in Deutschland mehr geschlachtet als je zuvor: Insgesamt 8,25 Millionen Tonnen Fleisch wurden hierzulande produziert. Und das, obwohl der Fleischkonsum in Deutschland kontinuierlich sinkt und der Grad der Selbstversorgung beim Fleisch bei fast 120 Prozent liegt.
  • Die Ausrichtung auf eine Billig-Überproduktion ist verantwortlich dafür, dass den Landwirt*innen seit Jahren keine ausreichenden Erzeugerpreise gezahlt werden. Viele Betriebe sind deshalb zur Aufgabe gezwungen. Beispiel Schweinemast: Während 2015 mit 28,1 Millionen gehaltenen Schweinen ein deutscher Höchstwert aufgestellt wurde, ging die Anzahl der Betriebe gleichzeitig um etwa fünf Prozent zurück.

Die Exportorientierung der deutschen Agrarpolitik führt letztlich zu einer Intensivierung der Tierhaltung. Denn Betriebe können nur überleben, wenn sie in Massen produzieren. Fleisch kann also nur so billig sein, weil die Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Und während das Fleisch zunehmend für den Export produziert wird, belastet die Gülle hierzulande die Gewässer mit Nitrat. Die Umweltkosten der Massentierhaltung werden auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Ähnlich ist die Entwicklung im Milchsektor. Mit dem Ausstieg aus der Milchquote und den Einstieg in den scheinbar unendlichen Wachstumsmarkt sind die Milchpreise seit 2015 in den Keller gegangen. Laut BMEL-Exportbericht haben sich die niedrigen Preise negativ auf den Ausfuhrwert ausgewirkt. Auch hier blieben also die versprochenen Gewinne für die Betriebe aus – und der ruinöse Wettbewerb kostet Existenzen. Allein 2016 gaben rund vier Prozent der Milchkuhhalter*innen auf, da kaum ein Betrieb 2015/16 seine Kosten von 30 bis 60 Cent pro Liter decken konnte.

Die neue Bundesregierung ist gefordert, wirksame Regeln gegen die Dumpingpreise zu setzen. Ruinösen Erzeugerpreise bremsen Tierschutzinitiativen aus, schaden der Umwelt und befeuern den Agrarstrukturwandel.

Der BUND fordert:

  • Die Ausrichtung der Tier- und Milchproduktion auf den Export muss beendet werden.
  • Die Nutztierhaltung muss umgebaut werden: Tiergerechtere Haltung, z.B. Weidehaltung, muss gefördert und Massentierhaltung eingedämmt werden.
  • Die Milcherzeugung muss gesteuert und entsprechend der Marktlage in Deutschland an den Inlandsbedarf angepasst werden. Außerdem muss eine besonders tiergerechte Weidehaltung stärker gefördert werden.

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