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Kreislaufwirtschaft: Ressourcen effizienter nutzen

07. Mai 2014 | Ressourcen & Technik

Aktuell landen bis zu 60 Prozent der Siedlungsabfälle in der EU auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen, anstatt recycelt, wiederverwertet oder instandgesetzt zu werden. Das neue EU-Parlament kann bewirken, dass Bürger und Unternehmen in Europa künftig effizienter mit natürlichen Ressourcen umgehen.

In der EU werden bislang nur maximal 40 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt.  (airborne77 / Fotolia.com)

In dem Bericht "Die Rolle des Europäischen Parlaments 2014–2019 auf dem Weg zu einem ressourcenschonenden Europa" appelliert der BUND gemein­sam mit Friends of the Earth Europe an die neu gewählten EU-Parla­men­tarier, eine zukunftsfähige europäische Ressour­cen­politik voranzutreiben, und spricht hierfür elf konkrete Empfehlungen aus. Hierzu zählt beispielsweise die Einführung von europaweit ermittelten "Fußabdrücken" für Kohlendioxid (CO2), Land, Material und Wasser.

Allein während der vergangenen zehn Jahre sind die Rohstoffpreise um etwa 150 Prozent gestiegen. Zugleich werden in der EU bislang nur maximal 40 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt. Angesichts dieser Zahlen ist es geradezu fahrlässig, dass es in der EU noch immer keine einheitliche und stabile politische Lösung zur Ressourcen­nutzung gibt.

Ob in der Europäischen Union künftig effizienter mit natürlichen Ressourcen umgegangen wird, haben nun die im Mai 2014 neu gewählten Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEP) in der Hand. Mit den Entscheidungen, die sie während ihrer Amtszeit treffen, könnten sie erhebliche Verbesserungen für unsere Umwelt bewirken, Europa unempfindlicher machen gegen schwankende Kosten von Rohstoffen und Ressourcen – und etwa eine halbe Million neuer Arbeitsplätze schaffen.

Bis zum Jahr 2019 hat das Europäische Parlament verschiedene Möglich­keiten, eine zukunftsfähige Politik zur Ressourceneffizienz auf den Weg zu bringen. Insbesondere wenn über das von der Kommission am 2. Juli 2014 vorgestellte Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft debattiert und abgestimmt wird, haben die neuen MdEP die Möglichkeit, dringend notwendige Veränderungen zu bewirken, indem sie Aspekte der Ressourceneffizienz einbeziehen.

Seit die Europäische Kommission im September 2011 den "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" veröffentlicht hat, steckt die Debatte um den Ressourcenverbrauch in akademischen Argumenten fest. Die derzeitige europäische Ressourcenpolitik ist fragmentiert, schwammig und lässt kein konkretes Ziel erkennen. Sie leidet unter der Aufteilung von Zuständigkeiten innerhalb der Europäischen Kommission und lässt daher keine einheitliche und abgestimmte Herangehensweise zu.

Dabei ist ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen für eine zukunftsfähige Ressourcenpolitik dringend notwendig – und die Schritte dorthin lassen sich konkret benennen:

  1. Der Ressourcenverbrauch der EU muss bemessen und verringert werden.
  2. Eine funktionierende Kreislaufwirt­schaft muss entstehen.
  3. Auch Unternehmen müssen ihren Teil beitragen.

Verbrauch messen: Fußabdruck für CO2, Land, Material und Wasser

Vorbild für eine europäische Ressourceneffizienz-Politik könnte die EU-Klimapolitik sein: Diese basiert auf der Bemessung von Treibhausgas-Emissionen und dem Erreichen von Reduktionszielen. Ähnlich müsste die EU auch ihren Ressourcenverbrauch anhand messbarer Indikatoren auf noch festzulegende verbindliche Reduktionsziele drosseln. Allerdings: Bislang ist nicht einmal genau bekannt, von welchen Rohstoffen und Ressourcen die EU abhängig ist und in welchen Mengen diese verbraucht und benötigt werden.

Leider hat der von der EU-Kommission vorgeschlagene Leitindikator Ressourcenproduktivität eine zu geringe ökologische Aussagekraft und wird verzerrte Ergebnisse liefern. Insbesondere Länder mit hohem oder steigendem Bruttoin­lands­produkt könnten als besonders effizient gelten, obwohl ihr Ressourcen­verbrauch unverändert hoch ist.

Maßnahmen der EU-Kommission zur Vermeidung von Abfall und zur Steigerung der Effizienz entlang der gesamten Lieferkette von Produkten sind erste positive Schritte. Es muss jedoch unbedingt vermieden werden, dass diese Effizienzsteigerungen zum sogenannten "Rebound-Effekt" führen, also zu einem gesteigerten Verbrauch. Daher muss die EU ihre Ressourcennutzung über einen aussagekräftigeren Leitindikator wie beispielsweise den Gesamten Rohstoffverbrauch (Total Material Consumption, TMC) und weitere so genannte Fußabdruckindikatoren messen und deutlich verringern: für Kohlendioxid (CO2) ebenso wie für Land, Material und Wasser. Es ist daher auch erforderlich, dass eine Einigung auf verbindliche absolute Reduktionsziele für den Ressourcenverbrauch erfolgt.

Nur mit solchen auf dem tatsächlichen Verbrauch basierenden Messmethoden kann die Gesamtmenge der verwendeten Ressourcen erfasst und der gesamte Lebenszyklus eines Produktes betrachtet werden – inklusive des als "indirekt" oder "virtuell" bezeichneten Ressourcenverbrauchs, der bei der Herstellung eine Rolle spielt. So beträgt beispielsweise der "Wasser-Fußab­druck" eines T-Shirts zurzeit durchschnittlich 2.700 Liter, die nicht nur in der EU verbraucht werden. T-Shirts werden – ebenso wie viele andere Produkte – vielfach außerhalb der EU produziert, wo auch die Rohstoffe und Ressourcen zum Einsatz kommen.

Die Bemessung von Fußabdrücken als Indikatoren hätte nicht nur den Vorteil der Vergleichbarkeit, sondern könnte auch bei der Politikfolgen-Abschätzung genutzt werden, beispielswiese bei der Bewertung von Agrotreibstoffen, um die Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch abzuschätzen.

Kreislaufwirtschaft statt Müllde­po­nien und Verbren­nungsan­la­gen

Aktuell landen bis zu 60 Prozent der Siedlungsabfälle in der EU auf Deponien oder in Verbrennungsanlagen. Europa verschwendet somit jedes Jahr teure Ressourcen im Wert von etwa fünf Milliarden Euro und macht sich zugleich von Primärrohstoffen abhängig, die importiert werden müssen und deren Kosten tendenziell steigen. Diese Politik steht dem Ziel zuwider, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren und das Restabfallauf­kommen auf null zu reduzieren – wie im "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" festgelegt. Mülldeponien und Verbrennungsanlagen verhindern nicht nur, dass Rohstoffe wiederverwendet werden, die sich bereits im wirtschaftlichen Kreislauf befinden, sondern auch, dass bis zu 500.000 neue Arbeitsplätze im Bereich Recycling und Wiederverwertung geschaffen werden können.

Die von der Kommission im Kreislaufwirtschaftspaket vorgeschlagene Erhöhung der Recyclingziele auf 70 Prozent für Siedlungsabfälle und auf 80 Prozent für Verpackungen weist den Weg in die richtige Richtung. Durch Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Instandsetzung und Recycling sparen wir Energie, schonen unser Klima und vermeiden Schadstoffbelastungen – ganz abgesehen von den positiven wirtschaftlichen Effekten. Doch wurden diese Möglichkeiten bislang nicht genutzt, obwohl die benötigten Investitionen durch die positiven Effekte mehr als ausgeglichen werden. Die neuen MdEPs können dies ändern: Im Rahmen der Überprüfung der Abfallpolitik durch die Europäische Kommission können sie das europäische Ressourcenmanagement entscheidend beeinflussen, indem sie es mit den Zielen der Strategie für ein ressourceneffizientes Europa in Einklang bringen. Dies ist die Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.

Unternehmen müssen ihren Teil bei­tra­gen

Die Gesetzgebung der EU zielt zwar darauf ab, Unternehmen ressourceneffizienter zu machen, doch vielerorts hat sich nichts verändert. Daher ist es besonders wichtig, Unternehmensmodelle zu unterstützen, die beispielsweise Leasing, Reparaturen, Instandsetzung sowie Wiederverwendung fördern und dadurch auch neue Arbeitsplätze in Europa schaffen. Unternehmen müssen ihren Ressourcenverbrauch bemessen und reduzieren. Über die Einführung von Langzeit-Garantien für alle Produkte können zusätzliche Anreize für Hersteller geschaffen werden, Produkte langlebiger zu konstruieren und Nachrüstungen zu ermöglichen.

Der BUND und Friends of the Earth Europe empfehlen den MdEP, sich insbesondere für folgende Maßnahmen einzusetzen:

  1. Bemessung von CO2-, Wasser-, Material-und Land-"Fußabdruck" in der EU und deren Mitgliedsstaaten,
  2. Festlegung von verbindlichen Ressourcenreduk­tionszielen, um "Rebound-Effekte" zu vermeiden und somit den maximalen Nutzen zu erreichen,
  3. Verwendung der vier Fußabdruck-Indikatoren in Folgeab­schätzungen von geplanten politischen Maßnahmen,
  4. Einführung eines Ziels zur Reduktion des Restabfallauf­kommens auf null,
  5. Einführung einer verpflichtenden Getrennt­samm­lung von Abfällen, insbesondere auch für Bioabfälle aus Haushalten und Gewerbe,
  6. Anhebung der Recyclingraten auf jeweils mindestens 70 Prozent für die wichtigsten Materialien (Papier, Glas, Plastik, Metall und Bioabfall),
  7. Einführung des Verbots von Mülldeponien und der Müllverbrennung bis 2025 und eines Finanzierungstopps für derartige Anlagen über die Kohäsions- und Struktur­fonds der EU,
  8. Unternehmen verpflichten, ihren CO2-, Wasser-, Material-und Land-Fußabdruck zu bemessen und den Verbrauch zu verringern,
  9. Leitlinien für Unternehmen zur Bemessung und Reduktion des Ressourcenverbrauchs vorgeben, wie sie bereits im Zuge der geplanten Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Informationen durch Unternehmen vorgesehen sind,
  10. die Einführung einer zehnjährigen Garantiefrist für alle elektrischen und elektronischen Geräte,
  11. neue Geschäftsmodelle wie Leasing bewerben und Reparatur, Instandsetzung sowie Wiederverwendung zur Norm in Europa machen.

Informationen und Rückfragen bei:
Rolf Buschmann
BUND-Referent Technischer Umweltschutz
Am Köllnischen Park 1
10179 Berlin
Tel. (030) 2 75 86-482

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