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Fipronil-Skandal: Massentierhaltung besonders betroffen

18. August 2017 | Landwirtschaft, Massentierhaltung, Umweltgifte

Die Aufarbeitung des Fipronil-Skandals, bei dem das Insektizid Fipronil aufgrund einer illegalen Beimischung in Reinigungsmittel für Ställe in Millionen Hühnereier gelangt ist, zeigt, dass Betriebe mit Massentierhaltung überproportional betroffen sind.

 (422737 / pixabay.com)

Nach Angaben des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT e.V.), für die Herkunftssicherung von Eiern aus Boden-, Freiland- und Biohaltung in Deutschland und dem benachbarten Ausland zuständig, halten 83 Prozent der nach heutigem Stand vom Fipronil-Skandal betroffenen 147 niederländischen, deutschen und belgischen Betriebe mehr als 15.000 Legehennen. Bei den vier betroffenen deutschen Betrieben handelt es sich laut Aussagen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ebenfalls um Großbetriebe: zwei Freilandbetriebe mit je ca. 40.000 Hennen, ein Bodenhaltungsbetrieb mit 28.800 Tieren sowie ein Biobetrieb mit 18.000.

Auch wenn es sich beim Fiprinol-Skandal um das Ergebnis von illegalen Machenschaften und krimineller Energie handelt, so zeigt der Vorfall ein weiteres Mal die Anfälligkeit der industriellen Tierhaltung für solche Vorkommnisse. Denn die Intensivierung mit steigenden Tierzahlen geht auch mit einer Spezialisierung und Arbeitsteilung einher. Viele Arbeitsschritte wie die Erzeugung von Futter oder die Säuberung der Ställe, die ein bäuerlicher Betrieb zumeist selber durchführt, werden an andere spezialisierte Unternehmen ausgelagert. Damit verlieren die einzelnen Landwirte aber auch den Überblick und die Kontrolle über den gesamten Erzeugungsweg der Produkte.

Hinzu kommt: Vorfälle auf großen Betrieben haben eben auch eine große Wirkung auf den Lebensmittelmarkt. So produzieren die zwischenzeitlich in den Niederlanden gesperrten 180 Legehennenbetriebe 40 Millionen Eier pro Woche. Diese wurden in 17 Länder exportiert. Aufklärung und Nachverfolgung dauern entsprechend lang und benötigen ausreichende personelle und finanzielle Kapazitäten von der Kreis- bis zur EU-Ebene.

Aber nicht nur wegen der Anfälligkeit der Massentierhaltung für Lebensmittelskandale, sondern auch wegen ihrer massiven Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Tierschutz fordert der BUND den Umbau der Landwirtschaft hin zu ökologisch-bäuerlichen Strukturen mit tiergerechten Haltungsverfahren sowie eine Stärkung von regionalen Wertschöpfungsketten.

Gefährliche Pestizide konsequent verbieten

Das Insektizid Fipronil wirkt ganz ähnlich wie die bienengefährdenden Neonikotinoide. Schon in geringen Mengen ist es schädlich für Bienen und andere Insekten. Der BUND fordert ein umfassendes Verbot von solchen bienengefährdenden Pestiziden für die Landwirtschaft. Während der Hersteller BASF vor dem Skandal noch gerichtlich gegen die EU-weit bestehenden Zulassungsbeschränkungen für Fiprinol geklagt hatte, hat das Unternehmen inzwischen angekündigt, die bestehende Genehmigung als Pflanzenschutzmittel auslaufen zu lassen.

Aus Sicht des BUND muss darüber hinaus der Einsatz von Fipronil als Schädlingsbekämpfungsmittel beispielsweise gegen Ameisen oder im Heimtierbereich ebenfalls verboten werden. Nur so kann wirklich sichergestellt werden, dass Fipronil keinen Schaden mehr in der menschlichen Nahrungskette und als Bienengift anrichten kann.

Der BUND fordert:

  • Die Nutztierhaltung muss grundlegend umgebaut werden! Weg von der nicht artgerechten Massentierhaltung und hin zu tiergerechten Haltungsverfahren wie Weidetierhaltung, Öko-Tierhaltung und Neuland. Der Stall muss an die Tiere angepasst nicht umgekehrt.
  • Die Agrarpolitik muss auf die Stärkung und den Ausbau einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft und regionaler Wertschöpfungsketten ausgerichtet werden. Die Förderung von Intensivierung und einseitiger Exportorientierung muss ein Ende habe.
  • Weil Fipronil schon in sehr geringen Mengen schädlich für Bienen und andere Insekten ist, muss es in der Landwirtschaft und als Schädlingsbekämpfungsmittel verboten werden.

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