Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

OK

Faktencheck: Ist Geflügelmast besser als Öko-Haltung?

26. Juli 2017 | Massentierhaltung, Landwirtschaft, Bundestagswahl

Die Umstellung der Geflügelzucht in Deutschland auf eine umweltfreundliche, tiergerechte Haltung würde der Volkswirtschaft massiv schaden – meint zumindest die Geflügelindustrie. Sie versucht, ihren Standpunkt mit einer neuen Studie zu untermauern. Der BUND macht den Faktencheck.

"Wir haben es satt!"-Demo in Berlin 2017  (Jörg Farys)

Glaubt man den Ergebnissen der Studie zum "gesamtgesellschaftliche Nutzen moderner Geflügelfleischerzeugung in Deutschland und der Europäischen Union", stehen Deutschland und Europa vor schweren Zeiten.

Durch den Umbau auf eine tiergerechte und umweltschonende Geflügelhaltung würden demnach die Einkommen sinken, Arbeitsplätze verschwinden, die Erzeugungskosten explodieren und die Verbraucherpreise für Geflügelfleisch stark ansteigen.

Wissenschaft für die Geflügelindustrie

Erstellt haben die Studie Wissenschaftler vom Humboldt Forum for Food and Agriculture e.V. (HFFA) und Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING). Auftraggeber der Studie ist der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), also die Lobbyorganisation der Geflügelindustrie.

Eine interessengesteuerte Studie mithin. Den Autoren geht es vor allem darum, die gute Chance für die Geflügelwirtschaft in Deutschland und der EU herauszustellen, den weltweit steigenden Bedarf an Hähnchenfleisch zu befriedigen. Die Geflügelindustrie setzt also auf weiteren Ausbau – und versucht, diesen Anspruch wissenschaftlich zu unterfüttern.

Hühnerfleisch aus Massentierhaltung: billig nur auf den ersten Blick

Anders als die Studie suggerieren will, ist Billigfleisch aber weder für die Verbraucher*innen noch die Wirtschaft vorteilhaft. Im Gegenteil: Die Produktion von Billighähnchenfleisch ist mit hohen Kosten für die Gesellschaft verbunden. Wir zahlen mehrfach: Zum vordergründig niedrigen Preis kommen nämlich noch Steuern für Agrarfördermittel und die hohen Kosten, die beispielsweise durch Überdüngung entstehen.

Mastbetriebe haben meist nicht genug Flächen, um die Geflügelexkremente auszubringen. Nährstoffüberschüsse belasten als Nitrat das Grundwasser. Belastetes Grundwasser kann nicht als Trinkwasser verwendet werden, ohne aufbereitet zu werden. Hier kommen auf die Wasserwerke zusätzliche Kosten von 767 Millionen Euro im Jahr zu. Sie werden auf die Gesellschaft umgelegt.

Exporte zerstören Märkte

Auch im globalen Maßstab wirkt die industrielle Geflügelhaltung fatal: Denn oft wird in Deutschland nur die Hühnerbrust oder die Hähnchenschenkel gegessen. Die restlichen Teile werden exportiert – beispielsweise nach Westafrika. Diese Politik gefährdet tausende Arbeitsplätze und vernichtet Existenzen. 1992 kamen in Ghana noch 95 Prozent der verzehrten Hühner von heimischen Farmen, 2013 waren es nur noch 10 Prozent. Auch ganze Hähnchen für den Export zerstören die lokalen Märkte im globalen Süden und schaffen weitere Umweltprobleme hierzulande.

Aus Sicht des BUND müssen Geflügelexporte beendet werden. Statt die industrielle Geflügelproduktion zu fördern, ist die nächste Bundesregierung gefordert, die Tierhaltung hin zu einer tiergerechten, flächenverbundener Haltung mit bäuerlicher Haltung umzubauen. Sie muss sich EU-weite Ausrichtung für mehr Tierwohl und faire Erzeugerpreise einsetzen. Die Existenzen von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen müssen weltweit geschützt werden, damit sie auch weiterhin die Ernährungsgrundlage sichern können.

Der BUND empfiehlt

  • Essen Sie weniger tierische Lebensmittel.
  • Essen sie Fleisch vom Zweinutzungshuhn, um die Tötung männlichen Küken zu verhindern.
  • Kaufen Sie Fleisch aus artgerechter Haltung (Neuland oder Bio), um Sojaimporte zu vermeiden.

Mehr Informationen

Der wahre Preis: "Ein halbes Brathähnchen bitte!"

Der wahre Preis: "Ein halbes Brathähnchen bitte!"

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb