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Erfolgreicher Protest: Polen muss Abholzung im Białowieża-Urwald stoppen

08. Januar 2018 | Wälder, Naturschutz, Nachhaltigkeit, Lebensräume

Im Urwald von Białowieża stehen die großen Holzerntemaschinen still. Nach intensiven Protesten von Naturschützer*innen aus ganz Europa hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) Polen im November 2017 angewiesen, die Abholzung sofort zu beenden. Andernfalls müsse das Land 100.000 Euro Strafe pro Tag an die Europäische Kommission zahlen. Ein großer Erfolg für den Naturschutz!

Rund 900 Wisente streifen durch den Białowieża-Wald: die größte frei lebende Herde Europas.  ( A. Wajrak / save-bialowieza.net )

Der Wald von Białowieża gehört zu den letzten Urwäldern Europas. Bereits 1977 hat die UNESCO diesem Wildniswunder den Titel "Weltnaturerbe" verliehen. Das gesamte Gebiet von Białowieża erstreckt sich über rund 144.000 Hektar und beheimatet 20.000 Tierarten. Der größte Teil liegt in Weißrussland.

Der 63.200 Hektar große Białowieża-Wald auf polnischer Seite ist nur auf einem Sechstel seiner Fläche als Nationalpark geschützt (s. Karte hier). Seit den 1990er Jahren gibt es immer wieder Bemühungen, den Nationalpark auf die gesamte Fläche auszudehnen. Immerhin ist der gesamte polnische Teil des Waldes seit 2007 als Natura-2000-Gebiet nach EU-Recht geschützt.

Atemberaubende Artenvielfalt im letzten Tiefland-Urwald Europas

Der Białowieża-Wald ist geprägt von Eichen, Linden und Hainbuchen, aber auch Eschen, Birken und Fichten. Es gibt viele alte Bäume und eine große Strukturvielfalt. Als Jagdrevier von Königen und Zaren wurde der Białowieża-Wald seit dem 15. Jahrhundert faktisch geschützt. Trotz schwerer Eingriffe, insbesondere während der beiden Weltkriege, als im Wald schwerer Raubbau betrieben und der Wildbestand stark dezimiert wurde, wuchs hier kontinuierlich Wald.

Dies ist einer der Gründe für die atemberaubende Artenvielfalt von Białowieża, die das Herz von Biolog*innen und Artenkenner*innen höher schlagen lässt: 786 Gefäßpflanzen, 237 Flechten, rund 1.500 Großpilze, 59 Säugetierarten einschließlich Luchs, Otter, Elch und Wolf. Streng geschützte Waldkäfer wie Scharlachroter Plattkäfer, Goldstreifiger Prachtkäfer oder der Rothalsige Düsterkäfer haben hier ein Refugium. Über 120 Vogelarten brüten in Białowieża, darunter Dreizehenspecht, Raufußkauz und Schwarzstorch. Das größte Highlight – auch im doppelten Wortsinn – sind jedoch die rund 900 Wisente, die durch Białowieża streifen – die größte frei lebende Herde des Kontinents.

Die polnische Regierung hatte 2016 entschieden, einen massiven Holzeinschlag außerhalb des Nationalparks, jedoch im Natura-2000-Schutzgebiet zu genehmigen. Damit verstieß Polen gegen EU-Naturschutzrichtlinien. Die polnischen Staatsforste sehen in dem Fällen der Bäume – vornehmlich Fichten – den einzigen Weg, eine erneute Borkenkäfervermehrung in den Wäldern von Białowieża zu stoppen. Naturschützer*innen halten dies für einen Vorwand, um durch den Verkauf des eingeschlagenen Holzes rasches Geld zu verdienen, denn der Borkenkäfer befällt vor allem Fichtenmonokulturen und keinen Laubmischwald.

Proteste im Wald von Białowieża und in ganz Europa

Monatelang harrten Umweltschützer*innen in den Wäldern an der Grenze zu Weißrussland aus. Sie stellten sich den Holzfäller*innen in den Weg und riskierten ihre Festnahme. Um jeden einzelnen der teils über 100 Jahre alten Bäume kämpften sie.

Auch Friends of the Earth Europe setzte sich mit Aktiven vor Ort im Protestcamp von Białowieża wie auch mit Demonstrationen und Briefen an die polnischen Botschafter in ganz Europa gegen die Waldzerstörungen in Białowieża ein. So forderte auch der BUND gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen vom polnischen Botschafter in Deutschland einen Stopp der Abholzungen. Auch die UNESCO verlangte ein Ende der Zerstörungen. 

Der Widerstand hat sich gelohnt!

Als Polens Regierung die Aufforderung der EU-Kommission ignorierte, die Fällaktionen zu beenden, verklagte Brüssel das Land vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Dabei ersucht die Kommission das Gericht, festzustellen, ob Polen gegen mehrere Artikel der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie verstoßen hat.

Sie vermutet, dass der umfangreiche Holzeinschlag mehrere nach EU-Recht streng geschützte Arten wie Sperlingskauz, Weißrückenspecht oder Drachenkäfer gefährdet. Doch erst die einstweilige Anordnung des EuGH mit Strafandrohung zeigte Wirkung: Die riesigen Erntemaschinen verschwanden aus Białowieża. Der polnische Forstdirektor verkündete das Ende der Fällungen. Vorgeblich, weil die "Maßnahmen gegen den Borkenkäfer" beendet seien.

Der EuGH hat die Klage der EU-Kommission gegen Polen wegen der Abholzungen im Białowieża-Wald Ende 2017 verhandelt. Der Generalanwalt wird voraussichtlich am 20. Februar 2018 seine Schlussanträge vorlegen. Der BUND geht davon aus, dass das ausführliche Urteil des EuGH dann innerhalb weniger Wochen folgen wird. 

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